Was Netzer und Koller zum Klassiker sagen

Wenn Deutschland und Österreich aufeinandertreffen, spielen auch die Emotionen mit. Heute Abend kommt es in der WM-Qualifikation erneut zum Prestigeduell. Einer der Protagonisten ist der Zürcher Marcel Koller.

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Thomas Niggl@tagesanzeiger

Heute Abend ruhen die Hoffnungen einer ganzen Nation auf dem Zürcher Marcel Koller. Österreichs Nationalcoach wäre mit einem Sieg in der WM-Qualifikation in München ein Eintrag in die Geschichtsbücher garantiert. Der ehemalige Schweizer Nationalspieler tritt gegen den dreifachen Weltmeister Deutschland denn auch sehr selbstbewusst an. «Ich bin keiner, der sagt, wir können in München nichts ausrichten, auch wenn wir gegen eine Weltklassemannschaft spielen», sagt Koller vor dem Klassiker gegenüber thunertagblatt.ch/Newsnetz. «Wenn wir alles richtig machen, dann können wir gegen Deutschland sehr wohl bestehen und erfolgreich sein.» Sein Team müsse aber auf höchstem Niveau spielen und das Potenzial abrufen können. Österreich ist zurzeit mit fünf Punkten Rückstand auf Deutschland Zweiter der Qualifikationsgruppe für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Das Team von Marcel Koller darf darauf hoffen, sich zumindest über die Playoffs erstmals seit 1998 wieder für ein grosses Turnier zu qualifizieren.

«Fehler werden bitter bestraft»

«Wir müssen mit Herz, Freude, Lust und Leidenschaft spielen. Wir müssen eins zu eins das umsetzen, was wir uns taktisch vornehmen», erklärt Koller. Österreich werde nicht in Ehrfurcht erstarren und nach München fahren, um sich dort zu verstecken. «Wenn wir nur hinten hineinstehen und uns einigeln, kann das nicht gut gehen. Wir müssen agieren und couragiert auftreten», forderte der ehemalige Meistermacher von St. Gallen und GC. «Die Balance zwischen Defensive und Offensive muss stimmen. Wir dürfen uns vor allem im defensiven Part keine Fehler leisten. Die Deutschen sind geradezu Meister darin, Fehler bitter zu bestrafen.»

Koller blickt noch einmal auf die unglückliche 1:2-Niederlage gegen die Deutschen in Wien zurück. «Mit dem nötigen Glück hätten wir ein Unentschieden erreichen können. In Österreichs Startelf werden in München wohl acht Bundesligalegionäre stehen. Und als ehemaliger Bundesligatrainer von Köln und Bochum ist Koller mit der deutschen Mentalität sehr wohl vertraut.

Netzers Lob für Marcel Koller

Der deutsche Welt- und Europameister Günter Netzer zollt der Arbeit von Marcel Koller den grössten Respekt. «Er geht konsequent seinen Weg und setzt auch auf junge Spieler», sagt Netzer gegenüber thunertagblatt.ch/Newsnetz. Die Mannschaft habe sich unter seiner Regie enorm weiterentwickelt. «Ich freue mich sehr für Marcel Koller. Er tut den Österreichern so richtig gut. Sein Team ist nicht zufällig Gruppenzweiter. Seine Handschrift ist klar zu erkennen.» Netzer glaubt indes nicht, dass es in München eine Sensation geben wird. «Die Deutschen sind aus dem Hinspiel gewarnt. Sie werden die Partie hoch konzentriert angehen. Das Team von Jogi Löw weist klar mehr Qualität auf und ist in dieser Partie der haushohe Favorit», so Netzer. Wenn, dann könne Österreich Deutschland höchstens ein bisschen ärgern.

Deutschland hat im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden vier Gegentreffer erhalten. In den letzten drei Testspielen kamen neun Gegentore dazu. Diese eklatante Schwäche ist auch Günter Netzer nicht entgangen. «Es ist erfreulich, dass die Deutschen unter Jogi Löw einen kreativen und offensiven Fussball spielen. Doch dieses ungenügende Defensivverhalten müssen die Deutschen besonders im Hinblick auf die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Brasilien korrigieren und abstellen können. Die Probleme würden aber nicht nur in der deutschen Abwehr liegen. «Das Defensivverhalten muss über sämtliche Mannschaftsteile funktionieren. Jeder muss Verantwortung übernehmen. Die ersten Verteidiger sind eigentlich schon die Stürmer.»

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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