Meisterspieler tragen nicht alle Verantwortung

Captain Steve von Bergen ist einer von sechs Spielern bei den Young Boys, die schon einen Meistertitel gewonnen haben. Vor der Partie bei Aarau (Sonntag, 13.45 Uhr) sinniert er über eigene und fremde Ansprüche.

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Der Kapitän steht entspannt im Rückenwind. Sie ist gut unterwegs dieser Tage, die Belegschaft von YB-Captain Steve von Bergen, und trotz der Hausse mit elf Punkten aus fünf Partien seit der Winterpause ist bei den Young Boys eine gewisse Geschäftigkeit festzustellen. Die Berner wissen derzeit ja nie so recht, wo sie sich zu verorten haben, es ist für sie nicht einfach, zwischen Basel und Zürich, Meisterrennen und Kampf um Rang 2, den richtigen Platz zu finden, den richtigen Ansprüchen gerecht zu werden.

Wochenende für Wochenende holt YB Punkt um Punkt, mal deren drei, mal nur einen, in den letzten neun Runden aber nie keinen – und Mal für Mal wird die Leistung mit der gleichen Grösse gemessen: dem Abstand zum FC Basel. Schwindet er, ist YB ein Meisterkandidat, steigt er an, soll sich der Klub auf die Verteidigung von Rang 2 konzentrieren.

«Mon dieu, zehn Jahre»

«So läuft das Geschäft», scherzt von Bergen, sagt aber auch: «Im Fussball gibt es genau zwei Emotionen. Freude und Enttäuschung, Sieg und Niederlage.»

Der abgeklärte Eindruck ist bei Steve von Bergen nicht nur Teil der Arbeit, bei ihm gehört er gewissermassen zum Spielertyp. Auch nach Siegen wirkt der Neuenburger manchmal unzufrieden, nach Niederlagen bisweilen patzig. Zu diesem luftleeren Raum, in dem sich YB im Championat zeitweise bewegt, sagt er: «Natürlich schauen wir auf Basel, wir orientieren uns grundsätzlich nach oben. Aber genauso schauen wir auch auf den FC Zürich und nach Thun.»

Ein Gedanke bei der Verpflichtung Steve von Bergens vor bald zwei Jahren war auch, rund um den Nationalverteidiger eine stabile Achse aufzubauen. Das ist Sportchef Fredy Bickel so weit geglückt, dank weiteren Leistungsträgern wie Sékou Sanogo, Alexander Gerndt, Guillaume Hoarau und Milan Vilotic. «Wir sind heute weiter als noch vor einem Jahr», sagt von Bergen, «aber es wäre auch bedenklich, wenn wir das nicht wären.»

Bald ist es zehn Jahre her («Mon dieu, zehn Jahre»), als Steve von Bergen als junger Innenverteidiger mit dem FCZ zwei Meistertitel erlangte. Beim ersten entschied Iulian Filipescu mit seinem Treffer den Showdown in Basel; der kantige Rumäne war damals so etwas wie ein Lehrmeister für von Bergen. «Er war neun Jahre älter als ich und der klare Chef in der Abwehr.»

Das ist heute auch von Bergen, leistungsmässig, vom Wortgewicht her, doch mit Vilotic, seinem Partner in der Innenverteidigung, pflegt er eine andere Beziehung, als damals Filipescu zu ihm. «Ich mag dieses Chefverhältnis nicht», meint von Bergen. Vilotic ist 28, drei Jahre jünger als er, beide zählen sie auf ihrer Position zu den Besten im Land, beide verfügen über ein ausserordentliches Kopfballspiel, «doch er ist viel torgefährlicher», fügt der Captain schmunzelnd an.

Der Fehltritt im Oktober

Beim notorisch titelhungrigen YB gibt es nur fünf weitere Spieler, die auf Profiebene ebenfalls zu Meisterehren gekommen sind, nur zwei aber spielen in der Mannschaft eine grössere Rolle, übernehmen Verantwortung wie von Bergen. Alexander Gerndt (schwedischer Meister mit Helsingborgs) und Guillaume Hoarau (französischer Meister mit Paris St-Germain) zählen zur erwähnten Achse, Alain Rochat (Meister mit dem FCZ), Gonzalo Zarate (österreichischer Champion mit Red Bull Salzburg) und Taulan Seferi (Titelgewinn in Mazedonien mit Rabotnicki) sind ergänzende Akteure.

Der Auftritt bei Aarau morgen ist auch eine weitere Prüfung auf diesen meisterlichen Charakter hin. Anfang Oktober, beim letzten Gastspiel im Stadion Brügglifeld, verspielten die Young Boys zweimal eine Führung und verloren noch mit 2:3. Wenige Wochen später startete YB seine Siegesserie, Aarau hat seither nicht mehr gewonnen und gerade einmal drei Tore erzielt. Von Bergen selbst kämpft noch mit einer Muskelverhärtung, sein Einsatz ist fraglich wie jener von anderen Abwehrspielern (siehe Kasten). «Wir sollten jetzt wissen, wie man in Aarau auftritt.» Der Captain zählt auf den Rückenwind.

thunertagblatt.ch/Newsnetz berichtet am Sonntag ab 13.45 Uhr live vom Spiel Aarau – YB.

Berner Zeitung

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