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YB siegt einmal mehr spektakulär

Und wieder gewinnt YB 4:3, diesmal in Sitten. Die überragenden Jean-Pierre Nsame und Pajtim Kasami treffen dreimal, Roger Assalé gelingt das Siegtor.

Die Erlösung: Nach drei Toren von Jean-Pierre Nsame trifft Roger Assalé zum 4:3 für YB.
Die Erlösung: Nach drei Toren von Jean-Pierre Nsame trifft Roger Assalé zum 4:3 für YB.
Pascal Müller (Freshfocus)

Christian Constantin hat Mitte der zweiten Halbzeit längst seinen Tribünenplatz verlassen und steht hinter der Trainerbank auf einer Art Kommandobrücke. Der Sion-Präsident gestikuliert, schreit, dirigiert ein paar Meter hinter Mal-wieder-Interimscoach Christian Zermatten im grauen, bestimmt sehr teuren Wintermantel. Unten auf dem Rasen ist sein kriselnder FC Sion gerade dabei, dem Meister ein Bein zu stellen.

3:3 ist der Spielstand. Zwischen Sion und YB. Und im Privatduell zwischen Pajtim Kasami und Jean-Pierre Nsame, den überragenden Figuren des packenden und fehlerhaften und genau deswegen äusserst unterhaltsamen Nachmittags im Tourbillon. Constantin und Sion streben den Sieg an, aber es sind – natürlich – die Young Boys, die das letzte Wort haben. Nach einer herrlichen, rasanten Kombination unter Anleitung von Michel Aebischer ist es Roger Assalé, dem eine Viertelstunde vor Spielende der entscheidende Treffer gelingt.

Elf Gegentore in vier Spielen

Und so gewinnen die Young Boys im ersten Spiel nach der Länderspielpause 4:3 – wie in der letzten Begegnung vor dem zweiwöchigen Unterbruch im Spitzenkampf gegen St. Gallen. «Das war grosse Unterhaltung für die Zuschauer», sagt YB-Trainer Gerardo Seoane, «und solange wir am Ende ein Tor mehr als der Gegner erzielt haben, stimmt das für uns. Aber es gab schon ein paar Dinge, die nicht ideal waren.»

In den letzten vier Super-League-Partien hat YB nun elf Tore erhalten, das ist die Bilanz eines Abstiegskandidaten. Der Meister aber ist direkt und hoch attraktiv unterwegs Richtung Titelverteidigung. Weil Basel am Samstag bei Aufsteiger Servette verlor, beträgt der Vorsprung auf den Verfolger vor dem Gipfeltreffen am Sonntag beim FCB vier Punkte. Auch deshalb spricht Captain Fabian Lustenberger von einem gelungenen Wochenende: «Und nimmt man drei Punkte mit, ist es auch in Ordnung, wenn nicht alles perfekt läuft.»

Kasami kontert YB-Topstart

Dabei deutet im Tourbillon vorerst wenig auf eine Begegnung mit derart viel Drama hin. Nsame erzielt in den ersten 140 Sekunden zwei Tore für die Young Boys, und weil der FC Sion im November 2019 wie so oft im hausgemachten Chaos versinkt, könnte das bereits die frühe Entscheidung bedeuten.

Am Sonntagnachmittag aber hat offenbar der Circus Maximus zur Sondervorstellung geladen. Denn speziell ist an diesem Tag nicht nur eine 2:0-Führung nach zweieinhalb Minuten. Unerwartet ist auch das Aufbäumen Sions unter der Regie des spielstarken Bastian Toma und des treffsicheren Kasami. Dieser ist es, der Mitte der ersten Halbzeit in etwas weniger als eineinhalb Minuten ebenfalls zweimal reüssiert und die defensiven Mängel des Leaders offenlegt. Beim 1:2 macht YB-Linksverteidiger Ulisses Garcia eine schlechte Figur, zuerst mit Ballverlust und später mit Stellungsfehler. Und beim 2:2 stehen die unsicheren Innenverteidiger Frederik Sörensen und Cédric Zesiger mit Patzern Pate.

Weil die Young Boys in diesem Herbst aber fast nie um eine Antwort verlegen sind, schlagen sie sofort zurück. Der FC Sion ist nach dem Doppelschlag derart euphorisiert, dass er sich nach einem Eckball einen Konter in personeller Unterzahl einfängt, den Nsame mit einem Ballwegschlagen einleitet und 15 Sekunden später 90 Meter entfernt nach einem starken Pass Assalés abschliesst.

Dieses 3:2 für YB steht exemplarisch für eine Begegnung am Rande des Wahnsinns. Mit Pannen und Aussetzern einerseits, Klasse und Kreativität andererseits. Und das alles auf einem schwierig zu bespielbaren Terrain. «Es war für die Abwehrspieler nicht einfach», sagt YB-Sportchef Christoph Spycher, «das hat man immer wieder gesehen.»

Nun gegen Porto und in Basel

Auch nach der Pause jedenfalls erspielen sich beide Teams ausgezeichnete Gelegenheiten, es geht hin und her und her und hin, ein 5:5 wäre längst möglich, 16:16-Schüsse sind es am Ende. Einen der 32 Versuche verwandelt Kasami in der 69. Minute zum 3:3. Der erneute Ausgleich wird erst nach dreiminütiger VAR-Konsultation gegeben, nachdem eine Abseitsposition Kasamis angezeigt worden ist.

Kasami - Nsame also endet 3:3, die Young Boys aber siegen 4:3. Weil sie ein Spürchen besser und stabiler sind. Und weil sie ihren vielleicht schönsten Angriff der bisherigen Saison beim Siegtor Assalés präsentieren. «Das war herausragend gespielt», sagt Sions Kasami. «Und leider haben wir in dieser Situation nicht entschlossen genug verteidigt.»

Es ist diese fehlende Souveränität beider Abwehrreihen, die zum Sieben-Tore-Spektakel beiträgt. Und trotz Höhenflugs zu einigen Fragezeichen bei den Young Boys vor den zwei grossen Begegnungen am Donnerstag in der Europa League im ausverkauften Stade de Suisse gegen den FC Porto und drei Tage später in Basel. «Ich mache mir keine Sorgen», sagt Trainer Seoane, «weil wir schon bewiesen haben, stark verteidigen zu können.»

Das findet auch Captain Lustenberger, der darauf hinweist, dass Fussball ein Ergebnissport ist. «Und unsere Resultate stimmen.» YB ist weiter Erster in Liga und Europa League. Und hat dank den Rückkehrern Guillaume Hoarau und Christopher Martins, die in Sion nach langer Verletzungspause eingewechselt werden, für den Endspurt im Jahr 2019 auch zwei erstklassige Alternativen mehr zur Verfügung.

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