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Schiedsrichter soll in Basel 50'000 Euro kassiert haben

Der ukrainische Schiedsrichter Oleg Orijechow soll für 50'000 Euro die Europa-League-Partie FC Basel – CSKA Sofia (3:1) im November 2009 manipuliert haben.

Alex Frei trifft am 5. November 2009 gegen CSKA Sofia vom Penaltypunkt aus. Der Schiedsrichter muss sich im Rahmen des riesigen Wettskandals vor Gericht verantworten.
Alex Frei trifft am 5. November 2009 gegen CSKA Sofia vom Penaltypunkt aus. Der Schiedsrichter muss sich im Rahmen des riesigen Wettskandals vor Gericht verantworten.
Keystone
Die Schweizer U-21 gewann am 18. November 2009 im EM-Qualifikationsspiel gegen Georgien mit Eren Derdiyok 1:0. Die versuchte Manipulation zahlte sich nicht aus, die Schweiz gewann zu wenig hoch. Der Schiedsrichter sitzt jetzt auf der Anklagebank und wurde auf Lebzeiten gesperrt.
Die Schweizer U-21 gewann am 18. November 2009 im EM-Qualifikationsspiel gegen Georgien mit Eren Derdiyok 1:0. Die versuchte Manipulation zahlte sich nicht aus, die Schweiz gewann zu wenig hoch. Der Schiedsrichter sitzt jetzt auf der Anklagebank und wurde auf Lebzeiten gesperrt.
Keystone
2005 erschütterte ein Skandal den deutschen Fussball. Schiedsrichter Robert Hoyzer gab zu, gegen Geld Spiele manipuliert zu haben. Heute zeigt sich, dass er nur ein kleiner Fisch war.
2005 erschütterte ein Skandal den deutschen Fussball. Schiedsrichter Robert Hoyzer gab zu, gegen Geld Spiele manipuliert zu haben. Heute zeigt sich, dass er nur ein kleiner Fisch war.
Reuters
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Im ersten Prozess um den bislang grössten europäischen Fussball-Wettskandal vor dem Landgericht Bochum hat die Verteidigung zum Auftakt am Mittwoch die Einstellung des Verfahrens gefordert und so für Verzögerungen gesorgt. Die Anwälte von zwei der vier Angeklagten halten die 13. grosse Strafkammer für befangen. Ungeachtet dessen liess das Gericht die Verlesung der Anklage zu. Die Kammer will am nächsten Verhandlungstag kommende Woche über den Antrag entscheiden.

Der erste von insgesamt fünf Prozess-Tagen wurde gegen die vier mutmasslichen Wettbetrüger im europäischen Wettskandal dafür genutzt, die lange Liste der Anklagepunkte zu verlesen. Die Angeklagten sollen am nächsten Prozess-Tag, am 14. Oktober, befragt werden. Das Urteil soll voraussichtlich am 28. Oktober verkündet werden. Weitere Verhandlungen zu dem Wettskandal werden erwartet.

200'000 Wettgewinn bei FCB-Spiel

Die vier Männer im Alter zwischen 32 und 55 Jahren müssen sich wegen banden- und gewerbsmässigen Betruges verantworten. Unter ihnen ist der ehemalige Profispieler Christian S., der zuletzt für den derzeitigen bayerischen Landesligisten Würzburger Kickers aktiv war. Sie sollen in wechselnder Beteiligung im Zusammenwirken mit anderen Personen auf Spieler oder Schiedsrichter eingewirkt haben, um den Ausgang von bis zu 17 Fussballspielen in Deutschland und 14 Fussballspielen im europäischen Ausland zu beeinflussen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen Haftstrafen bis zu zehn Jahren.

Involviert (unwissentlich) sind auch der FC Basel und die Schweizer U-21-Auswahl. So soll ukrainische Schiedsrichter Oleg Orijechow soll für 50'000 Euro die Europa-League-Partie FC Basel - CSKA Sofia am 5. November 2009 manipuliert haben. Der Wettgewinn soll laut Anklage der Bochumer Staatsanwaltschaft über 200'000 Euro betragen haben.

Neben Orijechow, der im März von der Uefa lebenslang gesperrt wurde, taucht auch Schiedsrichter Novo Panic in der Anklageschrift auf. Der Bosnier pfiff im November 2009 das U-21-EM-Qualifikationsspiel Schweiz – Georgien (1:0) und soll dafür sogar 60'000 Euro erhalten haben. Der Einsatz der Wettmafia lohnte sich in diesem Fall aber nicht: Die Schweiz gewann nicht hoch genug, alle Wetten gingen verloren. Auch Panic wurde im Februar von der Uefa auf Lebzeiten gesperrt.

7,5 Millionen Euro Wettgewinne

Laut Anklage schlossen die Angeklagten Wetten in unterschiedlicher Höhe auf die betreffenden Spielpaarungen bei verschiedenen Wettanbietern ab. Betroffen waren Spiele der zweiten Liga sowie unterklassiger Ligen. Auf diese Weise sollen die vier Männer zusammen mit ihren Mittätern insgesamt rund 370'000 Euro aufgewendet haben, um Spieler oder Schiedsrichter zu bestechen und die Spiele in ihrem Sinne ausgehen zu lassen. Bei den Wetten wurden rund zwei Millionen Euro auf die betreffenden Spielpaarungen gesetzt und dabei Gewinne in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro erzielt.

Die Ermittlungen zu dem Wettskandal werden in mehreren europäischen Ländern geführt. Insgesamt geht es der Staatsanwaltschaft zufolge um mehr als 250 Verdächtige, die rund 250 Spiele im In- und Ausland manipuliert haben sollen. Die meisten der Spiele (74) fanden in der Türkei sowie in Deutschland (53) und der Schweiz (35) statt. Die ermittelten Wetteinsätze belaufen sich auf rund insgesamt rund zwölf Millionen Euro. Hinzu kommen 1,5 Millionen Euro an Bestechungsgeldern. Die Gewinne aus den Wettmanipulationen liegen demnach bei etwa 7,5 Millionen Euro.

si/dpad

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