Mit Nervenstärke nach Brasilien

Zum 3. Mal in Folge qualifizierte sich die Schweiz für eine WM – Shaqiri und Lang trafen beim 2:1 in Albanien.

  • loading indicator
Thomas Schifferle@tagesanzeiger

Am Ende gab es ganz viele glückliche Gesichter von Spielern und Funktionären, von lauter glücklichen Schweizern, die im Qemal-Stafa-Stadion von Tirana den Moment genossen. Kurz vor halb elf Uhr abends waren sie am Ziel, hatten sie das erreicht, was sie sich seit dem Tag der Gruppenauslosung vorgenommen hatten: Platz 1 und direkte Qualifikation für die WM 2014.

Den Jubelszenen fehlte das völlig Losgelöste. Das war kein Mangel, sondern auch ein Zeichen von Respekt vor dem Gegner. Und es war ein Zeichen dafür, dass sie mit dem, was sie nun auf sicher haben, sich seit dem Sieg in Norwegen und einem Monat anfreunden.2:1 hatten die Schweizer gewonnen und damit eine bestechende Serie fortgesetzt: Es war ihr 13. Spiel in Folge ohne Niederlage, das neunte in dieser Ausscheidung, und das Bemerkenswerte an ihrem Erfolg war auch, dass es im fünften Auswärtsspiel ihr vierter Sieg mit zwei Toren war.

Der Gegentreffer in der 89. Minute war ein Schönheitsfehler, aber nur ein kleiner und vor allem ein vernachlässigbarer. Selbst Diego Benaglio wird ihn verschmerzen, er, der bis anhin überragende Rückhalt in dieser Qualifikation, verschuldete fahrlässig den Elfmeter, den Roshi zum Anschlusstor nutzte. Es passte zu einem Abend, an dem er hie und da die gewohnte Souveränität vermissen liess.

Es war kein einfaches Spiel für die Schweizer gewesen, gegen Albaner, die sich als leidenschaftliche Kämpfer versuchten, auf einem Platz, der an einen Acker erinnerte und gepflegten Fussball verunmöglichte. Aber wie sie sich grundsätzlich präsentierten, verdiente Anerkennung. Sie liessen sich nie dazu verführen, den Gegner und sein Publikum zu reizen, sie behielten die Kontrolle über ihre Emotionen.

Natürlich mussten sie ein paar hektische Momente überstehen. Nicht in der ersten Halbzeit, da hatten sie defensiv alles im Griff, aber acht Sekunden nach der Pause wurde Benaglio gleich von Rama geprüft, und der Goalie war bei zwei tückischen Flanken gefordert, und in der 76. Minute brauchte er bei Roshis hartem Schuss die Latte, die für ihn rettete.

Shaqiri, ausgerechnet er

Was den Schweizern auch diesmal gelang, waren Tore in wichtigen Momenten. Die aufgeflammte Euphorie der Albaner nach Ramas Abschluss kühlte Xherdan Shaqiri mit dem 1:0 ab. Und Sekunden nach dem Lattenschuss traf Michael Lang zum 2:0. So oder ähnlich waren die Spiele schon in Slowenien, in Island oder Norwegen gelaufen.

Vor dem Spiel, als die Kollegen draussen auf dem Platz mit den Gegnern redeten, hatte sich Shaqiri schnell wieder in die Kabine verdrückt. Nach 39 Minuten schien sein Einsatz bereits zu Ende, kopfschüttelnd stand er an der Seitenlinie und liess sich am Oberschenkel behandeln. Er hielt die letzten Minuten bis zur Pause durch, kehrte nochmals aufs Spielfeld zurück, schoss das Tor, und gleich danach ging er endgültig, unter den Pfiffen eines Publikums, das die Niederlage schliesslich mit viel Fassung trug.

Der Zufall half bei Shaqiris zweitem Goal in dieser Qualifikation. Ein völlig missratener Schuss Xhakas wurde zur perfekten Vorlage, und freistehend vor dem Goalie Berisha behielt er Ruhe und Übersicht. Zum 2:0 lieferte Inler erneut mit einem Freistoss die Vorarbeit, der Ball fiel letztendlich Lang vor die Füsse, und der Grasshopper drückte ihn über die Linie.

Dass der grosse Glanz fehlte, war unerheblich. Dass es bei weitem nicht die beste Leistung in den vergangenen zwölf Monaten war und die grosse Linie im Spiel fehlte, war es ebenso. Darum ging es auch nicht, es ging nur um den Sieg, um den Erfolg, und es sprach für die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld, dass sie auch und gerade im entscheidenden Moment die Nerven behielt. Lang vertrat den verletzten Lichtsteiner gut und war ein Aktivposten (ganz anders als seine GC-Kollegen bei Albanien, Abrashi und Gashi), Von Bergen leistete sich nur einen Fehler, der zu seiner Verwarnung führte, Schär war so ruhig, wie das von ihm bekannt ist, Rodriguez war oft gefordert, aber meist der Zweikampfsieger.

Inler und Behrami arbeiteten unauffällig, das traf vor allem auf Behrami zu, der sichtlich bemüht war, die Ruhe zu bewahren und auf die Kollegen zu übertragen, Xhaka war sehr diskret, Stocker auch. Shaqiri dagegen hatte starke Momente, und Seferovic bestätigte einmal mehr, ein ungemein kampfstarker Stürmer zu sein und einer mit viel versprechender Zukunft.

Slowenien am Dienstag wird den stressfreien Abschluss dieser Ausscheidung bilden. Und den Start zur Vorbereitung auf eine WM, die nicht schon nach den Gruppenspielen enden soll. Xhaka jedenfalls will Gepäck für vier Wochen nach Brasilien mitnehmen.

Tages-Anzeiger

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt