Mit Teilzeitarbeit soll Schluss sein

Grégory Karlen spielte aufgrund einer Reizung der Achillessehne nur auf Kunstrasen. Nun ist er auf dem Weg zurück.

Zuletzt nur auf Kunstrasen unterwegs: Thun-Mittelfeldspieler Grégory Karlen.

Zuletzt nur auf Kunstrasen unterwegs: Thun-Mittelfeldspieler Grégory Karlen.

(Bild: Peter Schneider/Keystone)

Simon Scheidegger@theSimon_S

Als der FC Thun am 6. Februar in Lugano 3:1 gewinnt, ist dies ein erfreulicher Tag, bejubeln die Oberländer zum Rückrundenauftakt doch den ersten Sieg gegen die Tessiner seit fast zwei Jahren und liefern einen ersten Beleg dafür, dass die starke Vorrunde nicht nur ein Ausreisser nach oben war. Für Grégory Karlen bleibt die Partie auf dem schwierigen, tiefen Terrain des Cornaredo jedoch auch aus einem anderen Grund in Erinnerung. Nach einem Tritt eines Gegenspielers direkt auf die Achillessehne verspürt er einen stechenden Schmerz, der im Verlauf der Partie immer stärker wird. Er kann nicht mehr richtig belasten.

Nach intensiver Behandlung steht er vier Tage später gegen die Young Boys wieder das ganze Spiel lang auf dem Feld. Dann folgt aber eine einmonatige Pause, die dazu dienen soll, die Reizung vollständig auszukurieren. In Absprache mit den Trainern beschliesst Karlen, bis auf weiteres nur auf Kunstrasen zu spielen, da die Wechsel der Unterlage als ein Faktor ausgemacht werden, die den Heilungsprozess beeinträchtigen könnten. Der 24-Jährige wird zum Teilzeitarbeiter, der in der Stockhorn Arena die Fäden im Thuner Spiel zieht, bei Auswärtsspielen wie in Basel oder St. Gallen aber auf der Tribüne sitzt.

Karlens Leidensgenossen

Es ist eine Vorsichtsmassnahme, die Trainer Marc Schneider verordnet. Auch wenn er Karlen als wichtigen Spieler seiner Mannschaft sieht, steht im Vordergrund, dass sich der Walliser komplett erholt. Denn Schneider weiss aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie langwierig eine Achillessehnenverletzung sein kann, wenn man nicht frühzeitig auf seinen Körper hört und ihm genügend Pausen gönnt. Während knapp zwei Jahren hatte der ehemalige Verteidiger immer wieder Probleme mit den Achillessehnen. Er habe einfach immer weitergespielt, sagt der 38-Jährige. Bis sie chronisch entzündet waren. Schneider versuchte vieles, um doch möglichst oft zu spielen; wechselte die Schuhe, brauchte Einlagen, nahm Schmerzmittel oder liess sich fitspritzen. «Es war einfach mühsam.» Schliesslich liess er sich beide Achillessehnen operieren.

Auch Sportchef Andres Gerber hatte zu seiner Aktivzeit mehrere Jahre mit seinen Achillessehnen zu kämpfen. Als er mit dem FC Thun 2005 in der Champions League hätte spielen sollen, beeinträchtigte ihn die Reizung so stark, dass er nach eigener Aussage kaum noch laufen konnte und dementsprechend nur in drei der sechs Gruppenspiele zum Einsatz kam. Auch er hatte danach einen operativen Eingriff.

Von Fall zu Fall anders

Die Achillessehne, die Schwachstelle der Fussballer? FCT-Mannschaftsarzt Martin Schober sagt, dass derartige Verletzungen bei Läufern deutlich häufiger auftreten würden, aber in einer Saison könne es schon vorkommen, dass bei einem Spieler Probleme diagnostiziert würden. Die Gründe dafür sind vielseitig und werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Schober erwähnt die Kraft, die Belastung, den Rohbau eines Körpers, aber auch äussere Faktoren wie die Tiefe eines Platzes, die Anordnung der Nocken an den Schuhen oder, wie bei Karlen, eine Reizung durch einen Schlag.

«Alles, was die Statik beeinflusst, kann sich auch auf die Achillessehnen auswirken», sagt Schober, der seit vier Jahren Teil des medizinischen Staffs der Thuner ist. Die Wechsel der Spielunterlage identifiziert er jedoch nicht als Hauptproblem, da die Unterschiede zwischen Natur- und Kunstrasen heutzutage marginal seien. Schober hält fest, dass von Fall zu Fall grosse Unterschiede auftreten. Auch, was die Länge der Behandlung angeht. Reichen manchmal einige Tage, sind andere monate- oder gar jahrelang beeinträchtigt.

Bezüglich seines aktuellen Patienten Grégory Karlen will Schober aus Datenschutzgründen nicht ins Detail gehen, sagt aber, dass er derartige Verletzungen bisher immer erfolgreich behandelt habe.

Ohne Druck, mit Zuversicht

Auch wegen ihrer Vergangenheit wollen Schneider und Gerber im Fall von Karlen nichts überstürzen. «Natürlich ist die Situation für uns nicht optimal», meint Gerber. «Aber das Wichtigste ist die Gesundheit des Spielers. Wir machen keinen Druck.» Und Schneider sagt: «Ich bin überzeugt, dass Grégory sehr bald wieder voll einsatzfähig ist.»

Die Zuversicht des Trainers teilt auch Karlen selbst. Er lässt ausrichten, dass es ihm sehr gut gehe und er bereits seit längerem wieder schmerzfrei sei. In einem Testspiel kam er in der Nationalmannschaftspause auch auf Naturrasen wieder über die gesamte Spielzeit zum Einsatz. Es scheint, dass er die Phase als Teilzeitarbeiter überstanden hat. Mehr möchte Karlen zu diesem Thema nicht sagen. Lieber will er mit guten Leistungen beweisen, dass er wieder der spielstarke Ballverteiler ist, der in der letzten Saison fast jede Minute absolvierte. Am Sonntag (16 Uhr) bietet sich in der Neuenburger Maladière gegen Xamax die nächste Gelegenheit dazu.


So könnte Thun spielen: Faivre; Glarner, Sutter, Rodrigues, Joss; Gelmi; Stillhart, Karlen; Salanovic, Sorgic, Spielmann. – Ohne: Hediger, Tosetti (verletzt).

Berner Zeitung

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