Thuner Schreckgespenst schlägt zu

Nach desolaten ersten 40 Minuten kommt der FC Thun daheim gegen Sion beinahe zu einem 2:2.

Der erste Dämpfer für die Thuner: Ermir Lenjani (rechts) jubelt nach seinem Prachtstreffer zur Führung des FC Sion, Goalie Guillaume Faivre ist geschlagen. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Der erste Dämpfer für die Thuner: Ermir Lenjani (rechts) jubelt nach seinem Prachtstreffer zur Führung des FC Sion, Goalie Guillaume Faivre ist geschlagen. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Dominic Wuillemin

Vielleicht hat der eine oder andere Thuner ein unliebsames Déjà-vu, als Sions Ermir Lenjani in der 21. Minute nach einem Spaziergang durch die Oberländer Hälfte herrlich zum 1:0 trifft. Der von Trainer Murat Yakin vom Verteidiger zum Flügel umfunktionierte Linksfuss steht nicht im Verdacht, ein Torjäger zu sein.

Wenn es hoch kommt wie letzten Oktober, dann trifft er in einem Monat zweimal. Lenjanis Tore sind selten und schön – vor gut einem Jahr hatte er mit einer Mischung aus Flanke und Schuss kurz nach der Pause zum 4:1 getroffen. Die Thuner gingen danach 2:7 unter und rutschten ans Tabellenende ab. Die Angst vorm Abstieg war allgegenwärtig.

Ein Jahr später ist vieles anders, Thun schwächelt nun zwar, aber liegt immer noch auf dem dritten Rang und hat diesmal mit dem Abstieg nichts zu tun. Und bei Sion hat Yakin, seit September im Amt, das grosse Kader kräftig durcheinandergewirbelt. In der Stockhorn-Arena sind 17 Spieler nicht dabei, fast genauso viele, wie für die Partie in Thun ein Aufgebot erhalten haben.

Eines aber ist gleich geblieben: Lenjani ist das Thuner Schreckgespenst. Als der Schieds­richter zur Pause gepfiffen hat, diktiert der albanische Nationalspieler ins Mikrofon: «Wir müssten viel höher führen.»

Wie damals in Schönbühl

Lenjani hat recht, es steht da nur 2:1 für die Walliser, die inferiore Thuner während 40 Minuten dominieren. Es war Lenjani – wer sonst – der in der 33. Minute nach einer Flanke von Quentin Maceiras den Gegner für seine Nachlässigkeiten bestrafte und zum 2:0 traf. Zwei Tore in einem Spiel sind Lenjani letztmals vor bald sechs Jahren gelungen, als er mit St. Gallen in der ersten ­Cuprunde bei den Feierabendfussballern des FC Schönbühl gastiert hatte.

Dementsprechend bejubelt Lenjani seinen Doppelpack in Thun, ausgelassen und akrobatisch mit einem Flickflack. Und beinahe wäre es kurz darauf noch verwunderlicher geworden, der Flügel war schon auf dem Weg zum 3:0, als er von der Defensive doch noch abgefangen wurde.

Die Thuner erinnern in der ersten Halbzeit an Feierabendfussballer. Sie sind nicht präsent, kommen oft einen Schritt zu spät, die Abstimmung stimmt nicht. Der Schachzug von Trainer Marc Schneider, Roy Gelmi in die Abwehr und dafür Nicola Sutter ins Mittelfeld zu beordern, geht nicht auf.

Gelmi gibt nicht nur beim 0:1 eine schlechte Figur ab. Dennoch sind die Oberländer zur Pause im Spiel, weil der lettischen Stürmer Roberts Uldrikis erst eine grosse Chance zum 3:0 auslässt, und dann Sutter kurz vor der Pause zum Anschluss trifft. Es ist sinnbildlich für den Thuner Auftritt in der ersten Halbzeit, fällt das Tor nach einer Standardsituation. «Das war nichts», sagt Goalie Guillaume Faivre und meint, Schneider sei in der Pause laut geworden.

Thuner Serie gerissen

Das zeigt Wirkung, derweil die Walliser in eine erstaunliche Passivität verfallen, wird das Heimteam mutiger, zielstrebiger, gefährlicher. Die Initialzündung kommt vom Captain Stefan Glarner, der in der 64. Minute mit einem abgefälschten Schuss Sions-Goalie Kevin Fickentscher prüft. Danach verpasst Marvin Spielmann gleich zweimal – erst mit dem Kopf; dann, weil er einen Schritt zu spät kommt.

Das 2:2 liegt in der Luft, umso mehr, da sich Sions Maceiras die Dummheit leistet, wegen Zeitspiels innert Sekunden ein zweites Mal verwarnt zu werden. Doch es fällt nicht, Thun verliert nach 9 Heimpartien wieder einmal. «Wir können nicht die ersten 40 Minuten verschlafen und dann meinen, dennoch zu Punkten zu kommen», sagt Captain Stefan Glarner.

Wird der zu erwartende Forfaitsieg gegen GC dazugezählt, rückt Sion bis auf drei Punkte an Thun heran, dank Lenjani, dem Thuner Schreckgespenst.

Berner Zeitung

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