Bern bremst ab, Zugs Meisterexpress rollt

Der SCB beginnt stark und verliert gegen Ende die Nerven. Zug gewinnt in Bern 4:1 und legt in der Finalserie vor.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Der SC Bern und die Auftaktspiele einer Playoff-Serie: Das wird dieses Jahr keine Liebesbeziehung mehr. Zwar gab es am Donnerstag im Startdrittel kurze Anzeichen eines Flirts, doch das Verhältnis kühlte rasch ab – im Gegensatz zu den Gemütern auf dem Eis. Am Ende verlor Bern nach dem 0:2 gegen Genf und dem 2:4 gegen Biel auch die dritte Ouvertüre in eine Serie. Zug gewann 4:1 und hat im Final vorgelegt.

Das Resultat könnte im Titelkampf wegweisend sein. Es ist für die Zuger vor allem in mentaler Hinsicht von hohem Wert. Vor zwei Jahren fehlten ihnen im Playoff-Final gegen den routinierteren SCB die Gelassenheit, die Cleverness, die Aggressivität. Nun haben sie bei erster Gelegenheit ein Zeichen gesetzt, demonstriert, dass sie einen Schritt weiter sind – und reif genug für den ersten Titel seit 1998? Jedenfalls bleibt Meisterexpress des EVZ in Fahrt.

Der SCB kennt die Situation zwar aus den Serien zuvor, den Heimvorteil sogleich abgegeben zu haben. Doch die Mannschaft von Kari Jalonen steht am Samstag unter erhöhtem Druck. Gelänge den Zugern der zweite Erfolg, könnten die Beine der Berner plötzlich zentnerschwer werden. Sie haben 892 Spielminuten und 40 Sekunden dafür benötigt, sich die Teilnahme am Rendez-vous um den Meisterschaft zu sichern. Keine Mannschaft hat in der Schweizer Playoff-Geschichte länger um den Finaleinzug gekämpft.

Zumindest am Donnerstag war die Vorgeschichte für den Qualifikationssieger kein Nachteil. Er hatte am Dienstag die siebte Partie gegen Biel bestritten, war demnach voll im Rhythmus, derweil Zug sechs Tage lang keinen Ernstkampf hatte. Das erste Drittel stand im Zeichen hoher Intensität. Die Protagonisten steckten ihr Revier ab. An den Banden wurde geackert. Und das Heimteam kombinierte sich in Überzahl auf sehenswerte Weise zum 1:0: Mark Arcobello und Simon Moser lieferten sich einen Zweikampf in der Disziplin «wunderbare Vorarbeit», Jan Mursak vollendete backhand im Slot.

Defensiv gefielen die Berner wie in den zwei Partien zuvor gegen Biel mit konsequenter Arbeit. Sie agierten überlegen, selbst wenn sie bei numerischem Gleichstand im Startdrittel nur vier Schüsse aufs Tor brachten. Einer der Besten war Arcobello, der fast jedes Bully für sich entschied und dem Angriffsspiel etwas Unberechenbarkeit verlieh. In Arcobellos Linie fehlte Thomas Rüfenacht: Der Flügel ist aus privaten Gründen in die USA gereist. Wahrscheinlich kehrt er am Samstag zurück.

Adam Almquists Aussetzer

Im zweiten Abschnitt stellten die Berner ihre Offensivbemühungen vornehmlich ein, der Gast fand Zugriff aufs Spiel. Er spielte geschickt um das Berner Tor herum, versuchte die SCB-Akteure aus den Positionen zu locken und den Riegel vor Leonardo Genoni aufzubrechen. Brian Flynn lenkte einen Schuss von Santeri Alatalo erfolgreich ab. «Nach dem Ausgleich fielen wir aus dem Konzept», sagte Verteidiger Beat Gerber. Tatsächlich rückte SCB-Verteidiger Justin Krueger im falschen Moment in die neutrale Zone und verlor prompt den Puck. Zug profitierte und traf.

Es folgte eine von zwei Szenen, welche die Gemüter zusätzlich erhitzten. Garrett Roe wurde von Gerber am Bein touchiert und liess sich höchst theatralisch fallen. Bestraft wurde der Berner. Dies bewog das Publikum zum Werfen von Unrat, was ähnlich unnötig war wie Roes Schauspiel. Mehr Standfestigkeit bewies der US-Amerikaner in der 47. Minute, als er im Powerplay die Partie entschied. Für den Tiefpunkt sorgte ausgerechnet einer, der, wenn überhaupt, in dieser Saison fast ausschliesslich mit solidem Spiel aufgefallen war. Adam Almquist kanalisierte den Frust in einem Check gegen den Kopf Reto Suris. Die Aktion dürfte Sperren nach sich ziehen.

Sie war der wüste Schlusspunkt eines aus Berner Optik unschönen Abends.

Berner Zeitung

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