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Ngamaleu will still den Hunger stillen

Nicolas Ngamaleu spielt seit bald einem Jahr für YB. Bleibenden Eindruck hat der 24-jährige Kameruner nicht hinterlassen können. Das soll sich jetzt ändern.

Fingerzeig: Trotz seines Tores ist Nicolas Ngamaleu keiner, der grosse Töne spuckt.
Fingerzeig: Trotz seines Tores ist Nicolas Ngamaleu keiner, der grosse Töne spuckt.
Raphael Moser

Als Nicolas Ngamaleu auf den Saisonstart letzten Sonntag zu sprechen kommt, bei dem ihm als Einwechselspieler gegen GC das siegsichernde 2:0 gelang, landet er bald einmal in der Heimat. In Kamerun pflege man frei übersetzt zu sagen: «Wenn du die Chance bekommst, musst du sie packen und mitnehmen.»

Der kürzlich 24-jährig ge­wordene Offensivakteur sitzt im Stade de Suisse an einem kleinen Tisch. Der Händedruck zur Begrüssung war verhalten, das Hallo leise, die Haltung, die er beim Sitzen einnimmt, ist abwartend. Ngamaleu ist keiner, der mit seiner Aura Räume einnehmen kann. Er ist auch nicht laut und fröhlich wie Kasim Nuhu, der sein bester Freund bei YB war, bis er diese Woche nach Hoffenheim wechselte – dieser 190-Zentimeter-Turm, der fast jeden, der ihm begegnete, mit «Hey, big man» begrüsste.

Ngamaleu ist still und scheu. Vielleicht geht er deshalb manchmal fast vergessen.

Seit elf Monaten spielt Ngamaleu in Bern. Er hat einen grossen Auftritt gehabt, beim 4:1-Sieg in Lausanne im Februar, als er die überragende Figur war. Meistens blieb ihm jedoch die Jokerrolle, er war Spieler Nummer 12, 13 oder 14, einer, der fast immer zum Einsatz kam, aber fast nie von Beginn an.

Adi Hütter setzte am Flügel auf Miralem Sulejmani und Christian Fassnacht, die beide doppelt so viele Minuten wie Ngamaleu totalisierten. Und so weiss man nach einem Jahr immer noch nicht genau, was man von Ngamaleu erwarten kann. «Die letzte Saison war gut, schliesslich wurden wir Meister», sagt er. Aber er habe nicht so oft gespielt, wie er sich das vorgestellt habe, fügt er an und schiebt einen Satz nach, den man ihm, zurückhaltend und bescheiden, nicht zugetraut hätte. Er sagt: «Ich will die Nummer 1 sein. Dafür arbeite ich jeden Tag hart.»

Rat an Nuhu, Oberlin als Freund

Einer, der Nicolas Ngamaleu schon länger kennt, ist Rostand Tchoukouegno. Dem Spieleragent fiel der Offensivakteur auf, als er beim kamerunischen Spitzenclub Cotonsport in Garoua unter Vertrag stand. «Ich sah sofort, dass er genügend Potenzial für einen Wechsel nach Europa hat», sagt er. Tchoukouegno vermittelte Ngamaleu vor zwei Jahren zum SCR Altach. Und obwohl die beiden nicht mehr zusammenarbeiten, aus einem Grund, welchen der Berater nicht nennen will, weiss er nichts Schlechtes über Ngamaleu zu berichten. Ein super Junge sei dieser, sehr ruhig zwar, aber sympathisch.

Es waren nur zwölf Monate, die Ngamaleu in Österreich nahe der Schweizer Grenze verbrachte, doch sie wirken bis heute nach. Er war schon mehrmals in Altach zu Besuch. Er sei dort immer willkommen, sagt Ngamaleu. Als sich in den letzten Wochen Nuhus Wechsel zu Hoffenheim hinzog und er mit dem Verteidiger oft über den Transfer diskutierte, riet er seinen Freund: «Gehe im Guten. Dann kannst du auch immer wieder zurück.» In Altach lernte Ngamaleu zudem Dimitri Oberlin kennen. Der Schweizer Nationalspieler vom FC Basel ist einer seiner besten Freunde.

Oberlin und Ngamaleu ver­bindet die Herkunft. Seit zwei Jahren ist Ngamaleu nun in Europa, er hat sich an die Ge­pflogenheiten und das Wetter gewöhnt. Und wenn ihn einmal das Heimweh packt, dann kocht er. Dass er einheimisches Essen zubereiten könne, sei seiner Mutter sehr wichtig gewesen, sagt er und fügt mit einem Schmunzeln an: «Sonst hätte sie mich nicht ziehen lassen.»

Der Jüngste sorgt für die Familie

Aufgewachsen ist Nicolas Ngamaleu in der Hauptstadt Yaoundé als jüngstes von drei Kindern, eine seiner Schwestern lebt in Dortmund. Das Nesthäkchen zu sein, habe den schönen Effekt gehabt, die volle Aufmerksamkeit der Familie zu geniessen, sagt er. Aber er fühle sicht nicht mehr wie der Jüngste. Weil er sich um die Familie kümmert, Geld nach Hause schickt. «Zu wissen, dass ich ihnen ein besseres Leben ermöglichen kann, gibt mir enorm viel Energie», sagt er.

Die Energie hat ihn ins Nationalteam und bis nach Bern zum Meister geführt. Nun will er den nächsten Schritt vollziehen, will heissen: Mehr spielen, in der Teamhierarchie aufsteigen. Die Saison hat mit dem Tor gegen GC gut begonnen. Die Chance ist gepackt.

Die Partie beim FC Lugano tickert Redaktion Tamedia ab 15.45 Uhr live.

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