Yakin, der Bessermacher

Als der zweifache Meistertrainer Murat Yakin Ende 2016 den FC Schaffhausen übernahm, war das Erstaunen gross. Nach einer starken Rückrunde gelten die Nordschweizer dank Yakin als Aufstiegskandidat.

Murat Yakin: Der frühere Thun-Trainer ist mittlerweile in Schaffhausen tätig. Er sagt, er wolle mit lernwilligen, ehrgeizigen Spielern arbeiten: «Der Ort und die Liga sind nebensächlich.»

Murat Yakin: Der frühere Thun-Trainer ist mittlerweile in Schaffhausen tätig. Er sagt, er wolle mit lernwilligen, ehrgeizigen Spielern arbeiten: «Der Ort und die Liga sind nebensächlich.» Bild: Freshfocus

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Als Schaffhausens Trainer Murat Yakin vorletzten Freitag nach dem Testspiel gegen den FC Thun in Spiez vom Platz läuft, kommt er nur schleppend voran. Geduldig posiert er für Selfies, schreibt Autogramme. Mit Sneakers, etwas zu langen Shorts und Shirt sieht Yakin aus wie einer der Mittvierziger, die, an diesem herrlichen Sommerabend, das Testspiel bei Bratwurst und Bier verfolgt haben.

Der 42-Jährige aber ist immer noch eine der grossen Figuren des Schweizer Fussballs. Seit über zwei Jahrzehnten, als er sich als sehr begabter Jüngling beim damals noch grossen GC mit faszinierender Nonchalance in den Fokus der Öffentlichkeit gespielt hatte.

Zwei Welten

Das macht die Geschichte, die sich derzeit in Schaffhausen ereignet, so spannend. Da ist Yakin, der vor drei Jahren als zweifacher Meistertrainer des FC Basel zum russischen Grossklub Spartak Moskau wechselte. Und da ist der kleine FC Schaffhausen, der nicht nur seiner geografischen Lage ganz im Norden der Schweiz wegen um Aufmerksamkeit kämpfen muss.

Auf der Klubwebsite ist Zugang und YB-Leihgabe Marko Dangubic drei Wochen nach seinem Wechsel in der Kaderliste immer noch als Mirko aufgeführt. Bei Spartak hatte Yakin einen Staff von fast 30 Mitarbeitern, Dolmetscher, Ernährungsberater und Akupunkteur. Mirko und Marko hätte es an nichts gefehlt.

Bei Spartak hatte Yakin einen Staff von fast 30 Mitarbeitern, Dolmetscher, Ernährungsberater und Akupunkteur.

Als Murat Yakin an diesem Freitagabend in Spiez den Platz schliesslich verlassen hat, sagt er: «Für mich ist schön, kann ich wieder als Trainer tätig sein.» Die Arbeit mit lernwilligen und ehrgeizigen Spieler bereite ihm Freude, das sei das Wichtigste. «Der Ort und die Liga sind nebensächlich.»

Image aufpoliert

Die Frage, warum er Ende 2016 nach Schaffhausen gegangen war, musste Yakin in den letzten Monaten immer und immer wieder beantworten. So atypisch hatte der Schritt in diesem Geschäft angemutet, in dem die meisten Trainer immer weiter nach oben streben. Die wenigsten aber bereit sind – zumindest ohne Not –, auch mal mehrere Schritte zurück zu machen und von neuem zu beginnen.

Yakin, der wohlhabende Erfolgstrainer, tat dies Ende letzten Jahres beim damaligen Letzten der Challenge League. Er war wieder an einem ähnlichen Punkt angelangt wie 2009 beim FC Thun, seinem ersten Cheftrainerposten im Profifussball.

Andres Gerber, der zu dieser Zeit im Oberland zum Sportchef ernannt worden war und zu Beginn enorm von den Kontakten Yakins profitiert hatte, findet, Yakin habe mit dem Schritt nach Schaffhausen sein Image aufpoliert, das nach Basel und Moskau Kratzer erlitten habe.

Beim FCB musste er trotz zwei Titeln gehen, weil die Klubführung befunden hatte, mit ihm als Cheftrainer sei die Basis für eine ­weitere Zusammenarbeit nicht mehr gegeben. Und in Russland gelang es ihm erstmals nicht, seine Idee vom Fussball zu vermitteln. Der 6. Platz in der russischen Premjer-Liga ist bis heute die schlechteste Schlussrangierung in der Karriere Yakins.

«Der Klub ist familiär geführt, die Leute sind sympathisch, und die Infrastruktur ist top.»Murat Yakin

Thun hatte er im ersten Jahr zum Aufstieg in die Super League und dann auf Platz 5 geführt, mit Luzern folgte Rang 2. Und zuletzt holte er beim FC Schaffhausen 12 Siege aus 18 Partien. Darunter nur ein 1:0, das ja gerne als Yakins Lieblingsresultat verschrien wird. Mit 38 Punkten belegte Yakins Team in der Rückrundentabelle den ersten Platz. Nun wird der Trainer gefragt, ob er den FC Schaffhausen zum Aufstieg führt. «Wer Erfolg haben will, sollte Muri verpflichten», meldet Mario Cantaluppi am Telefon.

Bruder Hakan an der Seite

Der 43-Jährige, langjähriger Weg­gefährte Yakins im Nationalteam, bei GC und dem FCB, soll in Schaffhausen erst als Assistent von Yakin vorgesehen gewesen sein. Doch nachdem Bruder Hakan Yakin den Nachwuchsbereich von St. Gallen verlassen hatte, holte ihn Murat zu sich. Der grosse Bruder kümmert sich um den kleinen, daran hat sich in all den Jahren nichts geändert.

Cantaluppi, der jetzt Delsberg (1. Liga) trainiert, sagt, Yakin habe nach dem Engagement bei Spartak eine Auszeit gebraucht. «Nach der Spielerkarriere machte er sogleich als Trainer weiter. Das war enorm anstrengend. Die Pause hat ihm gutgetan.» Cantaluppi findet auch, es sei mutig von Yakin gewesen, nach Schaffhausen zu gehen. «Doch, auch wenn dies für manche wenig plausibel tönt: Er sah ein reizvolles Projekt.»

Seit Januar spielt der FCS in einem neuen schmucken Stadion, mit 8000 überdachten Sitzplätzen und einem beheizbaren Kunstrasen. «Der Klub ist familiär geführt, die Leute sind sympathisch, und die Infrastruktur ist top», sagt Murat Yakin. Das scheint ihm fürs Erste zu genügen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 16.07.2017, 09:43 Uhr

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