Das Rennen um Blatters Thron

Heute wählt die Fifa einen neuen Präsidenten. Viele der 207 Landesverbände haben ihre Stimme bereits einem Kandidaten versprochen. Eine Übersicht.

Die Übersicht wird laufend aktualisiert. Quelle: sportingintelligence.com

Heute entscheidet sich im Zürcher Hallenstadion, wer Sepp Blatters Nachfolge als Fifa-Präsident antritt. Es zeichnet sich ein Duell zwischen Scheich Salman und Gianni Infantino ab. Die Website Sportingintelligence.com hat alle öffentlich versprochenen Stimmen der 207 zugelassenen Fifa-Landesverbände zusammengetragen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat die Übersicht visualisiert und wird sie bis zur Wahl aktualisieren.

Schaut man sich die Listen an, liegt der Schweizer Uefa-Generalsekretär Infantino klar vorne. Aber dieser erste Eindruck täuscht: Der asiatische Kontinentalverband (46 Stimmen) und die afrikanische Föderation (54 Stimmen) haben ihre Unterstützung Scheich Salman aus Bahrain zugesichert. Wenn alle diese 100 Verbände «Salman» auf ihre Stimmzettel schreiben, hat der Präsident der asiatischen Föderation schon fast gewonnen. Im ersten Wahlgang braucht ein Anwärter zwei Drittel der 207 Stimmen, ab dem zweiten Durchgang genügt das einfache Mehr, also 104 Stimmen.

Nicht in die Karten schauen lassen

Nur: Die Kontinentalverbände können die Länder nicht zwingen, ihnen zu folgen. Die Wahl ist geheim, jeder Landesverband entscheidet am Ende selbst, wessen Namen er in die Urne wirft. Die meisten asiatischen und afrikanischen Verbände lassen sich noch nicht in die Karten schauen. In Afrika sperren sich aber offenbar einige Länder gegen Scheich Salman – Musa Bility, Präsident der Liberia Football Association, behauptet, dass 26 afrikanische Staaten nicht für den Scheich stimmen werden.

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Das hilft Gianni Infantino. Der Schweizer Uefa-Generalsekretär hat Süd- und Mittelamerika sowie grosse Teile von Europa hinter sich – das sind bis zu 75 Stimmen. Auch aus Afrika erhält der Walliser Rechtsanwalt Support: Der Südsudan wird ihn wählen, wie der Verband über Facebook verkündete. Und nachdem Infantino die letzten Tage in Kuala Lumpur bei asiatischen Verbänden lobbyierte, ist nicht mehr ausgeschlossen, dass er auch aus Asien Stimmen erhalten wird.

Bittere Pille für Sexwale

Nur minimale Chancen haben dagegen Jérôme Champagne (Frankreich) und Tokyo Sexwale (Südafrika) – beide haben bis heute wenig Zuspruch der Verbände erhalten. Besonders bitter ist für Sexwale, dass seine eigene Konföderation sich für einen Konkurrenten entschieden hat.

Ein wenig besser sieht es für Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien aus, der bereits im Mai 2015 gegen Blatter angetreten ist. Malta, Liberia, Ägypten, der Irak und seine Heimat Jordanien haben zugesagt, ihn zu wählen. Das wird für den Sieg wohl nicht reichen. Es könnte aber entscheidend sein, für wen sich Ali ausspricht, wenn er selbst aus dem Rennen ausgeschieden ist.

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