«Pipi» im Strumpf, Thun im Sumpf

Nach zuletzt sechs Spielen ohne Niederlage verliert der chancenlose FC Thun in Basel 0:3. Beim Meister dreht sich vieles um den Ende Saison zurücktretenden Marco Streller.

Geteilte Freude ist doppelte Freude: Shkelzen Gashi (rechts) mit Marco Streller.

Geteilte Freude ist doppelte Freude: Shkelzen Gashi (rechts) mit Marco Streller.

(Bild: Keystone)

Philipp Rindlisbacher

Urs Fischer schmunzelte. Seine Gemütslage hatte nichts mit Galgenhumor nach der 0:3-Niederlage des FC Thun in Basel zu tun, nein, vielmehr amüsierte er sich über den einen oder anderen jüngst erschienenen Medienbericht, in dem die angebliche Krise des Meisters thematisiert worden war.

«Basel spielt in der Champions League, Basel steht im Cuphalbfinal, Basel ist souveräner Leader – sind wir froh, läuft es ihnen so schlecht», meinte Fischer. Natürlich waren seine Worte ironisch formuliert. Das für Schweizer Verhältnisse hochkarätig besetzte Ensemble vom Rheinknie nämlich agierte gegen die Oberländer vor über 26000 Zuschauern dominant, angriffig, solidarisch. Der Favorit leistete sich kaum Ballverluste, weshalb sogar der sonst so emotionslos wirkende Coach Paulo Sousa aus seiner Haut konnte, von der besten Leistung in diesem Jahr sprach.

Ein Fauxpas von Faivre

Ausgerechnet gegen Thun also vermochten die Basler ihr grosses Potenzial abzurufen – die Gäste machten es dem Ligakrösus aber auch einfach. «Wir waren nur am Verteidigen, versuchten, den Schaden in Grenzen zu halten. Das reicht hier nicht», resümierte Fischer, ergänzend, seine Mannschaft sei von einem Punktgewinn «sehr weit entfernt» gewesen.

Aus Thuner Optik endeten im St.-Jakob-Park zwei Serien. Nach sechs Spielen ohne Niederlage zog der Tabellenvierte erstmals wieder den Kürzeren. Nach dem 4.Oktober des vergangenen Jahres (3:2-Sieg gegen GC) und vor dem samstäglichen Vergleich hatte Thun in elf Partien nie mehr als einen Gegentreffer kassiert, total waren es lediglich deren fünf. In Basel jedoch mangelte es an Stabilität und Ordnung, vorab beim wegweisenden 0:1 unmittelbar vor dem Pausenpfiff. Nach einem Doppelpass mit dem prächtig aufgelegten Marco Streller setzte sich Shkelzen Gashi gegen vier (!) Thuner durch. Der zuletzt so solide Guillaume Faivre versuchte ausserhalb des Strafraums zu klären, verpasste indes den Ball. «Ein Goalie muss Verantwortung übernehmen. Manchmal fällt er falsche Entscheidungen», hielt Fischer fest. Das Tor fiel im dümmsten Moment, die Basler hatten zuvor schon zu hadern begonnen, sich wegen des fehlenden Ertrags aneinander etwas aufgerieben.

Ein Andenken für Fischer

Letztlich waren die Thuner mit dem Ergebnis noch gut bedient, ab Mitte der zweiten Halbzeit schalteten die Basler in den Energiesparmodus. Für die Entscheidung hatten sie gleich nach Wiederbeginn gesorgt, als Streller und Gashi – mit Saisontor Nummer 16 – ihre Freiheiten ausnützten. «Da standen wir kurz im Sumpf», resümierte Youngster Nicola Sutter treffend.

Die Gäste ihrerseits blieben harmlos, schossen nur viermal aufs Tor. Es blieb bei einer nennenswerten Torchance (Marco Rojas, 62.). Basel-Keeper Tomas Vaclik hätte seinen Vaterschaftsurlaub ruhig verlängern können. «Wir waren nicht mutig genug, um hier Fussball zu spielen», konstatierte Fischer. In den fünf Partien seit der Winterpause haben die Thuner nur drei Tore erzielt. Von einem Offensivproblem aber wollte Fischer nichts wissen. Am kommenden Wochenende dürfte der Coach wieder auf Enrico Schirinzi zurückgreifen können, auch Lotem Zino und Thomas Reinmann dürften bald wieder einsatzfähig sein. Ungewiss ist, ob Stefan Glarner pausieren muss, der Verteidiger verletzte sich in der zweiten Halbzeit; es besteht Verdacht auf Innenbandriss.

Gegen den FCB, bei dem es Philipp Degen nicht einmal ins Aufgebot geschafft hatte, zu verlieren, sei keine Schande, meinte Fischer. Punkte mitnehmen konnte er keine, dafür ein wertvolles Souvenir. Er sicherte sich das Leibchen von Marco Streller, um den sich nach dessen Rücktrittsankündigung fast alles drehte. Streller, in Basel «Pipi» genannt, hatte Fischer sein Shirt schon in der Vorrunde versprochen. «Damals glichen wir in der letzten Minute aus, Marco war grantig und liess mich stehen.» Sagte Fischer – und lachte erneut.

Berner Zeitung

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