Wie vernünftig war es, dass Fabian Schär weiterspielte?

Mediziner warnen vor Hirnerschütterungen. Fabian Schär spielte trotz beunruhigenden Symptomen weiter. Die Gründe.

Schock-Moment für das Schweizer Nationalteam in Georgien: Nach einem Luftduell bleibt Fabian Schär bewusstlos liegen. (Video: SRF)

Es passierte in der 23. Minute. Nach einem Eckball von Ricardo Rodriguez steigen Fabian Schär und der Georgier Jemal Tabidse in ein Luftduell und prallen hart mit den Köpfen zusammen. Der Schweizer Innenverteidiger sackt zu Boden. Teamkollegen eilen hinzu. Und der Georgier Jano Ananidse reagiert geistesgegenwärtig und fasst Schär in den Mund, damit der seine Zunge nicht verschlucken kann.


Bilder: Schär spielt angeschlagen durch

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Rund dreieinhalb Minuten versorgen darauf die Medical Teams der beiden Mannschaften die Spieler. Schär rührt sich lange kaum. Und spielt dann doch weiter. War das vernünftig? Nach dem Spiel sagte Schär in Tiflis zu dieser Zeitung: «Ich war kurz weg und hatte danach schon ein bisschen ein schwammiges Gefühl. Ich habe mit dem Arzt gesprochen. Ich habe dann gesagt, dass ich es probiere, so lange es geht. Es ist dann gut gegangen. Der Kopf brummt aber schon noch ein bisschen.»

Ein schwerer Schlag auf den Kopf, das verlorene Bewusstsein, die Probleme beim Aufstehen. Es gibt Ärzte, die nach diesen Symptomen die Notbremse gezogen und Schär nicht weiterspielen lassen hätten. Damian Meli, Teamarzt der Nationalmannschaft, entschied anders. Er untersuchte Schär nach dem «Sport Concussion Assessment Tool» und stellte keine neuropsychologischen Defizite fest. Bei diesen Tests muss der verletzte Sportler zum Beispiel Rechenaufgaben lösen, rückwärts zählen oder sagen, wo er sich gerade befindet.

Für den früheren Fifa-Chefmediziner Jiri Dvorak ist das Vorgehen von Meli in Ordnung. Er sagt aber auch: Für eine saubere Abklärung bräuchte es eigentlich mehr als die knapp fünf Minuten, die es bei Schär waren. Er plädiert deshalb in solchen Fällen für die Möglichkeit, einen Spieler temporär zu ersetzen und genau zu untersuchen. «Dafür braucht es 8 bis 10 Minuten», sagt Dvorak.

Schär spielte beim Auftakt zur EM-Qualifikation durch. «Ich wusste, wenn es schlimmer wird, muss ich aufpassen. Aber zum Glück war das nicht der Fall. Es hat sich gelohnt.» Denn Schär hatte beim 2:0-Sieg der Nationalmannschaft bei beiden Toren den Fuss im Spiel. Und zu seinem Glück zeigte er auch am Tag nach dem Spiel keine besorgniserregenden Symptome. Damit steht er auch am Dienstag gegen Dänemark zur Verfügung.

ete/ukä

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