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Déruns, der Berner Wunschtransfer

Der SC Bern hat am Montag auf dem Schweizer Transfermarkt ein Ausrufezeichen gesetzt. Servettes Stürmer Thomas Déruns (28) wechselt per sofort bis 2014 zu den Bernern.

Déruns’ Tor des Jahres: Im Playoff-Final lupfte der Stürmer den Puck über die Schulter Marco Bührers hinweg ins Tor. Ab sofort steht der Kunstschütze in Diensten des SCB.
Déruns’ Tor des Jahres: Im Playoff-Final lupfte der Stürmer den Puck über die Schulter Marco Bührers hinweg ins Tor. Ab sofort steht der Kunstschütze in Diensten des SCB.
Keystone

Unverhofft kommt oft. Am Montag um 16.58 Uhr liess der SC Bern mit einer unerwarteten Verpflichtung aufhorchen: Thomas Déruns stösst per sofort zum amtierenden Meister und hat einen Vertrag bis zum Ende der Saison 2013/2014 abgeschlossen. «Plötzlich ging alles ganz schnell», sagt SCB-Sportchef Sven Leuenberger, «und ich bin sehr glücklich über den Ausgang dieser Geschichte.»

Die «Geschichte» lautet folgendermassen: Vor einer Woche wurde eine Meldung publik, wonach Servettes Chris McSorley zwecks Senkung der Lohnkosten gewissen Transferaktivitäten nicht abgeneigt sei. Dabei erwähnte der Genfer Manager, auch seine wichtigsten Akteure seien nicht unantastbar. Sven Leuenberger fragte in der Folge bei McSorley unverbindlich nach, unter Berücksichtigung dessen, dass der gewiefte kanadische Taktiker «mit allen Wassern gewaschen ist». Der Inhalt der Gespräche wandelte sich schliesslich innert weniger Stunden von lose zu konkret – und am Ende wurde es ein «Wettlauf mit der Zeit», wie Leuenberger umschreibt. Gestern Nachmittag führte er auf verschiedenen Ebenen Verhandlungen: mit dem Verein, dem Spieler, dem Agenten. Der Adrenalinspiegel sei dabei zuweilen «sehr hoch gewesen». Schliesslich gelang es dem Berner Sportchef rechtzeitig, die notwendigen Formalitäten zu erledigen, und so durfte er den Zuzug seines «Wunschtransfers» vermelden.

Verkauf als Entlastung

Die Genfer mussten ihren Schlüsselspieler gemäss Communiqué aus finanziellen Gründen ziehen lassen. Nur dank der Einnahmen aus diesem Transfer könne das strukturelle Defizit im Rahmen gehalten werden. Die finanziellen Probleme des Vizemeisters gründen in den ausgebliebenen Renovationsarbeiten der Les-Vernets-Halle. Die Einnahmen aus Ticketing und Gastronomie fielen geringer aus als erwartet, weshalb Déruns nicht mehr zu halten gewesen sei. In Anbetracht dessen mutet jedoch die vor Wochenfrist getätigte Verpflichtung Juraj Simeks äusserst grotesk an. Erst recht, weil McSorley dem 23-Jährigen rund 100'000 Franken mehr geboten haben dürfte als die Mitbewerber. Déruns’ Abgang soll in der Calvinstadt vermutlich auch als Warnsignal dienen und die politischen Instanzen endgültig zum Handeln zwingen. Auf die Frage, ob die Verpflichtung des 28-jährigen Nationalspielers einen finanziellen Kraftakt darstelle, meint Leuenberger lapidar: «Déruns passt in unsere Lohnhierarchie.» Hätte der SCB den Davoser Stürmer Peter Guggisberg engagiert, wäre die Verpflichtung von Déruns keine Option gewesen. Der Chaux-de-Fonnier dürfte im Vergleich zu Guggisberg zurzeit besser ins vom SCB praktizierte Spielsystem passen.

Thomas Déruns absolvierte 2009/2010 seine bisher beste Saison der Karriere: Der physisch starke Flügelstürmer erreichte im Schnitt über einen Punkt pro Partie und erwies sich in den Playoffs als stärkster Akteur. Unvergessen bleibt sein Tor mittels Airhook-Finte in der Finalserie gegen den SCB. Déruns verabschiedete sich gestern auf der Genfer Homepage mit den Worten: «Es war mir eine Ehre, für Servette gespielt zu haben. Ich bedaure die Umstände, die zu meinem Verkauf führten.» Dem Wechsel in die Bundesstadt stimmte der 28-Jährige jedoch unverzüglich zu.

Der Zuzug des Nationalspielers (70 Länderspiele) könnte bei den Bernern auch Auswirkungen auf die Ausländerstrategie haben. Sportchef Leuenberger sagt, man werde die Situation «von neuem analysieren». Morgen wird Déruns erstmals in der PostFinance-Arena trainieren.

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