Neustart im Neufeld

Der FC Bern hat turbulente Monate hinter sich. In ­kurzer Zeit musste Antar Laidani ein komplett neues Team ­formen. Doch der neue Coach ist optimistisch für die kommende Saison.

Antar Laidani ist für die neue Saison optimistisch.

Antar Laidani ist für die neue Saison optimistisch.

(Bild: Beat Mathys)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Antar Laidani sitzt auf der geschichtsträchtigen Haupttribüne des Neufeldstadions, blickt auf den Rasen und sagt dann: «Das ist eine grosse Challenge für mich.» Dieses Wort, Challenge – auf Deutsch Herausforderung – wird im Gespräch noch einige Male fallen. Seit diesem Sommer betreut Laidani den FC Bern. Der gebürtige Algerier hat sich defi­nitiv keiner leichten Aufgabe angenommen.

Der Traditionsverein steht – wieder einmal – vor einem Neustart. Vor wenigen Monaten schien die Situation im Neufeld zu eskalieren, wegen ausstehender Prämien drohte das Team mit Streik. Letztlich fand sich eine Lösung, die Berner belegten in der 2. Liga interregional den 6. Rang. Doch nach dem Saisonende kam es zum Exodus.

Abgesehen von zwei Spielern verliessen sämtliche Akteure den Stadtklub, überdies kommt es nun im Vorstand zu diversen Wechseln. «Es gab viel Negatives», hält David Gerber fest. «Aber mit den Spielern konnten wir alles regeln, und finanziell präsentiert sich die Situation weit besser als noch im Februar.» Gerber wird sich an der Hauptversammlung von nächster Woche als Vizepräsident zur Wahl stellen. Er ist eines von vielen neuen Gesichtern im Vorstand, aber ein alter Bekannter im Verein.

Der ehemalige Tor­hüter ist bestrebt, mit seinen Kollegen für Ruhe zu sorgen. Bereits sein Vater war Präsident des FC Bern, als sich der Klub ebenfalls in einer schwierigen Phase befand. Vor zwei Jahren ist er verstorben. «Es kann nicht sein, dass das für nichts war, was er und andere damals geleistet haben», sagt Gerber. «Wir blicken positiv in die Zukunft. Es gilt nun, uns schnell zu finden, neben und auf dem Platz.»

Junge Equipe

Für Letzteres ist nun Antar Laidani zuständig. Vergangene Saison führte der 44-Jährige Bosporus in die Aufstiegsspiele, scheiterte jedoch gegen den FC Wyler. Derzeit arbeitet Laidani am Uefa-A-Diplom. «Die Barrage mit Bosporus war eine gute Erfahrung für mich», hält er fest, «aber mein Ziel ist, in einer höheren Liga zu arbeiten.»

Beim FC Bern erhält er nun die Gelegenheit dazu. Wobei er zweifellos gefordert ist. Am 10. Juli nahm Laidani das Training auf, es erschienen viele neue Spieler, der Coach musste selektionieren. Mittlerweile zählt das Kader 24 Akteure, der Altersschnitt liegt unter 20 Jahren. Laidani legt viel Wert auf die Kommunikation, er führt immer wieder Einzelgespräche. «Es ist wichtig, den Spielern Vertrauen zu geben, sie zu motivieren. Aber dafür braucht es natürlich Zeit und Geduld.»

Vier Spiele hat der FC Bern in der Vorbereitung absolviert. Die Bilanz fällt mit drei Siegen und einem Remis positiv aus, wobei es sich bei den Gegnern ausschliesslich um regionale Zweitligisten handelte. Laidani gefiel vor allem, dass seine Spieler auch bei einem Rückstand nicht aufgaben. «Es braucht alle. Wir müssen auf dem Platz solidarisch sein», betont der Coach.

Klare Rolle

Laidani macht sich nichts vor. Er weiss, welche Rolle unter diesen Voraussetzungen für den FC Bern in der 2. Liga interregional vorgesehen ist. «Für viele sind wir ein Abstiegskandidat. Aber ich bin sehr motiviert und optimistisch. Ich glaube daran, dass wir mit diesem jungen Team etwas erreichen können.» Das oberste Ziel lautet Ligaerhalt. Laidani hofft, dass das Team rasch Punkte sammelt, «damit wir in Ruhe arbeiten können».

Wobei Ruhe eigentlich nicht sein Ding ist. Der 44-Jährige ist vierfacher Vater, führt in Bern ein kleines Bauunternehmen. «Ist ­alles gut organisiert, geht das», meint er lächelnd und fügt einmal mehr an: «Es ist eine Challenge für mich. Aber ich liebe Fussball, es macht mir Spass, nach einem Arbeitstag auf dem Rasen zu stehen.» Am Samstag startet der FC Bern nun gegen Muri-Gümligen in die neue Saison. Auch der Aufsteiger hat einen grösseren Umbruch hinter sich (siehe Kasten). Das Derby verspricht zweifellos Spannung.

Berner Zeitung

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