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Wie der FC Thun von YB profitiert

Dank Mehreinnahmen durch den neuen Fernsehvertrag sowie Uefa-Zahlungen muss der FC Thun nicht mehr ums finanzielle Überleben kämpfen. Er will sich nun für härtere Zeiten rüsten.

Volles Haus: Die Stockhorn-Arena beim Berner Derby.
Volles Haus: Die Stockhorn-Arena beim Berner Derby.
Anthony Anex, Keystone

Es ist eine Aussage, die Fans, ­deren Herz nicht den Young Boys gehört, nicht gerne vernehmen werden. Aber sie stimmt: «Es wäre gut für den Schweizer Fussball, würde sich Meister YB nächste Saison für die Champions League qualifizieren.»

Und zwar nicht nur des Liga-Koeffizienten wegen, der für die Anzahl Startplätze entscheidend ist. Nein, in der Champions-League-Reform, die ab diesem Sommer den grossen Ligen je vier Teilnehmer zusichert, sind auch deutlich höhere Solidaritätszahlungen für die Herkunftsländer der Teilnehmer fixiert worden (von rund 600'000 auf 4 Millionen Franken), die diesen Winter rückwirkend für die Saison 2016/2017 erstmals geflossen sind.

Davon profitieren alle Vereine, die es nicht in die Gruppenphase eines der beiden europäischen Wettbewerbe schafften. Dank dem FC Basel, der heuer den Achtelfinal erreichte, werden bei der nächsten Überweisung alle Schweizer Super-League-Clubs berücksichtigt ausser YB und Lugano, die sich für die Gruppenphase der Europa League qualifizierten und somit selbst Einnahmen der Uefa generierten. So lang, so kompliziert.

Schwarze Null nicht utopisch

Konkret profitierte etwa der FC Thun zuletzt von Solidaritätszahlungen von mehreren Hunderttausend Franken. Im Vergleich zu den Profiten, die das Big Business Champions League abwirft, ist dies zwar ein lächerlich kleiner Betrag. Und doch ist er für Vereine wie den FC Thun ein Fortschritt.

Zählt man die Mehreinnahmen durch den neuen Fernsehvertrag der Super League hinzu, der seit letzten Sommer gültig ist, kommen die Oberländer auf ein jährliches Plus von rund eineinhalb Millionen Franken.

Ihr strukturelles Defizit ist damit fast getilgt. Das einst utopisch anmutende strategische Ziel, ohne Erlöse aus dem Transfergeschäft sowie Einnahmen aus eigenen Teilnahmen an europäischen Wettbewerben auf eine schwarze Null zu kommen, liegt plötzlich in Reichweite.

Für einen Verein, der anders als die allermeisten Super-League-Clubs nicht von Zustüpfen eines Mäzens profitiert, ist dies beachtlich. «Wir ­befinden uns in einer ganz neuen Situation», sagt Joel Kissling, der als Leiter Kommerz in der Geschäftsleitung des FC Thun sitzt.

Es ist erst eineinhalb Jahre her, da mussten die Oberländer zu Spenden aufrufen, um ihr Überleben zu sichern. Hätten sich nicht die Mehreinnahmen durch den neuen Fernsehvertrag abgezeichnet, hätte er aufgegeben, sagte Präsident Markus Lüthi ­damals. Nun erweisen sich diese Einkünfte tatsächlich als Segen.

Im Geschäftsjahr 2018 dürfte der FC Thun erstmals das Gros der Transfererlöse nicht dazu benötigen, Löcher zu stopfen. Sondern er kann diese nutzen, sich ein Polster für härtere Zeiten zuzulegen, sowie in längerfristige Projekte investieren. Mit Marvin Spielmann und Matteo Tosetti könnten im Sommer zudem weitere lohnende Transfers folgen.

Kissling warnt jedoch davor, nun plötzlich rosige Zeiten für den FC Thun auszurufen. Das Eigenkapital sei immer noch riskant gering. «Wir können nicht plötzlich die Schrauben lockern», sagt er. Aber zumindest kann der Club ein bisschen durchatmen, der Lizenzierungsprozess verlief diesmal reibungslos.

Zudem verzeichnen die Thuner bei den Zuschauern erstmals seit der Saison 2013/2014 wieder eine Aufwärtstendenz. Kissling glaubt, dass sich die auf diese ­Saison geänderten Anspielzeiten sowie die Euphorie rund um YB positiv ausgewirkt hätten.

Der Leiter Kommerz denkt dabei nicht nur an das Derby im April, als die Stockhorn-Arena erstmals seit Dezember 2011 ausverkauft war. Er findet, die Fussballbegeisterung im ganzen Kanton sei durch den Erfolg der Young Boys gestiegen. «Davon profitierten auch wir.»

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