Der Rückfall führt zum Rückschlag

Der stark ersatzgeschwächte SC Bern ist dem EHC Biel 1:5 unterlegen. Das Team von Guy Boucher liess im Derby jene Qualitäten vermissen, die es vor dem Jahreswechsel demonstriert hatte.

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Adrian Ruch

Nach dem 1:5 im Derby, es ist die höchste Niederlage des SC Bern in der laufenden Meisterschaft, gibt Cheftrainer Guy Boucher zwar wie gewohnt ausführlich Antwort, doch es ist offensichtlich: Der Kanadier ist verärgert. Auf Fragen zur Belastung der SCB-Kanadier durch den Spengler-Cup sowie zur Torhüterthematik reagiert er missmutig und mit Gegenfragen. «Wir haben als Team verloren; jeder muss künftig besser sein, als er es diesmal war», lautet sein Fazit.

Dabei wirft der Auftritt gegen Biel durchaus Fragen auf. Zum ersten Mal seit vielen Wochen unterschritten die zuvor so stabilen Berner ein gewisses Niveau, und zwar deutlich. Im Angriff fehlte es an Präzision und Konsequenz, in der Abwehr an Zuordnung und Konsequenz. «Wir waren nicht bereit, vor dem Tor den Preis für den Erfolg zu zahlen», klagt Boucher, «die Spieler wollten eine Abkürzung nehmen.»

Und Philippe Furrer, der einzige SCB-Torschütze, sagt selbstkritisch: «Nach 10 guten Minuten haben wir in der Defensive nicht mehr sauber gearbeitet.» Systemtreue sieht in der Tat anders aus. Mehrmals kamen Seeländer mutterseelenallein vor Nolan Schaefer zum Abschluss, am meisten mit den Freiheiten anzufangen wusste Pär Arlbrandt – der Schwede schoss drei Tore.

Keine Ausreden

Der andere Matchwinner für die Gäste war Keeper Lukas Meili. Er parierte 34 Schüsse, seine Fanghand schien den Puck anzuziehen, als wäre er ein Magnet. Die SCB-Akteure machten Meili die Sache allerdings nicht allzu schwer, weil sie ihm nur selten die Sicht verdeckten. «Wir haben die Partie in den beiden Slots verloren», bilanziert Furrer. Als Slot wird in der Fachsprache die Zone direkt vor dem Tor bezeichnet.

Für die dürftige Leistung des SCB gibt es durchaus mildernde Umstände. Die Verletztenliste war schon zuvor lang gewesen, im Derby fehlten dazu noch Mauro Dufner (Verdacht auf Hirnerschütterung) sowie Tristan Scherwey. Gegen den Flügel läuft nach seiner harten Aktion im Match gegen Lausanne ein Verfahren des Einzelrichters. Boucher war zu diversen Änderungen gezwungen: Christoph Bertschy half in der Verteidigung aus, die Sturmlinien wurden umformiert. «Uns fehlt es vorne derzeit an Feuerkraft, und Bertschy kann in der Abwehr Beat Gerber oder Justin Krueger logischerweise nicht gleichwertig ersetzen. Trotzdem dürfen wir nicht fünf Tore erhalten», sagt Boucher.

Und auch für Furrer ist der Grund für die Schlappe nicht, dass derzeit die verbleibenden Leistungsträger viel Verantwortung tragen müssen. «Klar, ich und auch einige andere hatten sehr viel Eiszeit, doch damit hatten wir zuvor umgehen können. Unsere Energietanks sind voll. Auch vor Weihnachten hatten wir viele Wechsel verkraften müssen. Deshalb wäre es eine Ausrede, auf die Umstellung der Linien zu verweisen.»

Unerklärliches Nachlassen

Dass der SCB auch mit dem derzeit zur Verfügung stehenden Personal gut spielen kann, zeigte er in der ausverkauften Postfinance-Arena in den ersten 10 Minuten. Die Gastgeber dominierten deutlich, kreierten auch einige gute Chancen. Nach 10:30 Minuten scheiterte Marco Müller mit einem Penalty an Meili, 22 Sekunden später schoss Mathias Joggi die Besucher in Führung. «Anfänglich hatten wir eindeutig die Oberhand. Doch nach dem Penalty gingen wir nicht mehr gleich zur Sache wie zuvor», konstatiert Furrer. Eine Erklärung für das Nachlassen kann der Verteidiger freilich nicht liefern. Und Boucher sagt nur halb im Scherz: «Die Weihnachtszeit macht die Menschen weich.»

Der Rückfall in alte Muster hat für den SC Bern zu einem resultatmässigen Rückschlag und zum Verlust der Tabellenspitze geführt. Das ist kein Problem, sofern das Team den Schalter wieder umlegen kann. Trotz der vielen Verletzten dürfte das Kader kurzfristig keine Änderungen erfahren. Es dauere eine gewisse Zeit, bis ein Spieler das 1-3-1-System verbunden mit der Raumdeckung beherrsche, erklärt SCB-Sportchef Sven Leuenberger, weshalb er derzeit nicht aktiv ist. Bis in zwei Wochen sollte der eine oder andere verletzte SCB-Akteur wieder einsatzfähig sein.

Bern - Biel 1:5 (0:2, 0:0, 1:3)

17'131 Zuschauer (ausverkauft). - SR Koch/Kurmann, Kovacs/Rohrer. - Tore: 11. Joggi (Gloor, Wetzel) 0:1. 14. Arlbrandt (Kamber, Steiner) 0:2. 42. Umicevic (Peter) 0:3. 51. Furrer (Joensuu, Bertschy/Ausschluss Berthon) 1:3. 56. Arlbrandt (Haas) 1:4. 60. (59:55) Arlbrandt (Rossi) 1:5. - Strafen: 1mal 2 Minuten gegen Bern, 3mal 2 Minuten gegen Biel. - PostFinance-Topskorer: Plüss; Kamber.

Bern: Schaefer; Blum, Furrer; Randegger, Gragnani; Bertschy, Grossniklaus; Kreis; Alain Berger, Pascal Berger, Rüfenacht; Holloway, Ritchie, Joensuu; Gardner, Plüss, Moser; Loichat, Müller.

Biel:Meili; Cadonau, Fey; Untersander, Jelovac; Jecker, Steiner; Gossweiler, Wellinger; Arlbrandt, Kamber, Berthon; Rossi, Peter, Umicevic; Horansky, Haas, Spylo; Wetzel, Gloor, Joggi.

Bemerkungen: Bern ohne Scherwey (gesperrt), Dufner, Gerber, Krueger, Kobasew, Reichert, Jobin (alle verletzt) und Cloutier (überzählig), Biel ohne Herburger (abwesend), Ulmer, Olausson, Tschantré, Ehrensperger (alle verletzt) und Rouiller (krank). Müller verschiesst Penalty (11.). Pfostenschüsse Untersander (27.) und Furrer (29.). Bern von 57:44 bis 57:50 und von 58:14 bis 59:06 ohne Torhüter.

Berner Zeitung

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