Die bösen Geister vertrieben

Der SC Bern legt im Viertelfinal-Hinspiel der Champions Hockey League vor: Im Vergleich zweier Tabellenführer bezwingen die Berner den schwedischen Vertreter Växjö 3:2.

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Es ist das zweite Drittel, der SC Bern führt gegen Växjö 2:0, und ­irgendwo ganz zuhinterst im Hinterkopf taucht doch tatsächlich die Frage auf, ob die Berner Fans nun wirklich auf den dritten ­Treffer hoffen sollen. Erstens ist ein Zweitorevorsprung in einem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions Hockey League eine gute Basis. Und zweitens, das vor allem, verlor der SCB vor Wochenfrist gegen die SCL Tigers und gegen Biel nach 3:0-Führung.

Nun ist der Aberglaube unter Eishockeyspielern weit verbreitet, was die Berner selbstverständlich nicht davon abhält, Chance um Chance herauszuspielen. Doch das vermeintlich bedeutungsschwere dritte Tor will ihnen nicht gelingen, und dennoch wiederholt sich die ungute Geschichte aus der Vorwoche in den Grundzügen: Innert dreier Minuten ist der Vorsprung im Schlussdrittel dahin. Sollte der SCB trotz Führung wieder verlieren? Ramon Untersander vertreibt mit dem 3:2 in der 56. Minute die bösen Geister aus der Postfinance-Arena, und der kühle Rechner Kari Jalonen sagt: «Es geht nicht um den Sieg, für uns zählen nur die Tore. Und da reisen wir mit einem 3:2-Vorsprung nach Växjö.»

Viel Klasse, wenig Publikum

Es war eine attraktive Partie, die sich den offiziell 13 629 Besuchern bot. Die Saisonabonnemente waren gültig und färbten die Zahl schön. In Tat und Wahrheit waren wohl um die 7000 Zuschauer vor Ort. Offenbar zieht selbst ein Viertelfinal im europäischen Wettbewerb gegen den schwedischen Tabellenführer weniger als ein x-beliebiges Qualifikationsspiel – die fehlende Tradition wird über die Qualität gesetzt. Und Qualität war im gestrigen Vergleich vorhanden. Die Gäste präsentierten früh ihr ausgezeichnetes Powerplay, wobei vieles über den 19 Jahre jungen Elias Pettersson lief.

Der Nummer-5-Draft ist eines der grössten Talente auf europäischem Eis. Er agierte im Startdrittel auffällig, kehrte aber in der Folge nicht wieder aufs Eis zurück. Die Berner hielten gegen die spielerisch guten und robusten Schweden dagegen. Als Vorkämpfer erwies sich Captain Simon Moser, dessen Knochen so einiges aushalten mussten. Entsprechend humpelte er nach dem ersten Abschnitt und vier geblockten Schüssen vom Eis. Das Heimteam ging mit einer Führung in die Pause, weil Gaëtan Haas in Überzahl seinen eigenen Abpraller verwertet hatte.

Im Mitteldrittel reüssierten die Berner erneut im Powerplay: Der letztjährige Langnau-Ausländer Brendan Shinnimin musste von der Strafbank ansehen, wie Simon Bodenmann eine wunderbare Kombination via Haas und Mason Raymond vollendete. Trotz bester Möglichkeiten vermochte die Equipe von Kari Jalonen wie eingangs erwähnt nicht nachzulegen: Eric Blum, der neue Ausländer Jeremy Morin und Mark Arcobello scheiterten an Viktor Fasth. Der Goalie und Weltmeister von 2017 mit den «Tre Kronor» ist vielleicht der bekannteste Akteur im Kader von Växjö.

Die schönste Geschichte aber gehört dem besten Punktesammler Joel Persson. Dieser war im Vorjahr noch mit einem 85-Prozent-Pensum als Lehrer tätig gewesen und hatte nebenbei in der dritthöchsten Liga gespielt, gestern trat der Verteidiger in Bern im Dress des Topskorers an. Ansonsten fiel Persson kaum auf, im Gegensatz zu seinem Abwehrkollegen Noah Welch.

Früh wurde offensichtlich, dass dieser Thomas Rüfenacht kaum mit auf die Arche nehmen würde. Immer wieder gerieten die beiden aneinander, bis Welch in der 38. Minute die Nerven verlor, Rüfenacht niederstreckte und einen Restausschluss kassierte. Das verflixte dritte Tor wollte auch in der folgenden Überzahl nicht gelingen – aber immerhin kurz vor Schluss, Untersander sei dank.

Telegramm und Resultate:

Bern - Växjö Lakers 3:2 (1:0, 1:0, 1:2) 13'629 Zuschauer. - SR Vikman/Salonen (FIN), Obwegeser/Kovacs (SUI). - Tore: 3. Haas (Blum/Ausschluss Carnbäck) 1:0. 28. Bodenmann (Raymond, Blum/Ausschluss Shinnimin) 2:0. 44. Fröberg (Röndbjerg, Shinnimin) 2:1 (Strafe angezeigt). 47. Rosen (Kiiskanen, Calof) 2:2. 56. Untersander (Arcobello) 3:2. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Bern, 6mal 2 plus 5 Minuten (Welch) plus Spieldauer (Welch) gegen die Växjö Lakers. Bern: Genoni; Untersander, Blum; Noreau, Gerber; Andersson, Krueger; Kamerzin; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Raymond, Haas, Scherwey; Bodenmann, Ebbett, Morin; Berger, Heim, Randegger; Meyer. Växjö Lakers: Fasth; Persson, Bohm; Högberg, Lundberg; Nilsson, Welch; Calof, Rosen, Pettersson; Netterberg, Josefsson, Carnbäck; Röndbjerg, Fröberg, Reddox; Brodecki, Shinnimin, Kiiskinen; Madsen. Bemerkungen: Bern ohne Pyörälä, Hischier (beide verletzt) und Kämpf (krank), Växjö Lakers u.a. ohne Rahimi und Pesonen. Pfostenschuss Arcobello (27.). Timeout Växjö Lakers (58:50).

Champions Hockey League. Viertelfinals. Hinspiele: Ocelari Trinec (CZE) - Brynäs Gävle (SWE) 3:1 (0:0, 0:1, 3:0) JYP Jyväskylä (FIN) - Kometa Brünn (CZE) 3:3 (1:2, 1:1, 1:0) Bili Tygri Liberec (CZE) - ZSC Lions 0:1 (0:0, 0:0, 0:1) Bern - Växjö Lakers (SWE) 3:2 (1:0, 1:0, 1:2)

Rückspiele am Dienstag, 12. Dezember. Halbfinal-Tableau (9./10. und 16./17. Januar; Heimrecht noch offen): JYP Jyväskylä/Kometa Brünn - Ocelari Trinec/Brynäs Gävle, Bern/Växjö Lakers - Bili Tygri Liberec/ZSC Lions.

jaw/si

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