Torhüter- statt Trainerfrage

Thuns Sportchef Andres Gerber sagt nach der 2:7-Niederlage beim FC Sion, man müsse neue Impuls setzen. Und stellt sich weiterhin hinter den Trainer.

Sportchef Andres Gerber stellt sich hinter seinen Trainer.

Sportchef Andres Gerber stellt sich hinter seinen Trainer. Bild: Raphael Moser

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Der Tag nach dem 2:7 beim FC Sion fängt beim FC Thun so an, wie der vorangegangene aufgehört hat: mit vielen Gesprächen. Über eine Stunde vergeht, ehe die Ersatzspieler nach elf Uhr den Platz in der Stockhorn-Arena ­betreten. Angeleitet werden sie von Konditionstrainer Pi Zürcher, beobachtet vom Assistenten Pascal Cerrone. Trainer Marc Schneider ist nicht zu sehen.

Die Oberländer, die in den ­letzten Jahren die Geschichte des erfolgreichen Underdogs geschrieben haben, machen gerade die schwierigste Phase seit dem Wiederaufstieg 2010 durch. Das 2:7 ist die höchste Niederlage in der Super League und die fünfte in Folge – auch das ist ein Novum. Für die letztplatzierten Thuner spricht derzeit nicht viel, die Trendkurve zeigt steil nach unten. Das Erste, was in solchen Fällen oftmals versucht wird, ist, mit einem Trainerwechsel die Wende herbeizuführen.

Schiedsrichterchef sagt Sorry

Während die Spieler unten auf dem Platz trainieren, setzt Sportchef Andres Gerber oben in der Loge zu einem leidenschaftlichen Plädoyer an. Er sagt: «Den Trainer jetzt zu wechseln, wäre purer Aktionismus. Das kann ich nicht vertreten. Marc Schneider erreicht die Spieler, sie setzen seine Vorgaben um.» Gerber findet: «Wer das Spiel in Sion gesehen hat, kann nicht zum Schluss kommen, dass wir am Ende sind.»

Tatsächlich war die Thuner Leistung nicht so schlecht, wie es das Resultat vermuten lässt. Das 2:7 kam durch eine Mischung aus Unvermögen, unglücklichen Umständen und Pech zustande. Gerber erzählt, dass der Schiedsrichterchef angerufen habe, um sich für die Fehler des Unpartei­ischen zu entschuldigen. Der Penalty zum 1:3 war ein Fehlentscheid gewesen, der Platzverweis wenig später gegen Chris Kablan zumindest hart. Womöglich hätte die Partie einen anderen Verlauf genommen, wäre der Referee in diesen Situationen zu anderen Entscheidungen gekommen. Die Erkenntnis gibt zwar keine Punkte, hilft den Thunern aber, an die Wende zu glauben. «Ich bin überzeugt, dass wir über genügend Qualität verfügen», sagt Gerber.

Dass man dennoch nicht zum Courant normal übergehen kann, ist auch dem Sportchef bewusst. «Eine solche Niederlage verunsichert enorm», sagt der 44-Jährige. Der junge Innenverteidiger Timo Righetti etwa, der in Sitten das fünfte und das sechste Tor verschuldet hatte, war nach der Partie in Tränen aufgelöst. Gerber spricht von einer Gratwanderung. «Wir müssen neue Impulse setzen, dürfen aber nicht alles auf den Kopf stellen.»

Schneider weilt in Freiburg

Schon am Sonntagabend sind die Oberländer zur Überzeugung ­gelangt, dass ein Goaliewechsel nötig ist. Der 20-jährige Djordje Nikolic, erst im Winter von Basel ausgeliehen, war in den letzten Partien ein Unsicherheitsfaktor, in Sitten gab er erneut eine schlechte Figur ab. «Er ist blockiert, weil er sich stark unter Druck setzt», sagt Gerber. Gut möglich, wird Guillaume Faivre am Sonntag beim Heimspiel gegen Lausanne ins Tor zurückkehren. Für ihn sprechen die Routine und die Führungsstärke, Attribute, die nun besonders gefragt sind. Lausanne, das morgen Basel zum Nachtragsspiel empfängt, wäre bei einem Sieg in Thun um mindestens fünf Punkte enteilt. Die Lage der Oberländer würde sich massiv verschlechtern.

Bis dann wird auch Marc Schneider zurück sein. Der Trainer weilt im Zuge des Lehrgangs zur Uefa-Pro-Lizenz ein paar Tage im Stage beim Bundesligisten Freiburg mit Kulttrainer Christian Streich. Dass der Zeitpunkt suboptimal ist, verneint Gerber nicht, er, der sich selbst als Op­timisten bezeichnet, bevorzugt aber wie so oft die positive Sichtweise, spricht davon, dass Schneider die paar Tage in Freiburg auch guttun können. Dass dem Club Schneiders Abwesenheit negativ aus­gelegt werden kann, nimmt Gerber in Kauf. Er sagt: «Wir treffen unsere Entscheidungen nicht mit Rücksicht auf die Kritiker.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 13.03.2018, 15:07 Uhr

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