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Mourinho stichelt und lobt vor dem Final gegen Lehrmeister Van Gaal

Nach der «schönsten Niederlage seines Lebens», dem 0:1 in Barcelona, mit dem sich Inter für den Champions-League-Final qualifizierte, genoss Trainer José Mourinho den Moment.

Nach dem Schlusspfiff sprintete José Mourinho wie von Sinnen auf den Rasen. Stolz und euphorisiert streckte er den Zeigefinger in die Höhe. Er liess sich feiern, als hätte er die Champions League ein zweites Mal nach 2004 (mit Porto) gewonnen. Die katalanischen Fans, die den Portugiesen überhaupt nicht mögen, reagierten verärgert. Und der Barça-Torhüter versuchte den triumphierenden Trainer von Inter Mailand einzufangen. Mourinho liess sich dadurch überhaupt nicht beirren. Er gefiel sich in seiner Lieblingsrolle, in jener des Siegers, der sich mit seinem verschworenen Haufen gegen den Rest der Welt durchgesetzt hatte.

Im Final in Madrid wird Mourinho auf seinen ehemaligen Lehrmeister und Chef bei Barcelona, Louis van Gaal, treffen. Dem Holländer, zu dem er ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, hatte er bereits am Vortag zum Finaleinzug mit Bayern München, das Lyon mit einer beeindruckenden Leistung eliminiert hatte, per SMS gratuliert. Schon vor den Halbfinals hatte Van Gaal seinem ehemaligen Assistenten geschrieben: «Wir sehen uns in Madrid!»

«Bayern hatten den einfacheren Weg»

«Vor dem Spiel werden wir uns umarmen. Danach auch. Aber während der 90 Minuten sind wir Gegner», sagte Mourinho gegenüber «Sky». Der Portugiese war von 1997 bis 2000 Van Gaals Co-Trainer bei Barça gewesen. «Das wird sicher ein grossartiges Spiel», sagte Mourinho und stichelte: «Die Bayern hatten den einfacheren Weg in den Final. Doch sie sind da. Wir spielten viermal gegen Barcelona, plus zweimal gegen Chelsea. Das war ein sehr schwieriger Weg. Bayern ist eine grosse Mannschaft mit einem grossartigen Trainer, grosser Tradition und einer Menge Champions-League-Erfahrung. Ich denke, die Chancen stehen 50:50.»

Der Portugiese lobte vor allem das Festhalten an seinem ehemaligen Lehrmeister Louis van Gaal, unter dem er einst in Barcelona als Assistent arbeitete. «Er ist ein ganz hervorragender Trainer, das weiss ich genau», so Mourinho. «Die Bayern haben in dieser Saison nicht gut begonnen und haben sich in einer schweren Situation befunden, aber sie haben die Ruhe bewahrt. Und nun stehen sie im Champions-League-Final, im Cupfinal und sind Erster in der Liga. Dank Louis van Gaal.»

Nach der taktischen Meisterleistung seines Teams und der Defensivschlacht, die Inter nach dem Platzverweis von Thiago Motta über eine halbe Stunde mit zehn Mann führte, war der 47-Jährige in aufgeräumter Stimmung. «Das ist der grösste Moment meiner Karriere», sagte er. «Für die Spieler, für mich und die Fans ist es das Grösste. Wir waren ein Team von Helden. Wir schwitzten Blut.»

«Ich bin kein dummer Trainer»

Es sei die schönste Niederlage seines Lebens gewesen, sagte der Mann des Abends. «Meine Spieler hätten ein 0:0 verdient gehabt. Sie haben eine absolut spektakuläres Spiel, was die defensive Organisation betrifft, gezeigt.»

Auf die äusserst hypothetische Frage, ob er einmal Barcelona-Trainer werden möchte, fand Mourinho eine klare Antwort: «Nur ein dummer Trainer würde nicht gerne einen Klub von der Dimension Barcelonas trainieren. Ich bin kein dummer Trainer. Aber: Ich bin auch nicht so dumm, zu glauben, dass man diesen Hass in Liebe verwandeln könnte.» Er deutete aber ein weiteres Mal an, dass er nicht für alle Ewigkeit in Mailand bleiben wird. «Ich liebe Inter und die Fans, aber nicht den italienischen Fussball. Ich respektiere ihn, aber ich liebe ihn nicht.» Es ist nicht auszuschliessen, dass der grosse Taktiker und Motivator nicht nur am 22. Mai beim Final gegen den FC Bayern nach Madrid fährt, sondern auch nächste Saison Real Madrid trainieren wird.

«Das Team, das gewinnt, hat recht»

Mourinhos geschlagener Antipode Pep Guardiola zeigte sich als guter Verlierer. Der Barcelona-Trainer liess sich auch durch provokative Fragen über Inters destruktive Spielweise nicht aus der Reserve locken. «Jeder Trainer, jedes Team spielt so, wie es will», sagte er. «Sie haben sich wie schon im ersten Match entschieden, so zu spielen. Und okay: Gratulation. Im Fussball und im Sport hat das Team, das gewinnt, recht.»

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