«Ich brauche keine Ferien»

SCB-Trainer Kari Jalonen greift an der WM in der Slowakei dem deutschen Nationalcoach Toni Söderholm unter die Arme – mit Erfolg.

Wie die Schweizer ist Kari Jalonen mit den Deutschen gut ins Turnier gestartet.

Wie die Schweizer ist Kari Jalonen mit den Deutschen gut ins Turnier gestartet.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Reto Kirchhofer@rek_81

Kari Jalonen, helfen Sie uns: Sind Sie nun Berater, Assistenztrainer oder eine Art Supervisor beim Deutschen Nationalteam?

Der Begriff «Senior Advisor» gefällt mir. Oder Mentor. Mentor ist noch besser. Als Toni Söderholm im letzten Dezember in Deutschland zum Headcoach ernannt wurde, bat er mich um Unterstützung. Er fragte, ob ich mir vorstellen könne, ihm später an der WM zu helfen. Nach dem Playoff mit Bern habe ich bei unserer sportlichen Führung angefragt, ob das möglich sei. Sportchef Alex Chatelain sagte: «Es sind deine Ferien, das musst du entscheiden.» Ich sagte: «Ich habe vier Wochen Ferien – was soll ich sonst tun?» Nun bin ich da. (lacht)

Welche Aufgaben übernehmen Sie?

Ich bin immer da, wenn Toni mich braucht. Wir diskutieren über die Spiele, das Programm, den Ablauf, die Trainings. Ich mache für ihn auch Scouting, beobachte die Gegner. Während der Partien bin ich auf der Tribüne, nicht etwa in der Garderobe. Ich geniesse das. Ich verfolge die Spiele aus anderem Blickwinkel. Ich mache Beobachtungen und Erfahrungen, die ich später in meine Arbeit beim SCB einfliessen lassen werde.

Weshalb hat Söderholm Sie beigezogen?

Als ich bei IFK Helsinki als Trainer arbeitete, war Toni mein Captain. Später wurde er von Ville Peltonen abgelöst. Toni und ich stehen seither in engem Kontakt. Es ist immer eine Freude, ihn zu sehen. Ich hoffe, ich kann ihm helfen.

Deutschland hat die ersten vier Spiele gewonnen. Die Zusammenarbeit scheint zu funktionieren.

Mir gefällt, dass Toni alle Steine umdreht, vieles hinterfragt. Er und Ville Peltonen stehen für eine gute Zukunft finnischer Hockeytrainer.

Auch die Deutschen scheinen eine gute Zukunft zu haben. Der 18 Jahre junge Verteidiger Moritz Seider etwa dürfte im nächsten NHL-Draft früh gezogen werden.

Oh ja, dieser Junge ist wirklich gut. Die Deutschen waren ein Team aus disziplinierten Arbeitern. Nun kommt eine neue Generation, die ungemein talentiert, kreativ und schnell auf den Schlittschuhen ist. Altes und Neues – Toni bringt diese zwei Elemente zusammen.»

Als Schweizer sind wir primär mit der Gruppe in Bratislava vertraut. Was können Sie uns über die Leistungen der Teams in Kosice sagen?

Die USA und die Kanadier haben noch nicht ihr bestes Eishockey gezeigt. Sie spielen okay, aber nicht exzellent. Beide werden im Verlauf des Turniers wachsen. Die Finnen und die Deutschen haben punkto Effort und Teamgeist den besten Eindruck hinterlassen. Die Slowakei kann auf die Unterstützung ihrer verrückten, tollen Fans zählen. Aber sie hat gegen Kanada und Deutschland in der Schlussphase wichtige Punkte abgegeben. Das wird schwierig. Dänemark könnte mit einem Sieg am Donnerstagabend gegen Finnland die Wende herbeiführen. Frankreich hat nach 16 Jahren mit Dave Henderson einen neuen Coach (Philippe Bozon, die Red.). Dort wird etwas Neues aufgebaut. Diese WM kommt für die Franzosen zu früh. Und für Grossbritannien wird es ein kurzer Aufenthalt in der A-Gruppe sein: Die Briten werden mit Sicherheit absteigen.

Und was macht Kari Jalonen nach der WM?

Ich werde direkt zurück nach Bern reisen. Dort geht es für uns unmittelbar nach dem Ende der WM sogleich wieder an die Arbeit. Ich brauche keine Ferien.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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