Zum Hauptinhalt springen

YB spielt wie im Rausch

Die Young Boys bleiben in der Super League verlustpunktlos. Beim 3:0 gegen Lausanne nutzt Leonardo Bertone die Bewährungschance und wird zum Matchwinner. Seine Lage ist sinnbildlich.

Der wirblige Roger Assalé im Duell mit Ex-YB-Verteidiger Alain Rochat.
Der wirblige Roger Assalé im Duell mit Ex-YB-Verteidiger Alain Rochat.
Christian Pfander
Perfekte Schusstechnik von Leonardo Bertone: Der Mittelfeldspieler trifft gleich zweimal aus der Distanz.
Perfekte Schusstechnik von Leonardo Bertone: Der Mittelfeldspieler trifft gleich zweimal aus der Distanz.
Christian Pfander
Vor dem Spiel wird der ehemalige Berner Alain Rochat von YB-Sportchef Christoph Spycher verabschiedet.
Vor dem Spiel wird der ehemalige Berner Alain Rochat von YB-Sportchef Christoph Spycher verabschiedet.
Christian Pfander
1 / 13

Es ist eine Szene, die das Trainerherz zum Lachen bringt. Gegen Lausanne ist eine Viertelstunde gespielt, in der das Heimteam schwer in die Gänge gekommen ist. Aus dem Spiel will wenig ­gelingen, umso wichtiger sind Standardsituationen: Der Berner Flügel Yoric Ravet führt einen Corner kurz aus, spielt einen Doppelpass mit Miralem Sulejmani, leitet den Ball direkt zur Mitte, wo Leonardo Bertone aus dem Rückraum gelaufen kommt und rechts ins Toreck trifft.

Eine ausgeklügelte Eckball-Variante bringt YB die Führung durch Bertone ein. Quelle: SFL

Es ist ein wunderbares Tor, entstanden auf der Taktiktafel, initiiert von Assistenzcoach Harald Gämperle, der bei YB unter anderem dafür zuständig ist, solche Situationen auszuhecken.

«Wir begannen träge, deshalb war dieses Tor enorm wertvoll», sagt Trainer Adi Hütter. Und Lausanne-Coach Fabio Celestini meint: «Nach dem ersten Gegentreffer haben wir nicht mehr existiert. YB war in allen Bereichen überlegen.»

Sechs Minuten nach dem Führungstreffer spielt Bertone vor der Strafraumgrenze einen Doppelpass mit Ravet, er zieht erneut direkt ab, trifft erneut sehenswert. Es ist der erste Doppelpack des 23-Jährigen für YB. Und ein umfangreiches Bewerbungsdossier für einen Platz in der Startaufstellung am Mittwoch im Derby gegen Thun. Der Titel: Ich, der Matchwinner.

Bertones zweiter Streich: Wieder trifft der Mittelfeldspieler per Weitschuss. Quelle: SFL

Bertones Ehrgeiz

Die Lage von Leonardo Bertone sagt viel über die Qualität im Kader der Gelb-Schwarzen aus. In den drei grossen Partien dieser Saison, gegen Basel und zweimal Kiew, blieb ihm jeweils nur der Platz auf der Ersatzbank. Entweder war ihm das aufstrebende Eigengewächs Michel Aebischer vorgezogen worden oder der ebenfalls junge und hoffnungsvolle Djibril Sow. Bertone, der in den letzten beiden Jahren zu den meist eingesetzten YB-Akteuren gezählt hatte, musste sich gedulden, auf die Zähne beissen, weiterarbeiten.

«Ich bin sehr ehrgeizig», sagt Bertone. Und: «Es ist nicht einfach, wenn man zuschauen muss. Aber wir haben viele Partien, da braucht es jeden.» Vor Wochenfrist zeigte Bertone gegen GC eine starke Leistung, gegen Lausanne doppelte er nach – wortwörtlich. «Ich hab mich über seine Darbietung sehr gefreut», sagt Hütter. Ein Rotationsspieler der die Partie entscheidet – da lacht das Trainerherz ebenfalls.

Hütters Händchen

Adi Hütter scheint derzeit nichts falsch machen zu können: Vor dem dritten Meisterschaftsspiel war gemeinhin erwartet worden, dass der Österreicher gegen Lausanne dem einen oder anderen Akteur eine Gelegenheit geben würde, der bisher gar nicht gespielt hatte. Etwa Innenverteidiger Marco Bürki, von dem es aus Klubkreisen hiess, er sei nahe am Team.

Doch Hütter rotierte konservativ, vollzog nur drei Rochaden. Auf Positionen, auf denen er bereits gewechselt hatte, die Innenverteidigung bildeten wie bisher immer Kasim Nuhu und Captain Steve von Bergen. Mit einer erneut souveränen Darbietung, der dritten zu null in der Super League, gaben die beiden dem Trainer recht. Wie auch die restlichen Akteure, die sich bisher über viel Einsatzzeit freuen dürfen.

Da ist der rechte Verteidiger Kevin Mbabu, der beim 3:0-Sieg zwar nicht ganz so stürmisch agierte wie noch gegen Kiew, aber dennoch überzeugte. Da ist Yoric Ravet, der beide Tore vorbereitete und seine bisher beste Darbietung der Saison zeigte. Da ist Torjäger Guillaume Hoarau, der mit jeder Partie besser in Fahrt zu kommen scheint. Gegen Lau­sanne traf er zum zweiten Mal in Folge, erneut per Penalty. Der französische Stürmer hätte gut und gerne zwei, drei weitere Treffer erzielen können, in der Schlussphase landete sein Kopfball an der Latte.

Guillaume Hoarau verwertet den Elfmeter souverän zum 3:0. Quelle: SFL

Und da ist der unermüdliche Roger Assalé, die prägende Figur der ersten Wochen, der mit Bissigkeit und ­Tempo die Verteidiger zermürbt. Gegen die Waadtländer traf der Ivorer mit einem satten Distanzschuss den Pfosten. Und er holte wie schon gegen ­Kiew einen streitbaren Penalty heraus. Einziges Manko: Assalé wartet immer noch auf sein erstes Saisongoal. «Mir ist lieber, trifft er dann mal, wenn es hapern sollte», sagt Hütter.

Absehbar ist dies derzeit allerdings nicht. Im Stade de Suisse agierten die Young Boys bisher dreimal dominant, am Mittwoch folgt das Heimspiel gegen die punktelosen Thuner. «Es läuft uns momentan sehr gut», sagt Leonardo Bertone. «Aber wir müssen mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.» Das ist derzeit gar nicht so einfach.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch