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So gut sind die Nationaltrainer-Kandidaten

Vladimir Petkovic mag der Favorit auf den Posten des Schweizer Nationaltrainers sein, aber er überzeugt nicht restlos. Was für und was gegen die Kandidaten spricht.

Pro: Er hat einen Lebenslauf, der ihn zum Kämpfer macht. Geboren in Sarajevo als bosnischer Kroate; Fussballer mit bescheidener Karriere; Trainer mit der Bereitschaft, auch für kleine Vereine wie Bellinzona, Agno und Lugano zu arbeiten; Mitarbeiter der Caritas, der sich im Tessin um Sozialfälle kümmerte. In seinen bisher eineinhalb Jahren bei Lazio Rom hat er den Umgang mit kapriziösen Fussballern gelernt. Er ist aus seinen drei Saisons bei YB für mutigen Fussball bekannt. Und mit seinem Hintergrund sollte er prädestiniert sein, sich mit den Shaqiris und Behramis zu verstehen.Kontra: Der 50-jährige Petkovic gilt als misstrauisch und verschlossen. Aus seiner YB-Zeit hängt ihm der Ruf nach, die wichtigen Spiele zu verlieren, also kein Sieger zu sein (daran kann der Cupsieg im Frühjahr mit Lazio nichts ändern, weil der Cup in Italien ein Wettbewerb dritter Klasse ist). Deshalb gilt auch: Das 3-4-3, das er in Bern spielen liess, mag unterhaltsam gewesen sein, aber es widersprach den Möglichkeiten, die ihm das Kader bot. Oder anders gesagt: Petkovic verkannte die Möglichkeiten seiner Spieler. Es spricht schliesslich auch nicht für ihn, dass er es war, der gegenüber dem Tessiner Fernsehen die Gespräche mit dem Schweizer Verband öffentlich machte.
Pro: Er hat einen Lebenslauf, der ihn zum Kämpfer macht. Geboren in Sarajevo als bosnischer Kroate; Fussballer mit bescheidener Karriere; Trainer mit der Bereitschaft, auch für kleine Vereine wie Bellinzona, Agno und Lugano zu arbeiten; Mitarbeiter der Caritas, der sich im Tessin um Sozialfälle kümmerte. In seinen bisher eineinhalb Jahren bei Lazio Rom hat er den Umgang mit kapriziösen Fussballern gelernt. Er ist aus seinen drei Saisons bei YB für mutigen Fussball bekannt. Und mit seinem Hintergrund sollte er prädestiniert sein, sich mit den Shaqiris und Behramis zu verstehen.Kontra: Der 50-jährige Petkovic gilt als misstrauisch und verschlossen. Aus seiner YB-Zeit hängt ihm der Ruf nach, die wichtigen Spiele zu verlieren, also kein Sieger zu sein (daran kann der Cupsieg im Frühjahr mit Lazio nichts ändern, weil der Cup in Italien ein Wettbewerb dritter Klasse ist). Deshalb gilt auch: Das 3-4-3, das er in Bern spielen liess, mag unterhaltsam gewesen sein, aber es widersprach den Möglichkeiten, die ihm das Kader bot. Oder anders gesagt: Petkovic verkannte die Möglichkeiten seiner Spieler. Es spricht schliesslich auch nicht für ihn, dass er es war, der gegenüber dem Tessiner Fernsehen die Gespräche mit dem Schweizer Verband öffentlich machte.
Keystone
Pro: Er ist ein Mann des Verbandes, seit vielen Jahren zuständig für diverse Nachwuchsmannschaften. Derzeit betreut er die U-21 und hat sich auch dank dem eine Lobby im Verbandshaus in Muri bei Bern gesichert. Was der 52-jährige Tessiner sicher mitbringt, ist eine grosse Leidenschaft für den Fussball, ein grosses fachliches Wissen. Sein Ruf als Ausbildner ist gut. Er führte die Schweizer U-21 in den Final der Europameisterschaft 2011 und an die Olympischen Spiele 2012 in London.Kontra: Im Verband gibt es eine Fraktion von Funktionären, die glaubt, Tami könnte als interne Lösung so gut sein wie einst Köbi Kuhn. Aber sie unterschätzt, dass Tami kein Kuhn ist, dass die Situation 2001 nach der Flucht von Enzo Trossero eine ganz andere war, als sie es jetzt ist bei der Suche nach Hitzfelds Nachfolger; dass Tami eben nicht das ­Ansehen Kuhns hat. Tami hat als Clubtrainer keine Erfolge vorzuweisen, er hat nicht das Charisma, nicht die Ausstrahlung, um die Flughöhe zu erreichen, die Peter Stadelmann, der Delegierte der Nationalmannschaft, in seinem Anforderungsprofil für den neuen Coach vorsieht. Der Tessiner gilt als leichtgewichtig. Und wenn es doch Spieler gibt, die ihn favorisieren, ist Vorsicht gemahnt: Wollen sie ihn nur, weil sie ihn manipulieren können?
Pro: Er ist ein Mann des Verbandes, seit vielen Jahren zuständig für diverse Nachwuchsmannschaften. Derzeit betreut er die U-21 und hat sich auch dank dem eine Lobby im Verbandshaus in Muri bei Bern gesichert. Was der 52-jährige Tessiner sicher mitbringt, ist eine grosse Leidenschaft für den Fussball, ein grosses fachliches Wissen. Sein Ruf als Ausbildner ist gut. Er führte die Schweizer U-21 in den Final der Europameisterschaft 2011 und an die Olympischen Spiele 2012 in London.Kontra: Im Verband gibt es eine Fraktion von Funktionären, die glaubt, Tami könnte als interne Lösung so gut sein wie einst Köbi Kuhn. Aber sie unterschätzt, dass Tami kein Kuhn ist, dass die Situation 2001 nach der Flucht von Enzo Trossero eine ganz andere war, als sie es jetzt ist bei der Suche nach Hitzfelds Nachfolger; dass Tami eben nicht das ­Ansehen Kuhns hat. Tami hat als Clubtrainer keine Erfolge vorzuweisen, er hat nicht das Charisma, nicht die Ausstrahlung, um die Flughöhe zu erreichen, die Peter Stadelmann, der Delegierte der Nationalmannschaft, in seinem Anforderungsprofil für den neuen Coach vorsieht. Der Tessiner gilt als leichtgewichtig. Und wenn es doch Spieler gibt, die ihn favorisieren, ist Vorsicht gemahnt: Wollen sie ihn nur, weil sie ihn manipulieren können?
Keystone
Pro: In Schaffhausen, als Sohn eines Kranführers, war er nur der «Tschingg», der Italiener. Das focht ihn nicht an; er liess sich später auch nicht als Fussballer beirren, als er sagte, er wolle nicht für die Schweiz spielen, sondern für Italien. Er setzte sich durch und wurde italienischer Nationalspieler. Als Trainer überzeugte er bei den Milton Keynes Dons, bei West Bromwich und natürlich bei Chelsea. Die Londoner übernahm er in einer äusserst schwierigen Situation, führte sie aber im Frühjahr 2012 zum Gewinn des FA Cup und dann zu ­jenem in der Champions League. Di Matteo stand auf dem Weg zum Triumph in der Champions League wohl nicht für spektakulären Fussball, aber er zeigte der Welt, wie man das grosse Barcelona mit pragmatischem Fussball besiegen und das Beste aus seinen Ressourcen herausholen kann.Kontra: Wer einmal bei Chelsea war, ist grosszügige Lohnzahlungen gewohnt. Di Matteo verdiente schon als Assistent 1,2 Millionen Franken – so viel wie Ottmar Hitzfeld als Nationaltrainer. Vielleicht mag er mit seinen 43 zu jung sein, um die Nachfolge von Hitzfeld zu übernehmen – gerade für Funktionäre, die den internationalen Fussball zu wenig oder gar nicht kennen. Und was sonst gegen ihn spricht? ­Eigentlich nichts.
Pro: In Schaffhausen, als Sohn eines Kranführers, war er nur der «Tschingg», der Italiener. Das focht ihn nicht an; er liess sich später auch nicht als Fussballer beirren, als er sagte, er wolle nicht für die Schweiz spielen, sondern für Italien. Er setzte sich durch und wurde italienischer Nationalspieler. Als Trainer überzeugte er bei den Milton Keynes Dons, bei West Bromwich und natürlich bei Chelsea. Die Londoner übernahm er in einer äusserst schwierigen Situation, führte sie aber im Frühjahr 2012 zum Gewinn des FA Cup und dann zu ­jenem in der Champions League. Di Matteo stand auf dem Weg zum Triumph in der Champions League wohl nicht für spektakulären Fussball, aber er zeigte der Welt, wie man das grosse Barcelona mit pragmatischem Fussball besiegen und das Beste aus seinen Ressourcen herausholen kann.Kontra: Wer einmal bei Chelsea war, ist grosszügige Lohnzahlungen gewohnt. Di Matteo verdiente schon als Assistent 1,2 Millionen Franken – so viel wie Ottmar Hitzfeld als Nationaltrainer. Vielleicht mag er mit seinen 43 zu jung sein, um die Nachfolge von Hitzfeld zu übernehmen – gerade für Funktionäre, die den internationalen Fussball zu wenig oder gar nicht kennen. Und was sonst gegen ihn spricht? ­Eigentlich nichts.
Keystone
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Es wäre alles einfacher, wenn sich Marcel Koller gegen eine Zukunft in Österreich entschieden hätte. Wenn er Ja zur Schweiz gesagt hätte, zur aktuellen Nummer 8 der Weltrangliste, die ihm den roten Teppich ausgerollt hatte. Jetzt tut sich der Schweizer Verband schwer, die nächstbeste Möglichkeit für die Nachfolge von Ottmar Hitzfeld zu finden.

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