YB-Geldgeber Andy Rihs ist tot

Milliardär, Sportfan, Wirtschaftsboss: Der Zürcher Andy Rihs ist nach schwerer Krankheit 75-jährig verstorben.

Andy Rihs ist 75-jährig verstorben.(Video: Tamedia, Keystone, BZ)

Der Zürcher Unternehmer Andy Rihs ist am Mittwochabend nach langer Krankheit verstorben. Er litt an Leukämie und wurde 75 Jahre alt. Im Beisein seiner Familie starb er in der Klinik Susenberg in Zürich. Den Stäfner Hörgerätehersteller Phonak (später Sonova) führte er von 1966 bis 2011. Bis zuletzt blieb er Grossaktionär der Firma.

Vor allem war Andy Rihs ein Sportfan und Sportförderer. Zusammen mit seinem Bruder Hansueli war der Selfmade-Milliardär Besitzer der Young Boys. 2005 stieg das Brüderpaar beim Berner Sportclub ein und erhöhte seither die Beteiligung laufend.

Mehr als 50 Millionen Franken investierten die beiden seither – mit bislang bescheidenem sportlichem Erfolg. Auf seine finanziellen Engagements im Sport angesprochen, sagte er dem «Tages-Anzeiger» einmal trotzig: «Ich kanns mir bis ans Ende meiner Tage leisten.» Wichtiger sind ihm die Emotionen, die er durch den Sport erfahren durfte. Dass er nun, nach vielen 2. Plätzen der Berner, den wahrscheinlichen YB-Meistertitel nicht erleben darf, ist deshalb eine weitere tragische Note seines Todes.

Dopingfälle führten zum Aus

Die Leidenschaft des stets gut gelaunten und unkomplizierten Zürchers galt jedoch dem Radsport. Die spektakulärsten Pässe der Tour de France erklomm er regelmässig selber. 2000 stieg er mit seiner Phonak-Gruppe mit einem Rennstall in die höchste Kategorie ein. Die Equipe wurde aber durch zahlreiche Dopingfälle erschüttert. Der Tiefpunkt kam 2006, als Phonak-Leader Floyd Landis nach seinem Gesamtsieg an der Tour de France überführt wurde, der Sieg wurde aberkannt. Als Konsequenz zog Rihs das Team Ende Jahr zurück.

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2007 wagte Rihs als Besitzer der Fahrradmarke BMC einen neuen Versuch. Er finanzierte den zunächst kleinen amerikanischen Rennstall BMC Racing Team. Später wuchsen die Ambitionen, und 2011 gewann BMC dank Cadel Evans die Tour de France sowie 2012 durch Philippe Gilbert den Strassen-WM-Titel. Ansonsten waren Erfolge rar, das Team verschlang vor allem viel Geld. Nachdem seine Krankheit ausgebrochen war, zog sich Rihs zunehmend zurück und war kaum noch an Rennen zu sehen. Das Team selbst ist noch heute aktiv.

2016 holte er zusammen mit dem damaligen Berner Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät die Tour de France nach Bern. Auch hinter dem Velodrome in Grenchen war er treibende (und finanzierende) Kraft, das 2013 eröffnet wurde.

Ein Hotel in der Provence

Andere Hobbys pflegte der Vater zweier erwachsener Söhne von seinen Wohnsitzen in der Schweiz und in der Provence aus ebenso hingebungsvoll. So betrieb er im Örtchen Gargas im Département Vaucluse das Landhotel La Coquillade. Die vornehme Herberge ist vor allem auch bei Velotouristen beliebt.

Ausserdem kümmerte sich Rihs auch aus der Distanz um sein Weingut in Neuseeland und eine Rinderfarm in den Vereinigten Staaten.

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