«Das kann doch nicht das Rezept sein»

Der Topskorer Martin Plüss (37) des SC Bern spricht vor der fünften Viertelfinalpartie zu Hause gegen Lausanne (20.15 Uhr) über die SCB-Taktik.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Bern oder Lausanne – welches ist die bessere Mannschaft?Martin Plüss: Was ist das für eine Frage? (schmunzelt)

Anders formuliert: Welche Equipe besitzt mehr Qualität? Nach der Papierform und in Anbetracht des Renommees der Spieler: der SC Bern.

Ergo wird sich der SCB gegen Lausanne durchsetzen. Ergo entspricht das Geschehen auf dem Eis nicht immer der Papierform. Die Serie ist hart umkämpft. Letztlich wird sich über sieben Partien die bessere Mannschaft durchsetzen – und damit meine ich jene Mannschaft, die auf dem Eis besser gespielt hat. Wir setzen alles daran, dass dies Bern sein wird.

Nach vier Begegnungen steht es im Viertelfinal 2:2. Wie stufen Sie die Leistungen ein? Im Auftaktspiel war unsere Leistung okay, der 1:0-Sieg verdient. In der zweiten Partie war Lausanne im Mitteldrittel klar besser und sorgte für die Differenz. In Spiel 3 konnten wir uns steigern, standen dem Sieg näher als der Gegner. Und am Samstag kam Lausanne nach gutem Start unserseits auf, am Ende aber hatten wir das Geschehen recht gut unter Kontrolle.

Bisher hat es nie mehr als drei Tore pro Match gegeben. Haben Sie so etwas in Ihrer langen Playoff-Zeit bereits erlebt? Ich weiss es nicht, vermute aber: nein. Neben der defensiven Ausrichtung beider Teams spielt auch eine Rolle, dass der Spielstand fast immer ausgeglichen ist. Man müsste nach einem 1:0 vermehrt versuchen, ein zweites Tor zu erzielen. Dann würde das Spiel offener, es gäbe mehr Tore.

Ist es der richtige Weg, dem äusserst defensiv agierenden Lausanne mit dessen Stärken und Mitteln entgegenzuwirken? Die Realität sieht nun mal so aus: Die Lausanner machen die Räume sehr eng, spekulieren darauf, dass der Gegner aussen durch geht und versucht, Pässe durch ihre Box zu spielen. Diese wollen sie abfangen und kontern. Also ist es logisch, dass man nicht in diese Falle tappt. Weil der Gegner um sein Tor sehr kompakt steht, ist es schwierig, zu Chancen zu kommen. Aber deshalb das Spiel öffnen und sich auf ein wildes Hin und Her einlassen? Das kann doch nicht das Rezept sein. Letztlich geht es in den Playoffs darum, defensiv solid zu stehen – mehr Talent hin oder her. Natürlich gibt es bei uns Dinge, die wir selbstkritisch betrachtet und mittlerweile verbessert haben.

Sie kommen mittlerweile mit mehr Tempo aus der eigenen Zone heraus. Zum Beispiel, ja. Wissen Sie: Wir haben erwartet, dass der Vergleich derart ausgeglichen und eng verlaufen würde. Die Zeiten, als die Top 4 nach der Qualifikation in den Viertelfinals durchmarschierten, sind längst vorbei.

Die Stürmer haben wenig Platz, erhalten kaum Abschlüsse aus guter Position. Deswegen, und weil es kaum Tore gibt, kommt der Effizienz eine noch höhere Bedeutung zu. Wie gehen Sie mit dieser Situation um? Ideal ist es, wenn du viel freies Eis und Platz zum Kreieren hast, automatisch in den Spielrhythmus kommst und mit Schwung in den Zweikampf gehst. Es ist tatsächlich eine grosse Herausforderung, mit wenig Tempo und ohne Platz quasi aus dem Nichts etwas kreieren zu müssen. Doch das ist Teil der Playoffs. Und wer weiss: Je länger die Serie dauert, desto stärker wiegt der Faktor Müdigkeit – und desto mehr Platz könnte es geben.

Die Best-of-seven-Serie ist zu einem Best-of-three-Vergleich geworden – mit Heimvorteil für den SC Bern. Handelt es sich tatsächlich um einen Vorteil? Alles ist relativ. Du kannst das Heimspiel zu deinem Vorteil nutzen oder dich zu stark unter Druck setzen. Und auswärts kannst du dich einschüchtern lassen oder davon profitieren, dass der Druck beim Gegner grösser ist. Es geht immer darum, was du aus der Situation machst.

Im konkreten Fall scheint es, als könne der SCB die Lausanner in der Postfinance-Arena wesentlich besser unter Druck setzen, als dies auswärts der Fall ist. Einverstanden? Ja, dieses Gefühl habe ich auch.

Also ist es ein Vorteil. Beim letzten Heimspiel konnten wir konstant mehr Druck aufbauen, spielten überlegen – und am Ende jubelte der Gegner...

Unser Live-Ticker startet um 20.15 Uhr.

Berner Zeitung

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