YB ist aus dem Tritt geraten

Und weg ist die vorzügliche Ausgangslage. Innerhalb von sieben Tagen hat YB den Vorsprung von sieben Punkten auf Verfolger Basel fast eingebüsst. Nach dem 1:1 gegen GC beträgt die Reserve nach 18 Runden noch zwei Punkte.

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Peter Berger@PeterBerger67

YB powerte, YB kam zu Chancen, YB drückte die Grasshoppers praktisch in den eigenen Strafraum zurück. Die Zürcher konnten sich während einer Viertelstunde kaum einmal aus der ei­genen Platzhälfte lösen. Auf der rechten Seite preschte Kevin Mbabu zum x-ten Mal unwiderstehlich und mit hohem Tempo nach vorne.

Der 22-jährige Rechtsverteidiger umdribbelte mit dem Ball am Fuss gleich drei GC-Akteure und drosch den Ball unhaltbar unter die Latte.Die Viertelstunde nach der Pause war etwas vom Besten, was YB in diesem erfolgreichen Halbjahr gezeigt hat.

Doch am Ende fühlten sich die Berner nach dem 1:1 gegen die Grasshoppers, die zuvor zweimal verloren hatten und torlos geblieben waren, eben doch als Verlierer.

Miserable erste Halbzeit

Denn so berauschend die Gast­geber unmittelbar nach der Pause losstürmten, so schlecht waren sie vorher gewesen. «Die erste Halbzeit war schon fast eine Frechheit von uns. Wir waren elf Einzelspieler, GC hat uns ‹ausgekügelt›. So gewinnen wir keinen Blumentopf», sprach Christian Fassnacht Klartext. Eine deutliche Ansprache hatte in der Pause auch Adi Hütter gewählt.

«Ich war sauer», gab der Österreicher unumwunden zu. Dazu hatte der Trainer allen Grund. Nach der ungenügenden Leistung vor einer Woche im Derby gegen Thun (1:3) hatte sich sein Team im negativen Sinne noch gesteigert. Der Auftritt gegen die Zürcher war vor dem Seitenwechsel blamabel, auch wenn die Start­minuten passabel waren. Einzig Mbabu war ein Aktivposten. Er muss von der Kollektivschelte ausgenommen werden.

«Wir verloren die Aggressivität. Dazu überraschte uns GC mit dem Führungstor», meinte Mbabu bei der Suche nach Gründen für die erste Halbzeit. Aber eigentlich war ein derart schlechter Auftritt für einen Leader unerklärlich. Zumal in Betracht gezogen werden musste, dass GC-Trainer Murat Yakin quasi eine Boygroup ohne eigentlichen Stürmer aufs Feld geschickt hatte.

Doch seine Jungen überzeugten: Nach einem Ballverlust der Berner – Roger Assalé war Thorsten Schick im Weg gestanden – bediente der 18-jährige Petar Pusic den 19-jährigen Nikola Sukacev. Und der Zürcher erzielte nach 35 Minuten in seinem ersten Super-League-Spiel gleich sein erstes Tor. «Der Einstand von Sukacev ist erfreulich. Schön, wenn man im eigenen Nachwuchs solche Spieler hat», sagte Yakin mit einem Lächeln.

In der zweiten Halbzeit ge­rieten seine Schützlinge indes arg ins Straucheln. Und dennoch fehlte wenig, und Yakin hätte mit den Hoppers drei Punkte aus Bern entführt. In der 90. Minute lenkte der eingewechselte Albion Avdijaj einen Freistoss an den Pfosten. «Wir können jedoch mit dem einen Punkt beim Leader zufrieden sein», meinte Yakin abschliessend.

Müde Young Boys

Dem hielt Hütter entgegen: «Mit dem Resultat kann ich nicht zufrieden sein.» Nach der fehlenden «Leidenschaft und Mentalität» vor der Pause hat dem YB-Trainer aber nachher die Reaktion mit dem «unglaublichen Powerplay» gefallen. Obwohl der Vorsprung auf Basel innerhalb einer Woche um fünf auf zwei Punkte geschrumpft ist, wollte Hütter nicht alles negativ sehen: «Fakt ist, dass wir bei Halbzeit der Saison Erster sind. Wir dürfen stolz sein. Dass wir den Atem von Basel im Nacken spüren, ist normal, schliesslich hat der FCB eine gute Mannschaft, die um den Titel mitspielt.»

«Fakt ist, dass wir bei Halbzeit der Saison Erster sind. Dass wir den Atem von Basel im Nacken spüren, ist normal, schliesslich hat der FCB eine gute Mannschaft, die um den Titel mitspielt.»YB-Trainer Adi Hütter

Und Mittelfeldspieler Fassnacht hielt fest: «Wir haben in dieser Woche einiges falsch ­gemacht. Das schmerzt. Aber wenn wir Ende Saison noch einen Punkt vorne liegen, ist das alles egal.»

Um das erreichen zu können, müssen sich die Berner in der Winterpause gut erholen. Selbst Dauerläufer Mbabu gestand: «Es war unser 32. Spiel. Persönlich habe ich in meiner Karriere in fünf Monaten noch nie 28 Partien bestritten. Ich bin schon etwas müde. Doch vor der Pause wollen wir zum Abschluss des Jahres mit einem Sieg in Luzern noch un­bedingt unseren Vorsprung verteidigen.»

Berner Zeitung

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