YB: Bibbern nach der Gala im Schnee

YB überwintert im Schweizer Cup. Beim 2:1-Heimsieg gegen St. Gallen im Viertelfinal zeigen die starken Young Boys die vielleicht beste Halbzeit in dieser Saison – und geraten in den Schlussminuten nicht nur wegen der Kälte doch noch ins Zittern.

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Fabian Ruch

Wäre es nicht ein Cupspiel, wäre es nicht YB, wäre es nicht ein Cup-Viertelfinalheimspiel von YB im Jahr 2017, man würde nach dem zweiten Tor von Roger Assalé in der 63. Minute denken: Nun ist dieses einseitige Spiel endgültig entschieden.

Der Ivorer darf den Ball nach einem Zusammenstoss zwischen Mitspieler Miralem Sulejmani und St. Gallens Goalie Dejan Stojanovic zum 2:0 ins leere Tor schieben. Nach menschlichem Ermessen kann diese Einbahnstrassenfussballpartie nicht mehr in die andere Richtung kippen. Zu überlegen und stark ist YB, zu harmlos und fehleranfällig der FC St. Gallen.

Und diesmal stolpern die Young Boys nicht mehr, trotz rutschigem Untergrund verwalten sie den Heimsieg in der Schlussphase in dichtem Schneetreiben souverän. Bis zur 87. Minute und dem Anschlusstor aus heiterem Himmel durch Karim Haggui im Anschluss an einen Eckball.

Hey, es ist Cup, es ist YB

Hey, es ist ein Cupspiel, es ist YB, es ist ein Cup-Viertelfinalheimspiel von YB. Nun bibbern die vorher so stilsicheren Young Boys tatsächlich nicht nur wegen der Kälte dem Schlusspfiff entgegen. Das 2:2 aber fällt nicht mehr. Es hätte das Geschehen komplett auf den Kopf gestellt – und der Veranstaltung eine bestimmt herrlich unterhaltsame Verlängerung auf dem Schneekunstrasen geschenkt.

In der ersten Halbzeit spielten die Young Boys ihren Gegner bei unfreundlichen Bedingungen vor rund 7500 Zuschauern regelrecht an die Wand. Sie erspielten sich nach bereits 50 Sekunden die erste sehr gute Gelegenheit, als Djibril Sow an Torhüter Stojanovic scheiterte.

Video: Highlights YB - St. Gallen Quelle: youtube.com/BSC Young Boys

Jean-Pierre Nsame vergab gleich drei ausgezeichnete Chancen teilweise fahrlässig. Auch Christian Fassnacht reüssierte nicht, als drei Berner alleine aufs St. Galler Tor stürmen konnten. Und kurz vor der Pause verhinderte Marco Aratore mit einem klaren Handspiel einen Treffer Jordan Lotombas. Statt Roter Karte für Aratore und Elfmeter für YB gab es Eckball.

Vorangegangen war der schönste Angriff des Abends im Stade de Suisse inklusive Absatztrick des Künstlers Miralem Sulejmani und altruistischem Querpass des Wirbelwinds Roger Assalé.

Viele Chancen, nur ein Tor

Und so führten die Young Boys zur Pause nur mit 1:0 – und nicht mit 4:0 oder 5:0, was zweifellos ein angemesseneres Zwischenresultat gewesen wäre. In der 12. Minute hatte Assalé seine fantastische Sprungkraft demonstriert und nach herrlicher Flanke Kevin Mbabus mit dem Kopf das 1:0 erzielt. Der 167 Zentimeter grosse Ivorer schlich sich dank geschicktem Laufweg zwischen die St. Galler Innenverteidiger und schraubte sich bemerkenswert hoch in die Luft.

Trotz der vielleicht besten Halbzeit in dieser Saison wartete auf YB also eine möglicherweise unangenehme Fortsetzung der Begegnung. Zumal St. Gallen immer noch auf den kompletten Personalbestand zählen durfte. Neben Aratore hätte auch Nicolas Lüchinger für zwei wüste Foulspiele an Michel Aebischer und Sulejmani jeweils die Rote Karte sehen müssen. Der Rechtsverteidiger wurde nur einmal verwarnt und holte dabei erst noch eine Gelbe Karte gegen Sulejmani heraus. Der Serbe hatte sich vehement über das brutale Tackling Lüchingers beschwert.

Viele YB-Fans dürften den Cup-Viertelfinal im März gegen Winterthur aus der Challenge League aus ihrem Gedächtnis gestrichen haben. Erinnerungen daran aber kamen am Donnerstag angesichts des fast identischen Spielverlaufs bald auf. Damals hatte YB 2:0 geführt, Winterthur aus dem Nichts zwischen der 61. und 66. Minute zwei Tore geschossen – und im Elfmeterschiessen gewonnen.

Erstmals seit 2009 im Halbfinal

Am Donnerstagabend retteten sich die Young Boys über die Zeit. Und erreichten erstmals seit 2009 den Cup-Halbfinal. «Wir haben eine sehr starke Leistung gezeigt», sagt Adi Hütter. «Leider versäumten wir es, das Spiel frühzeitig zu entscheiden.» Mit dem souveränen Super-League-Tabellenführer YB steht der österreichische Trainer nun vor einem richtig reizvollen Frühling.

Nicht nur in der Meisterschaft. Sondern tatsächlich auch im Cup.

Berner Zeitung

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