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Kleiner Traum, kleiner Schritt

Der SC Bern tritt beim ersten Meisterschaftsspiel mit einigen Youngsters an. Er dominiert Gottéron und siegt 6:1. Der 19 Jahre alte André Heim gibt sein Debüt auf höchster Stufe. Zwei Assists werden ihm vom Punktekonto gestrichen, der gute Eindruck bleibt.

Auf Augenhöhe mit den Besten: Der 19 Jahre alte Berner André Heim duelliert sich beim Bully mit Gottérons Topskorer Jim Slater.
Auf Augenhöhe mit den Besten: Der 19 Jahre alte Berner André Heim duelliert sich beim Bully mit Gottérons Topskorer Jim Slater.
Christian Pfander

Kari Jalonen schreitet in der Garderobe auf André Heim und Aurélien Marti zu. Die Neulinge, 19 und 23 Jahre alt, werden in wenigen Minuten erstmals in einer Meisterschaftspartie für den SC Bern aufs Eis gehen. «Seid ihr nervös?», fragt der Trainer. Die Youngsters nicken. Jalonen wendet sich an Beat Gerber.

Der 35 Jahre alte Verteidiger steht kurz vor dem Start in seine 15. Saison mit Bern. Er lässt sich gemeinhin durch nichts aus der Ruhe bringen – ausser vielleicht durch Ballermannmusik. «Und du, ‹Bidu›, bist du nervös?», will Jalonen wissen. Gerber verneint. «Seht ihr», sagt der Finne zu den Debütanten, «es gibt überhaupt keinen Grund, nervös zu sein.»

Jalonen und Heim schildern die Szene nach dem 6:1-Erfolg über Gottéron; beide schmunzeln. Heim vermag die Aufregung auch eine Viertelstunde nach Spielende nicht ganz abzustreifen, was verständlich ist: Der Wilderswiler hat soeben seine erste NLA-Partie bestritten, für Meister Bern, in der ausverkauften Postfinance-Arena gegen den Rivalen aus der Zähringerstadt. «Ich hatte weiche Knie», sagt Heim. «Es war ein Riesenerlebnis. Ein kleiner Traum ist in Erfüllung gegangen.» Coach Jalonen sagt: «Die Jungen haben ihre Sache sehr gut gemacht.»

Der Neue SCB-Captain Simon Moser in Aktion.
Der Neue SCB-Captain Simon Moser in Aktion.
Christian Pfander
SCB-Neuling Marc Kämpf (links) attackiert Andrea Glauser.
SCB-Neuling Marc Kämpf (links) attackiert Andrea Glauser.
Christian Pfander
Feurige Atmosphäre in der Postfinace-Arena beim Einlaufen der Spieler.
Feurige Atmosphäre in der Postfinace-Arena beim Einlaufen der Spieler.
Christian Pfander
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Neue Pferde im Stall

Mit Jalonen und den Jungen war es in der letzten Saison so eine Sache. Im Spätherbst erhielt beispielsweise Dario Meyer regelmässig die Gelegenheit, sein Potenzial zu zeigen. Der Angreifer sammelte viel Eiszeit, auch im Powerplay, vermochte spielerisch Akzente zu setzen, zeigte sich defensiv aber anfällig. Er fiel in ein Loch, nach 17 Partien und fünf Punkten aus dem Team. Die Saison setzte Meyer in Visp fort, auf weitere Einsätze im SCB-Dress wartete er vergeblich. Beim Meister gab es kaum mehr Verletzte, und Jalonen sah keinen Grund, die Aufstellung anzupassen. Der Finne ist ein Trainer, der nicht gross experimentiert, sondern am liebsten seine besten Pferde im Stall forciert.

Nun gilt für die Jüngeren: neue Saison, neues Glück – wobei dieses auch vom Verletzungspech einiger arrivierter Kräfte abhängig ist. So erhielten am Samstag neben den Debütanten Heim (19) und Marti (23, vom SC Langenthal ausgeliehen) mit Verteidiger Yanik Burren und Stürmer Meyer (beide 20) zwei weitere Youngsters die Gelegenheit, sich zu zeigen und zu empfehlen. Die Eiszeit für das Quartett bewegte sich zwischen sieben (Heim) und zwölf Minuten (Marti).

Die wohl verantwortungsvollste Rolle kam Heim zu. Er führte den vierten Block als Center. Der Berner Oberländer weiss, was von ihm erwartet wird: «Zuerst an die Defensive denken, dann an den Angriff. Das ist auch mein Credo.» Unmittelbar nach der Partie stand Heim beim Meister gar mit zwei Punkten zu Buche. Die vermeintlichen Zuspiele wurden nach Konsultation der Aufzeichnung vom Verband aber wieder gestrichen.

Beim ersten Tor etwa gelangte der Puck wohl nicht via Heims Stock, sondern vom Schlittschuh eines Gegners zum Torschützen Alain Berger. Für Heim wären die Assists sowieso nur Randnotizen gewesen. «Ich hatte mir vorgenommen, defensiv gut zu spielen. Dass unsere Linie mit einer Plus-1-Bilanz vom Eis ging, macht die Sache noch besser.»

Die «unbeliebte» Position

Die SCB-Verantwortlichen sind im Prinzip seit Jahren auf der Suche nach einem valablen Viert­liniencenter mit Schweizer Pass. «Die Position ist bei den Schweizern offenbar nicht beliebt», sagt Sportchef Alex Chatelain. Wenig Eiszeit, Fokus auf die Defensive: Das klingt nicht eben nach Lockstoff für den Nachwuchs. Die Edellösung für den SCB wäre Morris Trachsler gewesen. Doch der routinierte Mittelstürmer sagte Bern ab und unterschrieb in Kloten. Nun erhält mit Heim ein Junger in dieser Rolle seine Chance – zumindest kurzfristig.

Lars Leuenberger, der im SCB-Nachwuchs gearbeitet hat und nun als Sportstratege tätig ist, sagt: «André ist ein ruhiger Typ mit guter Einstellung. Er passt in diese Rolle, ich traue ihm den Schritt absolut zu.» Neben dem Eishockey absolviert Heim ein Praktikum beim EDA. Er hat sich unlängst zum Ziel gesetzt, bis 2018 in einer der höchsten zwei Ligen Fuss zu fassen – «natürlich am liebsten beim SCB». Diesem Ziel ist er am Samstag einen klitzekleinen Schritt nähergerückt.

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