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YB: Schön schwer

Die Young Boys reagieren auf den Abgang ihres Meistertrainers mit Fassung. Völlig überraschend kam die Entscheidung von Adi Hütter für die meisten nicht.

Ein Bild auf Zeit: Adi Hütter (Mitte, in Blau) im Training der Young Boys.
Ein Bild auf Zeit: Adi Hütter (Mitte, in Blau) im Training der Young Boys.
Keystone

Die Ansprache soll ziemlich emotional gewesen sein am Donnerstagmorgen in der Kabine der Young Boys. «Es ist eigentlich ein schöner Anlass, aber ja, es blieb nicht jedes Auge trocken», erzählt Christian Fassnacht.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass YB-Trainer Adi Hütter nach dem Cupfinal in die Bundesliga nach Frankfurt wechselt, erst am Donnerstag aber kam Hütter dazu, die Mannschaft persönlich davon in Kenntnis zu setzen.

Natürlich kommt der Wechsel eines Meister-, möglicherweise bald Doubletrainers nie ganz überraschend. «Wir haben die Entwicklungen verfolgt, und als Frankfurt einen Trainer suchte, haben wir uns untereinander schon darüber ausgetauscht», sagt Loris Benito. Die Mannschaft also trifft der Abgang ihres Meistertrainers nicht völlig unerwartet.

Es ist ein Abschied mit Ansage, weil Erfolg Begehrlichkeiten weckt und weil sich das ganze Team in diesen ausserordentlichen Wochen bewusst ist, dass es in der aktuellen Besetzung nicht wird zusammenbleiben können.

«Diese Tage wollten wir bewusst alleine als Mannschaft geniessen», sagte Benito schon vor zwei Wochen, als die Spieler von der spontanen und zweitägigen Meisterfeier in Barcelona zurückkamen.

Kein Kumpeltyp

Bei den Young Boys blicken sie auf drei intensive, positive Jahre mit dem Trainer zurück. Benito kam im Sommer 2015 kurz vor dem Österreicher in Bern an. «Ich habe noch nie einen Trainer erlebt, der seine Ziele so detailliert zu formulieren wusste», erzählt Benito.

Der Aargauer hat mit 26 Jahren auf diversen Stationen schon etliche fussballerische Philosophien mitbekommen, beim Weltclub Benfica Lissabon oder unter dem YB-Trainerkandidaten René Weiler in Aarau. «Hütter wollte von uns allen selber wissen, wie wir über unser Spiel denken.»

Den Stellenwert des Austauschs im hütterschen Trainersystem hebt auch Christian Fassnacht hervor. Der Zürcher ist vergangenen Sommer von Thun zu YB gestossen – und erlebte dabei auch einen Mentalitätswechsel bezüglich des Trainers.

«Ihn interessiert, was alle denken.»

Christian Fassnacht

Thuns Coach Marc Schneider ist jünger und gemeinhin näher an den Spielern, er ist für sie der Typ Kumpel. «Hütter habe ich anders wahrgenommen, als absolute Respektsperson.» Er habe seine fünf, sechs Vertrauten in der Mannschaft gehabt, über die er auch seine Ideen näher ans Team gebracht habe. «Ihn interessiert, was alle denken. Aber am Ende setzt er seine Ansichten durch.»

Arbeit an allem – auch an sich

Einer, der bei YB bezüglich Trainer so viele Vergleichsmöglichkeiten wie kaum ein anderer hat, ist Martin Fryand. Der 46-Jährige ist 2009 aus der U-21 als Konditionstrainer in die erste Mannschaft berufen worden.

Seither hat er einige Übungsleiter kommen und gehen sehen, Hütters Abschied ist der sechste, den er direkt miterlebt – und der erste, der aus freien Stücken erfolgt. «Bei seinem Erfolg war es eine Frage der Zeit, bis sich ein grösserer Club meldet, das wussten wir alle.»

Anders als Christian Peintinger, der seinem Landsmann Hütter als Co-Trainer mit nach Frankfurt folgt, werden Fryand und Assistent Harald Gämperle aller Voraussicht nach auch unter dem neuen Trainer bei YB arbeiten. «Es ist ein schnelllebiges Geschäft», sagt Fryand, «ich habe mich da von Anfang an mehr am Verein orientiert.»

Manchmal bringen Trainer im modernen Fussball den ganzen Staff selber mit, etwa Christian Gross vor Jahren bei YB oder Paulo Sousa kürzlich beim FC Basel. Hütter sei mit allen klargekommen, ohne sich aber bedingungslos anzupassen, sagt Fryand. Der Walliser schätzte an ihm seinen immensen Ehrgeiz, der ihm sofort aufgefallen war. «Er arbeitete an allem und jedem – gerade auch an sich selbst.»

Am Ende schaut er selbst noch kurz vorbei, Adi Hütter, das Training mit YB ist zu Ende, viele davon leitet er nicht mehr. Ein Gruss, dankend nimmt er die Glückwünsche entgegen. «Es ist schön und schwer», sagt er und seufzt.

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