Von Tagträumern und Traumtoren

Lange Zeit hatten die Young Boys gegen Sion leichtes Spiel. Am Ende gerieten sie aber arg ins Zittern, gewannen gegen Sion dennoch verdient 3:2.

  • loading indicator
Dominic Wuillemin

Der Puls bei den Zuschauern im Stade de Suisse war in der Schlussphase konstant hoch. Vor allem bei jenen, die Sympathien für die Young Boys hegen. Sions Stürmer Moussa Konaté kam dem 3:3-Ausgleich zweimal sehr nahe, die Young Boys hatten ihre Souveränität komplett eingebüsst. Torhüter Yvon Mvogo versuchte bei jeder Gelegenheit, Zeit zu schinden, der eingewechselte Marco Bürki drosch die Bälle ohne Ziel und Abnehmer fort, und Guillaume Hoarau rückte in die Innenverteidigung, um sich der Schlussoffensive der Walliser entgegenzustemmen.

Dabei hatte es lange nach einem geruhsamen Nachmittag für die Young Boys und ihre Fans ausgesehen. Bereits nach 20 Minuten hätten die Gelb-Schwarzen mit drei Toren führen können, einmal traf Hoarau den Pfosten, einmal scheiterte er am gut reagierenden Sion-Torhüter Andris Vanins, der nur Sekunden später auch einen Kopfball von Renato Steffen glänzend parierte. YB kombinierte in dieser Phase gefällig, dominierte mühelos, die Partie spielte sich fast nur in der Hälfte der Gäste ab. Allerdings erfuhren die Berner auch keine Gegenwehr, nur die physische Anwesenheit zeugte davon, dass die Walliser tatsächlich in Bern zugegen waren. Wie elf Tagträumer wandelten sie über den Platz, immer einen Schritt zu spät, immer einen Gedankengang zu langsam. Sinnbildlich dafür waren die ersten beiden Tore.

Beim 1:0 in der 40.Minute genügte Raphael Nuzzolo eine einfache Täuschung dafür, den behäbigen Birama Ndoye auszuspielen und Alexander Gerndt zu bedienen, der aus wenigen Metern einschoss. Beim 2:0 übertraf sich der senegalesische Innenverteidiger in seiner Schlafmützigkeit noch, nach einem weiten Einwurf von Jan Lecjaks liess er Hoarau gewähren, der mit einer sehenswerten Direktabnahme erfolgreich war. Sion-Trainer Didier Tholot strafte Ndoye ab, indem er ihn kurz vor dem Pausenpfiff durch Léo Lacroix ersetzte. «In der ersten Halbzeit spielten wir nahezu perfekt» sagte Nuzzolo, während Uli Forte einräumte: «Sion war sehr, sehr harmlos.»

Ein Tor schöner als das andere

Der YB-Coach fand, die Chancenauswertung sei zu diesem Zeitpunkt der einzige Tolggen im Reinheft seiner Mannschaft gewesen. «Leider führten wir nur mit zwei Toren. Das ist immer ein gefährlicher Spielstand.»

Tatsächlich, nach einer Stunde wachten die Sittener, die nach den Zuzügen von Veroljub Salatic, Reto Ziegler und Elsad Zverotic im Winter deutlich an Qualität gewonnen hatten, allmählich auf. Einfluss besassen dabei auch die verletzungsbedingte Auswechslung von Abwehrchef Steve von Bergen und die Einwechslung Carlitos’, der fortan das Walliser Spiel an sich riss. Forte bescheinigte Rochat, der den YB-Captain ersetzt hatte, zwar eine gute Darbietung.

Doch die Young Boys wirkten nun deutlich anfälliger. Nach 69 Minuten flankte Carlitos auf Konaté, der zum Anschlusstreffer einköpfte. Und nur wenige Momente später verpasste Lacroix den Ausgleich. «Zum Glück konnten wir wieder nachlegen», befand Forte. Milan Vilotic hatte einen langen Ball an die Strafraumgrenze geschlagen, von wo aus Hoarau mit einem herrlichen Kopfball das 3:1 erzielte. Doch die wieder eingekehrte Ruhe währte nur kurz, nach 79 Minuten traf Carlitos aus 30 Metern noch sehenswerter als Hoarau kurz zuvor. «Für die YB-Fans ist das nicht gesund», sagte Forte zur Tatsache, dass seiner Equipe noch die Fähigkeit abgeht, ein Spiel zu verwalten. «Daran müssen wir arbeiten.» Am Ende resultierte für die Young Boys aber dennoch der achte Sieg in den letzten zehn Partien ohne Niederlage. Das Leiden hat sich gelohnt. Umso mehr, weil Zürich in Vaduz nur zu einem 2:2 kam und jetzt drei Punkte hinter YB liegt.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt