Die guten Vorsätze sind schon dahin

Das 4:6 der SCL Tigers daheim gegen die ZSC Lions ist die dritte Langnauer Niederlage in Folge.

Zürichs Topskorer Garrett Roe (r.) enteilt Raphael Kuonen.

Zürichs Topskorer Garrett Roe (r.) enteilt Raphael Kuonen.

(Bild: Keystone)

Dominic Wuillemin

Es ist so eine Sache mit Vorsätzen im Allgemeinen und ihrer Umsetzung im Speziellen. Da nimmt man sich etwas vor, voller Entschlossenheit und Überzeugung, und dann vergehen ein paar Wochen, in denen die Hingabe schleichend abnimmt, bis die guten Absichten – sie kennen das vielleicht – dahin sind.

Die Langnauer hatten auch ihre Vorsätze, nicht für das Jahr, sondern diese Saison. Das jedenfalls erzählte Federico Lardi, nachdem die Tigers am Dienstagabend bei Ambri-Piotta 0:2 unterlegen waren. Der routinierte Verteidiger gab preis, dass es eigentlich das Ziel gewesen sei, nie zweimal in Folge zu verlieren. Fünf Partien genügten, diese Absicht zur Makulatur verkommen zu lassen. Und nach der sechsten am Freitag gegen die ZSC Lions rückt dieses Anspruchsdenken sowieso in weite Ferne. Das 4:6 daheim ist ein herber Dämpfer.

Nur ein Zwischenspurt

Es war – zugegebenermassen – eine ambitionierte Vorsatzwahl der Tigers. In etwa so, als wolle ein Kettenraucher den Zigarettenverbrauch über Nacht von vier Päckchen pro Tag auf null re­duzieren. Auch den besten Teams passiert es, dass sie zweimal in Folge verlieren – gerade während einer Qualifikation über 50 Spiele, in der die einzelne Be­gegnung an Bedeutung verliert. Mit jedem weiteren Verlust allerdings nimmt die Aussergewöhnlichkeit zu, steigt der Druck zu reagieren. Sollten die Tigers auch heute bei Rapperswil-Jona verlieren, wäre der Fehlstart Tatsache.

Wie rasch sich das Blatt doch gewendet hat: Vor einer Woche hatte Tigers-Trainer Heinz Ehlers nach dem 5:3 gegen Zug vom wohl besten Spiel in seiner Zeit als Langnau-Coach gesprochen. «Es bringt nichts, sich in der Vergangenheit aufzuhalten», sagt Verteidiger Larri Leeger zu den drei Niederlagen in Folge. «Wir müssen dieses Spiel analysieren und es dann besser machen. Mit nur 90 Prozent Leistung reicht es nicht.»

Dabei schien die Ilfishalle der richtige Ort für die Kurskorrektur, ihre zwei Saisonsiege hatten die Emmentaler daheim gefeiert. Und als die ZSC Lions nach Ablauf der Startviertelstunde durch Denis Hollenstein in Führung gingen, gaben die Tigers ein Müsterchen ihrer Heimstärke ab. Der wieder genesene Robbie Earl vergab noch aus kurzer Distanz, doch mit Anbruch der letzten 30 Sekunden kam Langnau gleich zu vier Abschlüssen. Die ganze Entschlossenheit kam im Tor Chris DiDomenicos zusammen, der den Puck via den Oberschenkel von ZSC-Goalie Lukas Flüeler ins Tor drückte. Und beinahe hätte Earl die Partie gar noch vor der Drittelspause gedreht. Es war eine eindrückliche Antwort.

Kuonens Resultatkosmetik

Wer dachte, es gehe in diesem Stil weiter, der sah sich getäuscht. Irgendwo zwischen Kabine und Eisfeld büssten die Tigers an Schwung ein. Die Gäste bekamen das Spiel vor 5407 Zuschauern unter Kontrolle. Begünstigt durch ihren Doppelschlag: Pius Suter sowie Tim Berni erhöhten vor Spielmitte innert zwei Minuten auf 3:1. Und hätten Hollenstein und Bodenmann vor Goalie Damiano Ciaccio, der diesmal den Vorzug vor Ivars Punnenovs erhielt, nicht nonchalant kombiniert, den Tigers wäre wenig später womöglich schon der Zahn gezogen gewesen. So aber lebte die Hoffnung.

Zumal die Zürcher schon gegen Zug und Rappi einen Zwei­torevorsprung verspielt hatten. Doch als die Tigers nach Maxim Noreaus 4:1 in doppelter Überzahl durch ihren besten Spieler DiDomenico noch einmal verkürzten, setzte der ZSC den Langnauer Ambitionen innert Sekunden ein Ende. Garrett Roe und erneut Suter stellten auf 6:2, die zwei Treffer von Raphael Kuonen waren Resultatkosmetik. «Das Gute an Doppelrunden ist», sagt Leeger, «dass man sogleich die Möglichkeit hat, die Fehler zu korrigieren.»


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