«Sind wir denn Real Madrid?»

Thuns Debütant Timo Righetti und YB-Captain Steve von Bergen werden das Derby in unterschiedlicherErinnerung behalten.

Duell der Torschützen: Miralem Sulejmani (l.) und Stefan Glarner.

Duell der Torschützen: Miralem Sulejmani (l.) und Stefan Glarner.

(Bild: Patric Spahni)

Simon Scheidegger@theSimon_S

Timo Righetti lächelt. Der 19-Jährige ist beim FC Thun momentan der Mann der Premieren. Am Mittwoch kommt er im dramatischen Cupviertelfinal gegen den FCZ zu seiner Feuertaufe im Fanionteam des FC Thun, vier Tage später folgt das Debüt in der Super League im Derby gegen den sou­veränen Leader YB.

Und danach analysiert er seine Leistung das erste Mal überhaupt vor den Medien. «Sehr zufrieden» sei er, sagt Righetti, der anstelle des immer noch verletzten Mickaël Facchinetti auf der linken Abwehrseite verteidigte. «Ich bin froh, dass ich überhaupt die Chance erhalten habe.»

Da die Thuner nach wie vor eine lange Verletztenliste haben, dürften weitere Spiele dazukommen – und Righetti dürfte weitere Gelegenheiten erhalten, sich auf höchster Stufe zu präsentieren und für einen Profivertrag zu empfehlen. «Das ist mein grosses Ziel», sagt er. Die Teamkollegen stellen dem Debütanten, der im Sommer die Matura abgeschlossen hat und momentan ein Praktikum als Elektroplaner absolviert, ein durchwegs positives Zeugnis aus.

Für sein Alter sei Righetti sehr robust und körperlich extrem weit, meint Captain Dennis He­diger und lobt die mutige, unerschrockene Spielweise des Youngsters. «Das ist seine Stärke.» Stefan Glarner attestiert seinem Defensivkollegen grosse Ruhe und Souveränität und meint mit einem Lachen: «Als ob er schon zehn Jahre auf diesem Niveau spielen würde.»

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Der Rechtsverteidiger feierte gegen die Young Boys zwar keine Premiere, aber sein letztes Tor in der Super League vor dem Kopfballtreffer vom Sonntag ist zumindest schon sehr lange her. 7 Jahre und 88 Tage, um genau zu sein. Auch damals reüssierte Glarner gegen YB. «Im Derby sind alle besonders motiviert», sagt Glarner. Nach der «grossen Enttäuschung» im Cup habe die Mannschaft unbedingt eine Reaktion zeigen wollen. Und Hediger ergänzt: «Dass wir trotz der vielen Verletzten eine solche Leistung bringen können, macht mich sehr stolz.»

Von Bergens Standpauke

Steve von Bergens Debüt auf höchster nationaler Stufe ist derweil schon über sechzehn Jahre her. Am 7. Juli 2001 debütierte er als 18-Jähriger für seinen Heimatklub Xamax und war dabei sogar noch 553 Tage jünger als Timo Righetti am Sonntag. Als der YB-Captain in den Katakomben der Thuner Stockhorn-Arena steht, ist ihm jedoch gar nicht danach, in Erinnerungen zu schwelgen oder an seine Anfänge als Fussballer zurückzudenken.

«Sind wir denn Real Madrid?», fragt er gereizt zurück, als er über die Niederlage der Young Boys Auskunft geben soll. «Wir können nicht einfach durchmarschieren und jedes Spiel gewinnen. Auch wir dürfen verlieren.» Von Bergen kann ein impulsiver, aufmüpfiger Gesprächspartner sein, der sich bei einem falschen Wort schnell persönlich angegriffen fühlt.

Allerdings ist er auch ein gestandener Profi, der sich nach der Standpauke Zeit nimmt und das Geschehen ruhig und sachlich analysiert. «Wir haben uns zu wenig bewegt und zu wenig kreiert. Das war ungenügend.»

Nach der 0:4-Niederlage im ersten Aufeinandertreffen hatten alle Beteiligten von Pech auf der einen und Glück auf der anderen Seite gesprochen, waren die Young Boys doch klar überlegen – und mussten die Niederlage primär der mangelhaften Chancenauswertung ihrerseits und der ausgezeichneten Effizienz der Thuner zuschreiben. Diesmal ist das anders. Für von Bergen ist klar: «Diesmal ist die Niederlage verdient.»

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