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«Wenn es drei Wochen länger dauert, dann eben drei»

Manuel Neuer kann immer noch nicht sagen, wann er nach seinem Mittelfussbruch wieder zurückkehren wird. Der Bayern-Goalie soll sich zu einer Eigenbluttherapie entschieden haben.

Er muss sich weiterhin gedulden: Manuel Neuers Weg zurück ins Bayern-Tor ist beschwerlich.
Er muss sich weiterhin gedulden: Manuel Neuers Weg zurück ins Bayern-Tor ist beschwerlich.
Keystone

Manuel Neuer wusste, dass er nun zu seiner Ungeduld befragt werden würde. Also antwortete er betont geduldig. Ja, er hätte jetzt schon gerne wieder gespielt. Nein, böse sei er niemandem, weil, ja, es sei ja alles am Telefon besprochen worden. Irgendwann sagte er noch, dass schliesslich «kein Risiko» eingegangen werden solle.

Es war das Höchstmass an Geduld, das Manuel Neuer aufbrachte, damals, Ende August. Gerade hatte er erstmals nach einer viermonatigen Verletzungspause wieder gespielt, er war bereit für weitere, höhere Aufgaben. Doch wenige Stunden zuvor hatte Bundestrainer Joachim Löw bekannt gegeben, dass er für die zwei Länderspiele wenige Tage später auf Neuer verzichten würde, freiwillig. Neuer sagte nicht, dass die Nicht-Nominierung eine falsche Entscheidung sei. Dass es die richtige Entscheidung sei, sagte er aber auch nicht. Er wollte wieder regelmässig spielen, unbedingt, er hielt es nicht mehr aus zu warten.

Zweieinhalb Wochen später brach er sich zum zweiten Mal in einem knappen halben Jahr den Mittelfuss. Seitdem versucht er, der so ehrgeizige, so ungeduldige Münchner Fussballtorwart, ein Dauergeduldiger zu sein.

Er war noch nie so lange verletzt

29 Spiele hat er inzwischen beim FC Bayern verpasst, für die Nationalmannschaft lief der Kapitän zuletzt Mitte Oktober 2016 auf, beim 2:0 gegen Nordirland. Hiess es im September noch, dass Neuer im Januar zurückkehren werde, gibt es inzwischen keine konkreten Prognosen mehr. Zurzeit ist Neuer mit seiner Frau Nina für zehn Tage in Thailand und trainiert dort individuell; am Mittwoch veröffentlichte er ein Video, auf dem zu sehen ist, wie er Kniebeugen macht, erschwert durch ein Gummiband.

Hinter Neuer liegt ein verflixtes Jahr 2017, noch nie in seiner Karriere war der 31-Jährige so lange und kompliziert verletzt. Zwischendurch geriet er mit seiner Verletzung sogar in einen innenpolitischen Konflikt beim FC Bayern: Als sich der Klub im Herbst von Mannschaftsarzt Volker Braun trennte, galt als einer der Gründe, dass Braun Neuer nach dem ersten Mittelfussbruch falsch behandelt habe – Neuer dementierte umgehend.

Am Mittwoch meldete die «Bild» nun, dass der Torwart sich zu einer ungewöhnlichen Behandlung entschlossen habe. Dem Bericht zufolge hat sich Neuer auch mit Eigenblut therapieren lassen. Das Management des DFB-Kapitäns wollte auf SZ-Anfrage die Therapieschritte nicht näher kommentieren, Berater Thomas Kroth sagte der «Bild» jedoch recht allgemein: «Es läuft alles gut und wie geplant. Nach seiner Rückkehr (aus Thailand, d. Red.) wird es noch mal Termine mit den Ärzten geben, dann wird überlegt, wann Manuel einsteigt. Wir haben immer gesagt: Er soll sich die Zeit nehmen. Wenn es eine Woche länger dauert, dauert es eine Woche länger, wenn es drei Wochen länger dauert, dann eben drei.»

Sollte Neuer sich tatsächlich Eigenblut gespritzt haben, hätte er auf eine uralte Behandlungsmethode zurückgegriffen. Eigenes Blut gilt seit der Antike als Arzneimittel. Die Eigenbluttherapie nahm im alten Ägypten ihren Anfang und hat im Laufe der Zeit zunehmend an Relevanz gewonnen. Bei allen heute angewandten therapeutischen Verfahren geht es darum, dem Patienten eine bestimmte Menge Blut zu entnehmen und es diesem zu einem späteren Zeitpunkt wieder zuzufügen.

Rückkehr nicht absehbar

In der Sportmedizin kann man durch sogenanntes Autologes Conditioniertes Plasma (ACP) unter anderem den Heilungsprozess bei Knochenbrüchen unterstützen. Hierbei wird dem Patienten 10 bis 15 Milliliter Blut aus der Armvene entnommen. Das Blut wird anschliessend so zentrifugiert, dass nur noch ein an Blutplättchen reiches Plasma übrig bleibt. Das konzentrierte Plasma wird dem Patienten direkt am Wirkungsort injiziert und beschleunigt durch die enthaltenen Wachstumsfaktoren und Blutplättchen die Heilung.

Auch abseits medizinischer Notwendigkeit gewinnt Eigenblut im Sport an Bedeutung. Da der Farbstoff in den roten Blutkörperchen, den Erythrozyten, Sauerstoff in die Muskeln transportiert und somit für mehr Ausdauer des Sportlers sorgt, dopen einige Sportler mit Eigenblutkonserven. Hierbei erhöht der Sportler die Anzahl seiner roten Blutkörperchen medikamentös oder durch Höhentraining.

Nach der Blutentnahme wird das Blut so zentrifugiert, dass ein Erythrozytenkonzentrat übrig bleibt. Vor Wettkämpfen lassen sich die Sportler dieses Konzentrat injizieren und steigern so ihre Leistungsfähigkeit. (Neuer steht weder vor einem Wettkampf noch ist bestätigt, ob er sich für die medizinische Behandlung entschieden hat.)

Wann Neuer nach seiner Rückkehr wieder ins Mannschaftstraining einsteigen wird, ist nicht absehbar. Beim FC Bayern und beim DFB wollen sie, dass ihr Torwart nichts überstürzt. Sie wissen, dass Manuel Neuer sich nach diesem wiederholten Fussbruch nicht genug in Geduld üben kann.

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