Sieg oder Militärdienst

Die Karriere von Tottenham-Star Heung-min Son hing vom Verlauf eines einzigen Spiels ab.

Musste lange um Sieg und Karriere zittern: Südkoreas Captain Heung-min Son jubelt nach Südkoreas Finalsieg an den Asian Gammes 2018.

Musste lange um Sieg und Karriere zittern: Südkoreas Captain Heung-min Son jubelt nach Südkoreas Finalsieg an den Asian Gammes 2018.

(Bild: Keystone Bernat Armangue)

18 Treffer hat er in der vergangenen Saison erzielt, sein Marktwert wird auf 50 Millionen Euro geschätzt. Heung-min Sons Karriere verläuft mustergültig, er ist einer der besten südkoreanischen Fussballer aller Zeiten. Trotzdem drohte ihm ein abrupter Karriereknick: Hätte Son mit Südkorea am Samstag den Final der «Asian Games» gegen Japan verloren, hätte der 26-Jährige in den 21 Monate dauernden Militärdienst einrücken müssen. Da nun die Südkoreaner Gold gewonnen haben, wurde das gesamte Team vom Dienst befreit.

Wie gross der Druck war, der auf Son lastete, hat sich im Viertelfinal gegen Usbekistan gezeigt. Zwei Minuten vor Ende der Verlängerung, beim Stand von 3:3, bekam Südkorea einen Penalty zugesprochen. Son, der beste Spieler seines Teams und Captain, trat nicht an. Er wandte sich ab, als sein Teamkollege den Ball setzte und Anlauf nahm. Hee-Chan verwandelte den Elfmeter, Südkorea stand im Halbfinal und gewann diesen zwei Tage später gegen Vietnam 3:1.

Vor dem Final hatte sich aber nicht nur den Druck auf Son massiv erhöht. Südkoreas Trainer sah sich bei der Teamselektion für das Turnier mit der Situation konfrontiert, durch die (Nicht-)Nomination eines Spielers über dessen Karriereverlauf zu entscheiden. Für die «Asian Games», bei denen die U23-Auswahlen gegeneinander antreten, darf jede Mannschaft drei ältere Spieler mitnehmen. Für diese drei war es eine der letzten Chancen, dem Militärdienst zu entgehen. Zwar werden auch Sportler davon befreit, die bei Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen. Die nächste Chance dafür hätte sich aber erst 2020 geboten. Das wäre für den 26-jährigen Son zu spät gewesen: Er müsste einrücken, bevor er 28 Jahre alt wird – das ist gut zwei Wochen vor dem Olympia-Start.

Tottenham erteilt Son die Freigabe - Leverkusen tat es nicht

Umso bitterer war es, dass Son schon zwei gute Chancen verpasst hatte, die Kriterien der Wehrpflicht-Befreiung zu erfüllen. 2014 gewann Südkorea die «Asian Games». Der Offensivspieler spielte damals bei Bayer Leverkusen und erhielt keine Freigabe für das Turnier. 2016 spielte Südkorea im Viertelfinal der Olympischen Spiele gegen Honduras. Son verpasste eine entscheidende Chance bei der 0:1-Niederlage. Danach verbrachte er den Rest des Tages im Hotelzimmer und verweigerte das Essen.

Das ist auch der Grund, weshalb sein Verein Tottenham Son, einer wichtigen Stütze der Spurs-Offensive, trotz der laufenden Premier-League-Saison die Freigabe für das Turnier erteilte. «Wir sprechen oft darüber», sagte Spurs-Trainer Mauricio Pochettino am Freitag. «Er macht sich wirklich Sorgen.»

In einer ähnlichen Situation wie Son war Park Chu-young, der 91 Spiele für Monaco absolviert hatte und danach drei Jahre bei Arsenal unter Vertrag stand. Er zögerte den Militärdienst heraus, indem er die monegassische Staatsbürgerschaft beantragte und auch erhielt. Danach wurde er aber in Südkorea sehr stark kritisiert und nicht mehr fürs Nationalteam aufgeboten. Heung-min Son hatte heute in Indonesien 90 Minuten Zeit, seine Karriere vor einem 21-monatigen Unterbruch zu bewahren. Es war das Spiel seines Lebens und er hat die Chance genutzt. Er gewann mit Südkorea gegen Japan 2:1 nach Verlängerung. Das freut Son, Südkorea und auch Tottenham.

va

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt