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Vertragsverletzung: YB in Bedrängnis

Das Hickhack um die Schadenersatzforderung von knapp zwei Millionen Franken der V+F AG ging gestern vor Handelsgericht weiter. Beide Parteien werfen einander mehrfache Vertragsverletzungen vor. Das Urteil wird erst nächste Woche verkündet.

Die Stade de Suisse (SdS) AG und die V+F AG für Sportwerbung liegen sich seit längerer Zeit in den Haaren. Die Zürcher Vermarktungsfirma hat die einseitige Kündigung eines Vermarktungsvertrages, der bis 2012 gültig ist, nicht akzeptiert und will allein für die Saison 2007/2008 mit 1,9 Millionen Franken entschädigt werden. Die SdS AG stellt sich auf den Standpunkt, sie habe die Zusammenarbeit mit der V+F abrupt beenden müssen, weil diese ihre Leistung nicht erbracht und kein Vertrauensverhältnis mehr bestanden habe. Die beiden Kontrahenten blieben sich auch gestern, als die Plädoyers anstanden, nichts schuldig. Der V+F-Anwalt sagte, er möge den Vorwurf der «Underperformance» nicht mehr hören. Die Klägerin habe alle vertraglich festgelegten Leistungen fristgemäss erbracht. Unter Berücksichtigung der widrigen Umstände habe sie in der Saison vor dem Eklat «ein stolzes Resultat» erzielt. In der Spielzeit 2006/07 erwirtschaftete die V+F einen Umsatz von 2,018 Millionen Franken. Unstimmigkeiten bei den BandenDer V+F-Jurist kam im Weiteren auf Vertragsverletzungen zu sprechen, die die SdS-Leitung begangen haben soll. Demnach verkaufte diese unter anderem TV-Banden und Inserate im Matchprogramm, die laut Vermarktungsvertrag der V+F AG zustanden. Der Rechtsanwalt zitierte in diesem Zusammenhang den früheren SdS-Finanzchef. Dieser hatte am Vortag wörtlich gesagt: «Wir hatten mehr Banden belegt als uns zustanden.» Und weiter: Es habe Überlegungen gegeben, wie die V+F für die Übernutzung entschädigt werden sollte. Fazit des V+F-Juristen: «Die SdS AG machte, was YB und dem Stadion Geld brachte.» Als sie realisiert habe, wie viel Geld sich mit der Vermarktung verdienen lasse, habe sie nach Gründen gesucht, die V+F loszuwerden.SdS-Anwalt Peter Burkhalter nannte in seinem Plädoyer nochmals die Gründe für die vorzeitige Kündigung. Die V+F habe ihre Vermarktungspflichten «schwer verletzt» und mit ihrer Dumpingpolitik YB erheblichen Schaden zugefügt. Deshalb sei die einseitige Kündigung rechtens.Dass sich die SdS ihrer Sache nicht sicher ist, wurde im zweiten Teil des Plädoyers ersichtlich. Burkhalters Partner Beat Hodler ging ausführlicher auf die Schadenersatzforderung ein. Laut seinen Berechnungen kann die V+F nicht mehr als einen Betrag von 350000 Franken geltend machen. «Ich bitte das Gericht, die Entschädigungssumme zu korrigieren, sollte die Klägerin recht bekommen.» Auch Burkhalter wandte sich im Schlussvotum mit einer Bitte an die Richter: «Ich bitte Sie, nicht mit überspitztem Formalismus zu urteilen, sondern die gelebte Situation zu beurteilen.»Das Handelsgericht wird das Urteil erst Ende nächster Woche bekannt geben. Es wird den beiden Parteien vorerst ohne Begründung zugestellt. Das begründete Urteil ist in zwei Monaten zu erwarten. V+F will noch mehr GeldDer Rechtsstreit zwischen der SdS und der V+F AG hat mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Fortsetzung. Sollte das Handelsgericht die Schadenersatzforderung ganz oder auch nur teilweise gutheissen, will die V+F in einem separaten Verfahren Ansprüche für die Saisons 2008/09, 2009/10, 2010/11 und 2011/12 geltend machen. Im schlimmsten Fall droht der SdS AG und ihrem Aushängeschild YB ein Abschreiber von fast 10 Millionen Franken.

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