Ungeliebtes Liebefeld

Wegen infrastruktureller Mängel wird dem FC Köniz auch in zweiter Instanz die Lizenz für die Challenge League verweigert. Der Leader der 1. Liga Promotion will das Urteil anfechten.

Das Tor zur Challenge League bleibt in Köniz vorderhand zu.

Das Tor zur Challenge League bleibt in Köniz vorderhand zu.

(Bild: Urs Baumann)

Philipp Rindlisbacher

Nach der Freude kam der Frust: Am Sonntagabend hatte sich der FC Köniz in Basel bei den Old Boys 3:0 durchgesetzt, 2 Runden vor Schluss in der 1. Liga Promotion die Tabellenspitze übernommen. Am Montagvormittag folgte der Schock: Der ambitionierte Verein darf nicht in die Challenge League aufsteigen, auch in zweiter Instanz wurde ihm die Lizenz für die zweithöchste Spielklasse verweigert. Die Infrastruktur auf dem Fussballplatz Liebefeld erfülle die gängigen Anforderungen nicht, liess die Swiss Football League in einem Communiqué verlauten. Bernard Pulver, CEO und Coach des Leaders, ist entsprechend bedient: «Eine detaillierte Begründung haben wir nicht erhalten, zudem fand nie eine Begehung auf dem Areal statt. Die Situation ist unbefriedigend.»

Nun, die Klubs müssen vorgängig den Beweis erbringen, über ein taugliches Stadion zu verfügen – die Liga ist gemäss Reglement zu einer Inspektion vor Ort nicht verpflichtet. Marc Juillerat, Verantwortlicher für das Lizenzwesen, erwähnt, dass andere Klubs im Gegensatz zu Köniz frühzeitig und aus Eigeninitiative an die Liga herangetreten waren und Vertreter einluden. Der Berner darf die infrastrukturellen Mängel auf dem Liebefeld nicht kommentieren. Die Beleuchtung jedenfalls scheint nicht das Problem zu sein, die geforderte Sektorentrennung hätten die Könizer mit provisorischen baulichen Massnahmen wohl realisieren können. Offenbar jedoch bestehen nach wie vor diverse Fragezeichen; Köniz dürfte auf den Lizenzierungsprozess nicht optimal vorbereitet gewesen sein.

Ausweichen ist kein Thema

Pulvers Anschuldigung, bezüglich Infrastruktur werde nicht mit gleichen Ellen gemessen, weist Juillerat von sich. «Es gibt aber Ausnahmebewilligungen, wenn ein Baugesuch für ein neues Stadion vorliegt.» Dies ist in Köniz nicht der Fall, dem Vernehmen nach klärt die Gemeinde jedoch ein entsprechendes Projekt ab.

Bernard Pulver verspricht, dass der Klub nicht klein beigeben werde. Die Könizer akzeptieren das Urteil nicht, werden den Fall weiterziehen. Die Verantwortlichen haben einen Anwalt kontaktiert, dürften sich ans Verbandssportgericht wenden. Diese Vorgehensweise hält Eugen Mätzler, Präsident der Rekursinstanz für Lizenzen, nicht für Erfolg versprechend. Gemäss Artikel 75 im Zivilgesetzbuch kann der FC Köniz aber ein Schiedsgericht konsultieren, sollte er davon ausgehen, dass die Liga Statuten respektive Regeln verletzt hat.

Ungenutzt liess der Erstligist die Möglichkeit, im Falle des Aufstiegs die Heimspiele in einem Ausweichstadion zu bestreiten. Hierfür wären das Berner Stade de Suisse, die Thuner Stockhorn-Arena sowie die Neuenburger Maladière infrage gekommen. «Wir wollen in Köniz spielen», sagt Pulver, «andere Varianten würden sich finanziell nicht realisieren lassen.» Am Samstag können die Vorstädter dem (sportlichen) Aufstieg mit einem Heimsieg über die zweite Equipe St.Gallens einen Schritt näher kommen.

Berner Zeitung

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