Die Schweiz scheitert an Schweden

Das Schweizer Nationalteam verpasst gegen Schweden trotz ausgezeichneter Leistung den Coup: Das Team von Patrick Fischer verliert 1:3 und scheitert im Viertelfinal.

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Patrick Fischer zieht den Notizblock hervor, greift sich den Kugelschreiber und streicht mit heftigen Bewegungen irgendetwas durch. Den Schlussstrich unter die Viertelfinalpartie gegen Schweden hat der Schweizer Nationaltrainer damit noch nicht gezogen, aber seine Geste dient offensichtlich der Frustbewältigung. Soeben hat Alexander Edler das 3:1 für die Schweden erzielt.

Der aufgerückte Verteidiger verwertete einen Abpraller Leonardo Genonis und machte den Schweizern einen dicken Strich durch die Rechnung. Zwar vermögen sie zu reagieren, entwickeln weiterhin Druck.

Am Verdikt ändert sich aber nichts mehr – auch, weil die Schiedsrichter vier Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit ein reguläres Tor nicht anerkennen. Sie haben eine Szene vor Henrik Lundqvist abgepfiffen, ehe der Startorhüter den Puck über die Linie gleiten lässt. Der Missgriff bleibt für Lundqvist ohne Folgen.

Bitter: Dominik Schlumpfs Anschlusstreffer vier Minuten vor Schluss wird nicht anerkannt. Video: SRF

So reist Fischers Auswahl heute nach dem Viertelfinal in die Heimat statt zum Finalwochenende nach Köln. Die Schweizer verlassen die WM-Bühne mit der Gewissheit, dem deutlich höher eingestuften Gegner alles abverlangt, ihn zeitweise gar dominiert zu haben. «Direkt nach einer Niederlage kannst du keinen Stolz empfinden», sagt Simon Bodenmann. «Wir sind einfach nur frustriert und enttäuscht.»

«Direkt nach einer Niederlage kannst du keinen Stolz empfinden.»Stürmer Simon Bodenmann

Zu Beginn zu verhalten

Viel wurde im Vorfeld über die Stärken der «Tre Kronor» geschrieben und gesprochen: über den herausragenden Torhüter, die überragende Abwehr, den stark besetzten Sturm. Erstmals in der Geschichte stehen beim neunfachen Titelträger 19 NHL-Akteure im WM-Kader. Deren Jahressalär beläuft sich auf über 70 Millionen US-Dollar.

Die Schweizer aber wollten sich von derlei Zahlen nicht blenden lassen, dem robusten Gegner mutig und frech begegnen. Dies gelang zu Beginn eher schlecht als recht. Die Schweden entwickelten viel Druck, störten früh und entzogen der Schweiz die Luft zum Verschnaufen.

Dass sie (durch Nicklas Bäckström) in Führung gingen, entsprach dem Gezeigten. Dem Center der Washington Capitals sprang der Puck vom Schlittschuh Philippe Furrers direkt auf den Stock. Einen Einsatz später verpasste William Karlsson den zweiten Treffer. Nun streiften Fischers Spieler die Zurückhaltung ab, sie kamen aber kaum einmal zum Abschluss. Schliesslich versuchte es Gaëtan Haas mit einem Solo: Er spedierte die Scheibe irgendwie vors Tor – Oliver Ekman-Larsson lenkte sie entscheidend ab.

Schweden war derweil vor allem dann gefährlich, wenn Bäckström und William Nylander auf dem Eis standen. Nylander, 21 Jahre alter Sohn des langjährigen NHL-Stürmers Michael Nylander, hatte diese Saison mit Toronto an der Seite von Auston Matthews gross aufgespielt und 61 Punkte erzielt. Er sollte auch gegen die Schweiz eine tragende Rolle einnehmen.

Das beste Drittel genügt nicht

Vorerst aber blieb es bis zur ersten Pause beim 1:1. Was folgte, war das vielleicht beste Schweizer Drittel in der Ära Fischer. Es handelte sich um eine Laune des Schicksals, ging es 0:1 verloren. Die Schweizer überzeugten sowohl im Power- als auch im Boxplay, hatten durch Haas und Denis Hollenstein sehr gute Möglichkeiten.

Doch sie liessen sich ein einziges Mal von einer Auslösung durch die Mitte überraschen: Ekman-Larsson lancierte den erwähnten Nylander, der Christian Marti und Leonardo Genoni düpierte. Die Schweizer liessen sich ob des Rückschlags nicht entmutigen, Goalie Lundqvist musste mehrfach zeigen, weshalb er als einer der Weltbesten seines Fachs gilt. Ein Tor sollte dem Aussenseiter aber bis zum Schluss nicht mehr gelingen.

Somit endet die Weltmeisterschaft auf äusserst bittere Weise. In einigen Tagen wird wahrscheinlich der Stolz über das Erreichte überwiegen. Direkt nach dem Match aber regiert der Frust. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.05.2017, 06:25 Uhr

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