Ein Geknorze mit Unterhaltungswert

Der SC Bern müht sich im ersten Saisonspiel gegen den Aussenseiter Rapperswil während zweier Drittel ab. Dank einer erstklassigen Leistung der ersten Linie reüssiert der Titelverteidiger 6:3.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Es war Meisterschaftsauftakt – und der erste Auftritt des Meisters versprach nicht eben ein Meisterstück zu werden. Das hatte zum einen mit dem Wetter zu tun. Eishockeyspieler mögen hohe Temperaturen eher weniger; es sei denn, sie verspüren im Playoff Frühlingsgefühle. Insofern war es eine üble Laune von Petrus, brachte er ausgerechnet gestern den Sommer zurück. Und da war der Gegner, Rapperswil, der die Spieler des SC Bern zuverlässig zu Minimalisten werden lässt. 3:1, 2:1, 2:1, 2:1 und 3:1 – so endeten die letzten fünf Vergleiche; immer zu Berner Gunsten, immer war es ein Geknorze.

Der Begriff lässt sich auch für den ersten SCB-Auftritt in dieser Saison verwenden. Aber immerhin war es ein Geknorze mit Unterhaltungswert. Rapperswil gelang gegen die Berner erstmals seit Januar 2015 mehr als ein Tor, doch der Favorit setzte sich dank starkem Schlussdrittel 6:3 durch und eröffnete den Meisterschaftsparcours 2019/2020 erwartungsgemäss mit dem Sieg.

Temperaturen und Affiche zügelten auch beim Berner Anhang die Lust auf Eishockey. Zum ersten Mal seit fünf Jahren war das erste Saison-Heimspiel nicht ausverkauft. Die anwesenden Zuschauer bereiteten Niklas Schlegel einen warmen Empfang. Der neue Torhüter war in den vergangenen Tagen ein gefragter Mann, er musste Mal für Mal zur grossen Goalietradition in Bern Stellung nehmen – und zu seiner Rolle als Nachfolger des zweifachen Meisters Leonardo Genoni, die er sich vorerst mit Pascal Caminada teilt. Die Aufmerksamkeit war Schlegel gestern jedenfalls gewiss, selbst von Seiten der Gäste, wo sein Vater Tom als Goaliecoach tätig ist.

Viel zu sehen gab es für Schlegel senior vorerst weder von seinem Sohn noch von seinem Schützling Melvin Nyffeler. Die Teams machten die Räume eng, Strafen gab es im Startdrittel keine. Schliesslich traf Ramon Untersander mit einem präzisen Weitschuss; Simon Moser hatte Nyffeler die Sicht versperrt.

Gerber trifft, Jalonen irrt

Das Mitteldrittel sollte um einiges lebendiger werden. Roman Cervenka und der schnelle Kevin Clark waren die Vorboten und kamen nach wenigen Sekunden zu einer guten Möglichkeit. Danach reüssierte Andrew Rowe. In der 35. Minute kam der Moment des Jeremi Gerber. Der 19 Jahre alte Stürmer war wegen der Verletzungen von Marc Kämpf und Matthias Bieber sowie der Abwesenheit Tristan Scherweys (NHL-Camp in Ottawa) in die Mannschaft gerutscht.

Prompt kam Gerber zu seinem ersten Tor in der höchsten Liga. Zu den Gratulanten gehörte Coach Kari Jalonen. Die Miene des Finnen verfinsterte sich in den Folgeminuten. Rapperswil glich aus, Jalonen nahm die Coaches Challenge. Ein Offside lag aber nicht vor, weshalb getreu dem neuen Reglement gegen das Heimteam eine Bankstrafe ausgesprochen wurde. Die Gäste profitierten – 2:3.

Beim Titelverteidiger kam vorab die Linie um Jan Mursak nicht auf Touren. Doch Bern stellt auch diese Saison eine Mannschaft, bei der drei Linien jederzeit für die Differenz sorgen können. Gestern übernahm der erste Sturm diese Rolle: Mark Arcobello, Moser und Thomas Rüfenacht totalisierten neun Punkte.

Goldene Erinnerung

«Es war ein nervöser Tag für mich. Ich bin zufrieden, haben wir gewonnen. Und ich bin froh, ist dieses erste Spiel vorbei.»Niklas Schlegel

Und Niklas Schlegel? Der sagte mit einem Schmunzeln: «Es war ein nervöser Tag für mich. Ich bin zufrieden, haben wir gewonnen. Und ich bin froh, ist dieses erste Spiel vorbei.» Während er sprach, hatte sich die imposante Stehrampe bereits geleert. Auf den Betontritten blieb ein Teil der Choreografie übrig, eine letzte Reminiszenz an den Frühling. In grossen, goldenen Lettern stand geschrieben: Meister!


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