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Rollende Grossplanung

Auf die YB-Verantwortlichen um Sportchef Christoph Spycher warten arbeitsreiche Wochen. Sie suchen einen neuen Trainer – und müssen das Meisterteam umbauen.

Ereignisreiche Zeiten: YB-Sportchef Christoph Spycher feiert Erfolge – und plant die Zukunft.
Ereignisreiche Zeiten: YB-Sportchef Christoph Spycher feiert Erfolge – und plant die Zukunft.
Christian Pfander

Am Samstag bestreiten die Young Boys bei GC das letzte Saisonspiel in der Super League, am 27. Mai steht der Cupfinal gegen den FCZ im Stade de Suisse auf der YB-Agenda. Danach endet die erfolgreiche Zeit von Coach Adi Hütter in Bern. Christoph Spycher sondiert den Markt, er wird nächste Woche viele Gespräche mit Trainerkandidaten führen. «Wir haben Zeit», sagt der Sportchef, «und werden den Trainer erst nach dem Cupfinal kommunizieren.»

Für den 40-Jährigen ist die Wahl des Nachfolgers von Hütter die wichtigste Personalentscheidung seiner 20 Monate Amtszeit – wobei auch der neue Trainer Deutsch sprechen sollte. Parallel dazu gilt es, das Kader für die nächste Spielzeit zu planen. Der Umbau wird beträchtlich sein.

Tor: Legende als Mentor

Die Philosophie des Clubs sieht die Entwicklung der Talente vor. Also dürfte Goalie David von Ballmoos nach seiner Rückkehr erneut die Nummer 1 sein, Marco Wölfli mit Legendenstatus in die Rolle des Mentors schlüpfen. Der Franzose Alexandre Letellier verlässt YB, der junge Dario Marzino sucht möglicherweise eine Herausforderung als Nummer 1.

Zurück in der Rolle des Mentors? Marco Wölfli könnte ab der kommenden Saison wieder die Nummer Zwei hinter David von Ballmoos werden. (Bild: Nicole Philipp)
Zurück in der Rolle des Mentors? Marco Wölfli könnte ab der kommenden Saison wieder die Nummer Zwei hinter David von Ballmoos werden. (Bild: Nicole Philipp)

Abwehr: Garcia als Kandidat

Die Abgänge von Kasim Nuhu und Kevin Mbabu sind nicht zu verhindern. Beide werden rund zehn Millionen Franken Ablösesumme einbringen, bei einem Transfer in die Premier League eher mehr. Viele Vereine befassen sich mit ihnen, wobei Nuhu trotz riesigem Potenzial zuletzt mit inkonstanten Leistungen ein paar Fragezeichen hinterlassen hat. Er wird in der Innenverteidigung durch einen anderen aufstrebenden Akteur ersetzt werden.

«Wir haben Zeit und werden den Trainer erst nach dem Cupfinal kommunizieren.»

YB-Sportchef Christoph Spycher

YB wird dank der gewaltigen Einnahmen auf dem Transfermarkt in der Lage sein, deutlich mehr als in den letzten Jahren in Zugänge investieren zu können. Der Club beobachtet aktuell noch mehrere Akteure. Captain Steve von Bergen, 35 Jahre alt, soll bald einen Einjahresvertrag unterschreiben, er wird nächste Sai­son aber kaum erneut über 40 Partien bestreiten. Der begabte Grégory Wüthrich dürfte zu mehr Einsatzgelegenheiten kommen. Marco Bürki (zu Waregem nach Belgien) könnten die Young Boys durch die grösste Schweizer Abwehrhoffnung ersetzen: Jan Kronig, Jahrgang 2000. Der 17-Jährige überzeugt in der zweiten Mannschaft des Vereins.

Ein Kandidat für die Abwehr: Ulisses Garcia konnte sich bei Bremen nicht durchsetzen. (Bild: Keystone/Focke Strangmann)
Ein Kandidat für die Abwehr: Ulisses Garcia konnte sich bei Bremen nicht durchsetzen. (Bild: Keystone/Focke Strangmann)

Für die Planstelle hinten links ist Loris Benito vorgesehen, als Rechtsverteidiger Jordan Lotomba, immer noch erst 19. Leo Seydoux, 20, könnte hinten rechts eine Alternative darstellen. Der polyvalente Thorsten Schick muss sich derweil entscheiden, ob er die Rolle als Ergänzungsspieler weiter akzeptiert – oder seinen Vertrag nicht verlängert. Die Young Boys werden aber auch einen Aussenverteidiger verpflichten. Vielleicht wie mit Mbabu oder Djibril Sow einen jungen Schweizer, dessen Karriere im Ausland ins Stocken geraten ist. Ein realistischer Kandidat ist der frühere GC-Junior Ulisses Garcia, 22. Der Linksfuss setzte sich bei Bremen nicht durch und ist an Nürnberg ausgeliehen.

Mittelfeld: Einige Fragezeichen

Die grösste Baustelle bei YB betrifft das zentrale Mittelfeld. Im Verein spricht man von einer «rollenden Planung», weil einiges ungewiss ist. Der Berner Leonardo Bertone wird den Club ins Ausland verlassen, der Berner Sandro Lauper ihn ersetzen. Er ist spielstark und erst 21, wie Michel Aebischer, den man intern sehr hoch einschätzt. Aebischer könnte leihweise eine Saison bei einem kleineren Verein wie Thun bestreiten, ist aber bei YB fest eingeplant. Zumal es im Herbst durch die Teilnahme an einer europäischen Gruppenphase erneut rund 30 Pflichtspiele geben wird.

Djibril Sow ist gleichfalls 21 – und wird von enorm vielen ausländischen Clubs beobachtet. Eine weitere Saison in der Super League würde dem Aufsteiger der Saison gewiss nicht schaden. Das sieht Sow auch so. Vermutlich werden die Young Boys jedoch noch einige Wochen um den Techniker bangen müssen. Wie auch um Vorkämpfer Sékou Sanogo, der als 29-Jähriger nicht mehr viele Chancen erhält, in eine Topliga zu gehen. YB dürfte den Lohn des Schlüsselspielers in die Spitzenkategorie anheben, denn ein Abgang des wertvollen Ivorers würde das Team sehr schwächen. Zumal es äusserst schwierig wäre, einen valablen Ersatz zu finden.

Wohin zieht es ihn? Djibril Sow ist heiss begehrt auf dem Transfermarkt, möglich ist aber ebenso, dass er noch in Bern bleibt. (Bild: Raphael Moser)
Wohin zieht es ihn? Djibril Sow ist heiss begehrt auf dem Transfermarkt, möglich ist aber ebenso, dass er noch in Bern bleibt. (Bild: Raphael Moser)

Auf den Flügelpositionen wiederum sind die vielseitig ein­setzbaren Miralem Sulejmani, Christian Fassnacht und Nicolas Ngamaleu vorgesehen. Wobei Fassnacht ebenfalls längst das Interesse von grösseren Arbeitgebern geweckt hat. Bleibt Schick, könnte auch er im Aufbau aussen eingesetzt werden. Und der 19-jährige Pedro Teixeira ist ein grosses Versprechen. Er dürfte näher ans Team rücken. Ob die Young Boys im offensiven Mittelfeld auf dem Transfermarkt tätig werden, hängt auch von den taktischen Vorstellungen des neuen Trainers ab. Viel zu teuer ist Sions 18-jähriges Supertalent Matheus Cunha, für das Präsident Christian Constantin bereits über 10 Millionen Franken fordert.

Sturm: Assalés Ersatz gesucht

Im Angriff schliesslich bleiben Guillaume Hoarau und Jean-Pierre Nsame. Auch Fassnacht, Ngamaleu und Teixeira können ganz vorne eingesetzt werden. Als Ergänzung zu den grossen, kräftigen Hoarau und Nsame wird YB einen flinken Stürmer verpflichten. Geld wird genügend vorhanden sein, Roger Assalés Marktwert auf dem überhitzten Spielerbasar kratzt sogar die 20-Millionen-Marke – je nach Destination.

Roger Assalé dürfte YB einen satten Gewinn einbringen. (Bild: Andreas Blatter)
Roger Assalé dürfte YB einen satten Gewinn einbringen. (Bild: Andreas Blatter)

Der bis vor wenigen Wochen überragende Wirbelwind stagnierte zuletzt, wird aber selbstredend weiter von vielen Clubs umworben. Es würde nicht überraschen, sollten die Young Boys erneut einen afrikanischen Stürmer als Ersatz holen. Sie haben in den letzten 10 Jahren gute Erfahrungen mit diesen Transfers gemacht.

Trainer: Feld weit offen

Der neue Trainer wird ab Juni bestimmt auch noch personelle Wünsche anbringen. Wobei die Young Boys unabhängig davon, wer das Kader anleiten wird, weiter ihre erfolgreiche Personalphilosophie verfolgen wollen.

Wechsel bei YB: Adi Hütter geht zu Frankfurt und Sportchef Christoph Spycher muss einen Nachfolger für den Österreicher finden.
Wechsel bei YB: Adi Hütter geht zu Frankfurt und Sportchef Christoph Spycher muss einen Nachfolger für den Österreicher finden.
Urs Baumann
Kandidaten gibt es einige: Urs Fischer ist einer davon.
Kandidaten gibt es einige: Urs Fischer ist einer davon.
Heinz Diener
Der Walliser Martin Schmidt arbeitete einst im Nachwuchs des FC Thun, dann zog es ihn nach Deutschland. Mit dem FSV Mainz erzielte er in der Bundesliga beachtliche Erfolge. Die Zusammenarbeit mit Wolfsburg war dagegen ein Missverständnis.
Der Walliser Martin Schmidt arbeitete einst im Nachwuchs des FC Thun, dann zog es ihn nach Deutschland. Mit dem FSV Mainz erzielte er in der Bundesliga beachtliche Erfolge. Die Zusammenarbeit mit Wolfsburg war dagegen ein Missverständnis.
Focke Strangmann/epa
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Neben den bekannten Schweizer Kandidaten gibt es übrigens im Ausland ebenfalls einige in­teressante Trainer auf Jobsuche. In Deutschland beispielsweise neben Markus Gisdol (zuletzt HSV), Alexander Nouri (Bremen), André Schubert (Gladbach) und Jens Keller (Union Berlin) auch die in der Branche sehr hoch geschätzten Hannes Wolf (Stuttgart) und Markus Weinzierl (Schalke).

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