Wie der Vater, nur grösser und schlanker

Ianis Hagi tritt in die Fussstapfen eines Nationalheiligen: Gheorghe Hagi, seinem Vater. An der U-21-EM verblüfft der 20-Jährige.

Wie einst sein Vater Gehorge: Ianis Hagi trägt die Nummer 10 und sorgt an der U-21-EM mit Rumänien für Furore.

Wie einst sein Vater Gehorge: Ianis Hagi trägt die Nummer 10 und sorgt an der U-21-EM mit Rumänien für Furore.

(Bild: Getty Images/Emilio Andreoli)

Es wurde hektisch in Cesena, aber das hatte mit einem wirklich interessanten Fussballspiel nur wenig zu tun. Ein rumänischer Journalist filmte die Szenen, die sich vor dem Stadio Dino Manuzzi abspielten, wo die rumänische U-21-Nationalmannschaft die englische an der EM mit 4:2 besiegt hatte. Er veröffentlichte sie auf Twitter: Ein Mann, dessen gemütlicher Bauchansatz sich unter dem weissen T-Shirt abzeichnete, bahnte sich den Weg vom Parkplatz zur Strasse. Menschen schüttelten ihm die Hand, jemand küsste seine Schulter, die meisten fotografierten. Sie riefen «Hagi! Hagi! Hagi!», liefen neben ihm her im Hagi-Trikot mit der Nummer zehn. Sogar eine Reporterin, die auf eine offenbar einfache Frage eine sehr kurze Antwort und einen nach oben gereckten Hagi-Daumen erhielt, trug das gelbe rumänische Nationaltrikot.

Es ist nun vielleicht nicht sonderlich überraschend, dass es sich bei dem Mann, der am vergangenen Freitag die Aufmerksamkeit in Cesena auf sich zog, um Gheorghe Hagi handelte, 54 Jahre alt, nur 1,72 Meter gross, aber der grösste Fussballer der Geschichte Rumäniens, der als Spielmacher unter anderem für Real Madrid, den FC Barcelona und Galatasaray Istanbul auflief. Es ist aber an dieser Stelle trotzdem wichtig zu erwähnen.

Denn eigentlich geht es an dieser EM, wenn Rumänien spielt, um einen anderen Hagi, um den Spielmacher Ianis, 20 Jahre alt, 1,80 Meter gross. Er trägt auch die Nummer zehn. Und er ist Gheorghe Hagis Sohn.

«Er spielt eher wie Zidane»

Der Vater hat dem Magazin «11Freunde» mal ein ausführliches Interview gegeben, es ging um die Bedeutung einer Nummer zehn, Hagi sagte wunderbare Sätze. «Die Nummer zehn arbeitet nicht. Sie macht den Unterschied», erklärte er zum Beispiel. Er sagte, dass er mit drei Jahren gemerkt habe, ein Zehner zu sein. Bei seinem Sohn hat er es offenbar auch früh gemerkt.

Er erzählte, dass er Ianis die Rückennummer genau wie die Captainbinde schon als 16-Jährigem gegeben habe, beim FC Viitorul Constanta. Den Verein hat Gheorghe Hagi 2009 selbst gegründet, seit 2012 ist er erstklassig, seit 2014 ist Hagi Trainer. Der Club ging aus der Academia Gheorghe Hagi hervor, Hagis Fussballschule, Viitorul heisst übersetzt Zukunft. Sein Sohn sei im Gegensatz zu ihm «beidfüssig, grösser und schlanker». Gheorghe Hagi sagte: «Er ist ein absoluter Playmaker. Er spielt nicht wie Gheorghe Hagi, eher wie Zinédine Zidane.»

Das Überraschungsteam des Turniers

Die Rumänen sind erstmals seit 1998 mit dem U-21-Team an der EM-Endrunde dabei, damals waren sie Gastgeber. Nun sind sie die Überraschungsmannschaft des Turniers. Sie haben die ersten beiden Gruppenspiele gewonnen, 4:1 gegen Kroatien und 4:2 gegen England. Im letzten Duell vor der K.o.-Phase spielten sie am Montag 0:0 gegen Frankreich. Dank diesem torlosen Unentschieden schaffte Rumänien als Sieger der Gruppe C den Einzug in den Halbfinal. Dort trifft die Equipe am Donnerstag auf Deutschland.

Ianis Hagi ist nicht das einzige hochgehandelte Talent im Kader, Torhüter Ionut Radu vom CFC Genua kassierte in der Qualifikation zur U-21-Europameisterschaft nur vier Gegentore. Zehn Spieler im Kader liefen schon für die A-Nationalmannschaft auf, Hagi fünfmal. Er traf im Spiel gegen Kroatien per Kopf, gegen England aus der Distanz.

Als U-21-Nationalspieler hat Hagi schon Corner und Freistösse direkt verwandelt, dass es sehr an seinen Vater erinnerte. Er wechselte 2016 zum AC Florenz, kehrte aber nach nur zwei Spielen in eineinhalb Jahren zurück zu Viitorul. Glaubt man den Gerüchten, soll Galatasaray Interesse haben, ihn zu verpflichten. In Istanbul ist er geboren. Sein Vater war ja auch schon da.

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