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Assalés Transfer und die Folgen für YB

YB-Stürmer Roger Assalé dürfte in dieser Winterpause nach Spanien wechseln. Der Transfer zu Leganés steht kurz bevor. Sein möglicher Nachfolger trainiert schon bei den Young Boys.

Stürmer-Rochade? Einen Spielertyp wie Roger Assalé hat YB nicht.
Stürmer-Rochade? Einen Spielertyp wie Roger Assalé hat YB nicht.
Freshfocus

Der 31. Januar wird ein hektischer Fussballtag. Am Freitag endet das Transferfenster für internationale Wechsel in den meisten Ländern, dementsprechend viele Gerüchte und Transfers gibt es.

Auch YB ist betroffen: Jean-Pierre Nsame wird dabei kaum, wie spekuliert wird, zu West Ham nach England wechseln. Aber Roger Assalé dürfte mit allergrösster Wahrscheinlichkeit zu CD Leganés gehen. Der Stürmer wurde am Donnerstag vom Trainingsbetrieb freigestellt, um in Spanien zu verhandeln. Und die beiden Clubs standen am späten Donnerstagabend nach komplizierten Gesprächen kurz vor einer Einigung.

Der Wert Assalés wird auf 5 bis 6Millionen Franken beziffert, vielleicht gibt es einen leihweisen Wechsel mit einer obligatorischen Kaufoption im Sommer. «Der Transfer ist noch nicht fix», sagt Christoph Spycher. Der YB-Sportchef betont, Assalé habe sich in den letzten Wochen immer korrekt verhalten, aber es sei der Wunsch des Angreifers, mit 26Jahren in eine grosse Liga zu gehen.

Und Spycher hatte mit Assalé wie mit allen Akteuren im Kader einen Karriereplan aufgestellt – und dabei den Weg zu einem grösseren Verein in Aussicht gestellt. «Es war immer klar, dass er seine Karriere nicht bei YB beenden wird», sagt Spycher.

Eher merkwürdige Clubwahl

Wobei sich ja die Frage stellt, ob Leganés für Assalé wirklich ein Aufstieg bedeutet. Die Primera Division ist natürlich viel grösser als die Super League, der Lohn dürfte höher sein. Aber der Ivorer tauscht das Meisterrennen mit dem Abstiegskampf ein. Der spanische Kleinclub Leganés liegt nach 21 Runden auf Rang 19 und hat wie der Letzte Espanyol erst 15 Punkte auf dem Konto.

Bis vor kurzem hiess es, Montpellier sei die nächste Station Assalés. Alle Verantwortlichen des französischen Vereins meldeten sich regelmässig beim Spieler, gegenüber den Young Boys aber liessen sie ihren Worten nicht jene Taten folgen, welche YB von einem Deal überzeugt hätten. Es gab keine finanzielle Lösung.

Assalé wäre für YB nur schon deswegen ein Verlust, weil es im Kader keinen anderen Spielertypen wie den wirbligen, dribbelstarken Stürmer gibt. In 129 Pflichtspielen steuerte Assalé 75 Scorerpunkte bei (44 Tore, 31 Assists), er war die ideale Ergänzung zu den kräftigen Guillaume Hoarau und Nsame.

Aber nach drei Jahren in Bern will Assalé die Schweiz unbedingt verlassen. «Wir würden ihn vermissen», sagt YB-Trainer Gerardo Seoane. «Aber wir wissen, wie das Geschäft funktioniert.» Und er habe immer noch sieben Akteure für vier Offensivpositionen im 4-4-2 oder 4-2-3-1-System zur Verfügung.

Immer noch grosse Auswahl

Neben Nsame und Hoarau sind das Sturmhoffnung Felix Mambimbi sowie die vielseitig einsetzbaren Flügelspieler Miralem Sulejmani, Christian Fassnacht, Nicolas Ngamaleu und Marvin Spielmann. Sie alle könnten auch zentraler eingesetzt werden, möglicherweise verbunden mit einer kleinen taktischen Rochade und beispielsweise einer 4-3-3- oder 4-4-1-1-Ausrichtung.

Zudem könnte – falls notwendig – auch Gianluca Gaudino noch offensiver aufgestellt werden. «Wir sind personell sehr gut aufgestellt», sagt Seoane. Auch Spycher betont, dass YB bei einem Abgang Assalés immer noch sehr gut besetzt wäre.

Zumal der mögliche Nachfolger Assalés bereits bei den Young Boys trainiert. Meschack Elia ist seit einiger Zeit in Bern, er würde gerne zu YB wechseln, doch sein Fall ist hochkomplex.

Meschack Elia könnte bei YB die Lücke füllen. Foto: Imago
Meschack Elia könnte bei YB die Lücke füllen. Foto: Imago

Der talentierte Stürmer des kongolesischen Topclubs TP Mazembe, bei dem einst auch Assalé unter Vertrag stand, weilte letzten Sommer zu einem Probetraining bei Anderlecht, tauchte danach auch in Bern auf, wurde aber wegen eines hässlichen Streits mit dem fünffachen afrikanischen Champions-League-Sieger TP Mazembe vom kongolesischen Verband im Herbst für ein Jahr gesperrt.

Elias komplizierte Situation

Elia wird vorgeworfen, mithilfe von Beratern den Pass gefälscht zu haben, damit er beweisen könne, bei der ersten Vertragsunterschrift mit Mazembe noch minderjährig gewesen zu sein. Damit wäre er heute ablösefrei.

Die juristische Sachlage ist kompliziert, längst ist der Weltverband Fifa eingeschaltet. Sobald der 21-fache Nationalspieler Kongos, der je nach Darstellung 23 oder eben 22 Jahre alt ist, die Angelegenheit mit Mazembe geregelt hat, wird er zu YB wechseln. Das kann sich aber hinziehen. Wobei die Young Boys mit Mazembe ebenfalls in Kontakt stehen – zumal der afrikanische Club an Assalés Ablösesumme partizipiert.

Und im Sommer könnte YB in der Offensive vor einem Grossumbau stehen. Die Verträge der Altmeister Hoarau und Sulejmani laufen aus. Nsame, Ngamaleu und Fassnacht wiederum sind dann wie Assalé 26 – und auch reif für einen Wechsel in eine Topliga. «Wir sind entspannt und werden sehen, was alles passiert», sagt Spycher.

Die Young Boys beobachten den internationalen Spielermarkt intensiv – und auch in der Schweiz hat es äusserst interessante Angreifer wie das 20-jährige Lausanner Supertalent Andi Zeqiri, das bereits bei Juventus war.

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