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Bern gibt wenig, Bern nimmt wenig

Beim 3:0-Erfolg über Zug zeigt sich der SC Bern hinten stabil und vorne verschwenderisch. Und: Stürmer Thomas Rüfenacht lanciert schon mal das heutige Derby in Langnau.

Ein früher, aber seltener Moment der Effizienz: SCB-Topskorer Andrew Ebbett trifft bereits in der zweiten Minute zum 1:0.
Ein früher, aber seltener Moment der Effizienz: SCB-Topskorer Andrew Ebbett trifft bereits in der zweiten Minute zum 1:0.
Keystone

Was haben Eishockey und Eso­terik gemeinsam? Der SC Bern weiss Bescheid. Eine Lehre aus der Esoterik besagt: Wer in Harmonie leben will, muss Geben und Nehmen in der Balance halten. So viel geben, wie man bekommt. So viel annehmen, wie man gibt. Wer dieses Gesetz des Gleichgewichts zwischen Geben und Nehmen missachtet, wird mit Spannungen konfrontiert.

Eben, der SCB weiss offensichtlich Bescheid. Bei ihm gibt es gerade viel Grund zur Harmonie – bei seinen Auftritten gibt er dem Gegner wenig und nimmt seinerseits wenig.

In der Meisterschaft gab er zuletzt den Lausannern kaum Tormöglichkeiten, liess Chance um Chance aus und gewann knapp (2:0). Er wollte nicht mehr nehmen, als er gab. Gegen Genf (1:3) und Biel (2:5) gab er zu viel, weshalb er dafür in Ambri (6:1) etwas mehr nahm. Gegen Zug aber übertrieben es die Berner: Hinten liessen sie kaum Chancen zu, vorne übertrafen sie sich beim Auslassen bester Möglichkeiten. Am Ende siegten sie dennoch 3:0. Die Punkte nämlich, die nimmt der SCB immer gerne.

Dass der Spitzenkampf Zweiter gegen Dritter womöglich nicht halten würde, was er versprach, verriet der Blick auf die Aufstellung. Bei Zug fehlten mit Captain Raphael Diaz sowie den Ausländern Garrett Roe und David McIntyre drei der besten Spieler. Coach Dan Tangnes nutzte die Gelegenheit, gab den jüngeren Kräften Auslauf. So spielte der 21 Jahre alte Fabian Haberstich im ersten Block, der ein Jahr jüngere Yannick Zehnder führte die zweite Linie als Center. Ein gewisser Sven Leuenberger (19) erhielt ebenfalls Eiszeit. Er ist mit dem gleichnamigen, 30 Jahre älteren Berner Meisterspieler und Ex-Sportchef nicht verwandt.

Bühne für Stephan, Shutout für Genoni

Es war ein Vorgeschmack dessen, was beim EVZ dereinst Usus sein soll: Bis 2022 wollen die Zentralschweizer die Hälfte des Kaders mit Akteuren aus dem eigenen Nachwuchs besetzen. Die andere Hälfte soll aus teuren Schlüsselspielern gebildet werden.

Die Partie wurde für einige Zuger zum «Lehrblätz». Den jungen Verteidiger Livio Stadler packte bereits in der zweiten Minute der Leichtsinn: Er spielte den Puck durch die eigene Zone, Eric Blum fing die Scheibe ab, Jan Mursak, Marc Kämpf und Andrew Ebbett nutzten den freien Raum vor dem Tor zum 1:0. Thomas Thiry, ebenfalls Verteidiger, ebenfalls jung, stand mit einem sorglosen Zuspiel am Ursprung einer Berner Topchance, die Alain Berger vergab. Im Mitteldrittel verpassten erneut Berger, Mark Arcobello, Simon Moser, Thomas Rüfenacht und Kämpf, wobei Zugs Torhüter Tobias Stephan den Abschluss von Kämpf im Fallen mit der Schulter über das Tor lenkte.

«Stephan hat einige Pucks auf unglaubliche Weise rausgekratzt», sagte Rüfenacht, «auch wenn er nicht immer wusste, wo die Scheibe wirklich war.» Der Berner Flügel traf im Schlussdrittel mittels Ablenker zum 2:0. SCB-Goalie Leonardo Genoni blieb bereits zum vierten Mal in dieser Saison ohne Gegentor. Rüfenacht relativierte die Überlegenheit: «Zug war personell angeschlagen. Das dürfen wir nicht ausblenden.» Während Stephan für die Parade des Abends sorgte, kreierte Rüfenacht das Bonmot des Abends: Es habe Spass gemacht, in der Zuger Zone «umezhüpferle».

Rüfenacht und das Langnauer «Betonhockey»

Heute dürften die Berner wenig freies Eis und Geleit erhalten: Sie treten in der Ilfishalle an. «Ich freue mich. Heinz Ehlers bevorzugt zwar ‹Betonhockey›. Aber er lässt seine Spieler auch ab und an offensiv laufen. Das wird ein geiles Spiel», sagte Rüfenacht.

Nun ist es so, dass Ehlers auf den Begriff «Betonhockey» empfindlich reagiert und zu sagen pflegt, Langnau spiele offensiver als der SCB. Rüfenacht flachste: «Wenn das so ist: Vielleicht möchte er das – aber ihm fehlen wohl die Spieler dazu.» Das Derby ist ­lanciert.

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