Der Meister sparte sich das Beste für zuletzt auf

Die ZSC Lions gewannen ihr fünftes Spiel 7 in Serie, überforderten Biel beim 5:2 mit ihrem Tempo und ihrer Wucht. Nun kommt es wie schon 2014 zum Halbfinal gegen Servette.

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Simon Graf@SimonGraf1

Die ZSC Lions nahmen sich und ihren Anhang im Viertelfinal gegen Biel auf eine Achterbahnfahrt der Emotionen mit. Ihr Repertoire umfasste blamabel, solid, glücklich, überzeugend, überheblich und dominant. Sie waren so unberechenbar, dass man nie wusste, was als nächstes kommen würde. Nur eines schien klar: Dass sie bereit sein würden, wenn es zu einem Spiel 7 kommen würde. Denn diese Mannschaft, so launisch sie ist, liebt die grossen Momente. Das bestätigte sie nun auch gegen Biel. Wie im Playoff 2014 gegen Lausanne (1:0) und Servette (4:0) überforderte sie ihren Gegner in der Entscheidungspartie im Hallenstadion – das Skore hätte auch deutlich ­höher als 5:2 ausfallen können.

Lange waren im Schweizer Eishockey die Davoser die Meister für Spiel 7. Das Team von Arno Del Curto gewann acht davon in Serie. Inzwischen sind die ZSC Lions nun aber auch schon bei fünf siegreichen siebten Spielen nacheinander angelangt. Die Zürcher erhielten gestern noch eine zusätzliche Inspirationsquelle in der Person von Mathias Seger. Der Captain kehrte nach sechs Wochen und mit einer Platte im Unterarm zurück und stürzte sich von Beginn weg in ­jeden Zweikampf.

Angriffswelle um Angriffswelle, 31:14 Schüsse nach 40 Minuten

So, wie die ZSC Lions in die Spiele starteten, war in diesem Playoff ein guter Indikator dafür, was von ihnen zu erwarten ist. Und das war auch diesmal nicht anders. Mit Tempo und Gradlinigkeit setzten sie die Bieler gleich unter Druck, und in der 7. Minute profitierte Bärtschi beim 1:0 von einem verpatzten Wechsel der Gäste. Im Startdrittel kam eine Zürcher Angriffswelle nach der anderen auf die Bieler zu, trotzdem stand es nach 20 Minuten nur 2:1. Der starke Künzle (29.) mit einer schönen Einzelleistung und Trachsler (31.) stellen dann aber um die Spielmitte auf 4:1. Das Schussverhältnis von 31:14 in den ersten zwei Dritteln gab die Stärkenverhältnis korrekt wieder.

Doch die Bieler zeigten sich, obschon ihre Kräfte schwanden, bis zuletzt kämpferisch. Und Arlbrandt sorgte mit seinem fünften Tor der Serie zum 2:4 (48.) immerhin noch für etwas Spannung. Der Schwede blickte danach bedauernd auf Spiel 4 zurück, in dem die ­Bieler zu Hause die 3:1-Führung in der Serie knapp verpasst hatten. Da habe man die Serie verloren, sagte er.­­ ­«Heute waren wir nicht bereit für die Wucht der ZSC Lions. Man merkte schon, dass sie schon einige solch grosser Spiele ­gewonnen haben.» Bei den Zürchern war die Erleichterung über das erfolgreiche Ende dieser zähen Serie spürbar. Doch nun gelte es, am Dienstag wieder bereit zu sein, ­blickte Bärtschi schon voraus. Er weiss, wovon er spricht. Als die Lions letztes Jahr Lausanne endlich gebodigt hatten, waren sie zum Halbfinalstart gegen ­Servette noch nicht bereit für die nächste Herausforderung. Und der Gegner ist nun wieder der gleiche.

ZSC Lions - Biel 5:2 (2:1, 2:0, 1:1) 11'200 Zuschauer (ausverkauft). – SR Kurmann/Vinnerborg, Kaderli/Wüst. – Tore: 7. Bärtschi (Geering, Wick) 1:0. 14. Wick (Bergeron, Nilsson/Ausschluss Kamber) 2:0. 19. Haas (Berthon, Wetzel) 2:1. 29. Künzle (Schäppi) 3:1. 31. Trachsler (Künzle) 4:1. 48. Arlbrandt (Olausson/Ausschluss Bärtschi) 4:2.60. (59:23) Shannon (Keller) 5:2 (ins leere Tor). – Strafen: je 3mal 2 Minuten. – PostFinance-Topskorer: Wick; Arlbrandt. ZSC Lions: Flüeler; Geering, Bergeron; Tallinder, Siegenthaler; Blindenbacher, Seger; Schnyder; Bärtschi, Cunti, Wick; Künzle, Trachsler, Schäppi; Keller, Shannon, Nilsson; Baltisberger, Malgin, Bastl; Neuenschwander. Biel: Rytz; Gossweiler, Wellinger; Cadonau, Fey; Untersander, Jelovac; Steiner, Jecker; Tschantré, Peter, Rossi; Samson, Kamber, Spylo; Arlbrandt, Olausson, Herburger; Wetzel, Haas, Berthon. Bemerkungen: ZSC Lions ohne Stoffel, Fritsche (beide verletzt), Smith und Tabacek. Biel ohne Umicevic (überzählige Ausländer), Ehrensperger und Rouiller (beide verletzt). - Timeout Biel (31.). - Biel von 58:46 bis 59:23 ohne Goalie.

Tages-Anzeiger

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