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Von YB darf man Rang 2 erwarten

Die Aufbruchstimmung bei YB ist dieser Tage überall spürbar. Mal wieder soll alles besser werden und schöner. Und auf den ersten Blick sieht ja einiges bei den Young Boys vielversprechend aus.

Das Kader wurde ausgemistet, verkleinert, verbessert, mit dem akribischen, fordernden, ambitionierten Trainer Uli Forte ist ein echter Hoffnungsträger verpflichtet worden, Steve von Bergen kann der gesuchte Abwehrchef sein. Und die Fussballeuphorie, die in Bern nach drei schwierigen Jahren verschwunden ist, könnte mit einem guten Saisonstart aktiviert werden.

Mit starken Leistungen in den nächsten Wochen will YB die unselige Phase 3 endgültig vergessen machen. Nachwehen der kostspieligen Vorwärtsstrategie aber werden noch länger spürbar sein, nach dem 15-Millionen-Franken-Defizit 2012 droht auch für das Geschäftsjahr 2013 ein Millionenverlust. Zumal kein einträglicher Spielerverkauf bevorsteht und bisher kein neuer Hauptsponsor gefunden werden konnte. Dank den Rihs-Brüdern als Investoren kann sich YB solche Finanzkapriolen aber wenigstens leisten.

Entscheidend im Fussball sind Resultate, Titel, Triumphe. Wenn die neuen Verantwortlichen Zeit erhalten, etwas Nachhaltiges aufzubauen, darf YB mit seinem Stadion, seiner Fanbasis und seiner finanziellen Potenz davon träumen, in den nächsten drei Jahren einen Pokal zu gewinnen. In dieser Saison geht es für das Team aber vorerst darum, den gewaltigen Rückstand auf Branchenleader Basel zu verringern. Und man darf von den gut und breit besetzten Stadtbernern erwarten, Rang 2 zu erreichen. Sportchef Fredy Bickel setzt auf eine Wohlfühloase, die Stimmung in Team, Betreuerstab und Betrieb ist erheblich aufgehellt. Aber natürlich geht Bickel ein Risiko ein, weil er in erster Linie alte Weggefährten geholt hat. Das ist sein gutes Recht. Jeder Chef verpflichtet lieber Leute, die er schätzt und denen er vertraut – und nicht Menschen, die er nicht gut kennt. Wenn YB jedoch nicht auf Touren kommt, kann Bickels Vorgehen gegen ihn verwendet werden. Allerdings würde er dann auch kritisiert werden, wenn er ausschliesslich im Ausland frische Kräfte gefunden hätte.

Während sich YB nach dem ungenügenden Rang 7 letzte Saison deutlich steigern muss, steht der erstaunliche FC Thun vor der nächsten Spielzeit der Bestätigung. Dreimal in Serie sind die Oberländer Fünfte geworden. Das ist eine überragende Leistung, die sich als Bürde erweisen könnte. Die Anhänger sind anspruchsvoller geworden, und die Zuschauerzahlen waren ja bereits zuletzt eher enttäuschend. In der Super League kann Thun mit seinem homogenen Team aber erneut für Furore sorgen. Und im Europacup warten vielleicht bald attraktive Gegner. Zunächst geht es dort gegen den georgischen Vertreter Satschchere.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem Thun mit seiner Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation wandelt. Auch grössere Teams mit einem breiten Kader wie Basel und YB büssten in den letzten Jahren oft Punkte ein, weil sie durch die kontinentale Zusatzbelastung und die langen Reisen geschwächt waren. Es wird die Aufgabe von Trainer Urs Fischer sein, diese Herausforderung geschickt zu moderieren. Und möglicherweise werden die Thuner, zumal sie einige verletzte Akteure zu beklagen haben, auf dem Transfermarkt noch einmal tätig werden müssen.

Und im Gegensatz zu YB, wo das Umfeld hektisch ist, könnten die Thuner auf eine Krise in Ruhe reagieren. Eine ihrer Stärken sind die kurzen, freundschaftlichen Wege zwischen den Entscheidungsträgern. Aber auch sie tun sich schwer bei der Geldbeschaffung. Und sie haben keine Mäzene im Hintergrund, die einen Verlust einfach übernehmen. Das ist ihr grosser Nachteil gegenüber den Young Boys.

Mail: fabian.ruch@bernerzeitung.ch

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