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Die Konkurrenten vom selben Boot

Alex Chatelain war beim SC Bern Assistent von Sportchef Sven Leuenberger. Nun leiten die beiden die Geschicke der Halbfinalisten Bern und Zürich.

Alex Chatelain sagt, er müsse nicht immer über jedes Detail informiert sein.
Alex Chatelain sagt, er müsse nicht immer über jedes Detail informiert sein.
Raphael Moser
Sven Leuenberger setzt alles daran, seinen früheren Club mit Zürich aus dem Playoff zu kippen.
Sven Leuenberger setzt alles daran, seinen früheren Club mit Zürich aus dem Playoff zu kippen.
Manuel Geisser
Als Leuenberger im November 2015 seinen Hut als SCB-Sportchef nahm, rückte Chatelain nach.
Als Leuenberger im November 2015 seinen Hut als SCB-Sportchef nahm, rückte Chatelain nach.
Andreas Blatter
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Die Anspannung hat viele Gesichter. Sven Leuenberger sitzt auf der Pressetribüne der Postfinance-Arena, fiebert meist innerlich mit, selten äusserlich, aber stets mit einem Blick, so streng, als ­hätte soeben ein CEO über seinen Kopf hinweg einen Trainer entlassen.

Ab und an tauscht sich der Zürcher Sportchef mit Goalie­trainer Stephan Siegfried aus, der die erste Partie im Halbfinal per Video aufzeichnet. Am Ende gibt es ein kurzes Abklatschen: Auswärtserfolg in Bern zum Auftakt – Mission erfüllt.

Alex Chatelain hat die Partie mit stoischer Ruhe verfolgt, unweit von Leuenberger entfernt, Blick und Mimik wie eingefroren, ein Streichen mit der Hand übers Kinn als höchste Gefühlsregung.

Am Tag nach dem 2:3 zwischen dem SCB und dem ZSC sagt der Berner Sportchef: «Das Fazit ist einfach: Wir haben Geschenke ­gemacht, der Gegner hat sie angenommen.» Leuenberger sagt: «Die Berner sprechen über Eigenfehler. Wir sprechen lieber darüber, dass wir diese provoziert haben. Unverdient war unser Sieg nicht.»

Schicke Drecksarbeit

Wenn sich die zwei grössten ­Eishockeyorganisationen der Schweiz im Halbfinal duellieren, sind Spannungsmoment und Aufmerksamkeit gegeben. Zusätzlich beinhaltet die Affiche ein reizvolles Duell unter Sportchefs, selbst wenn Chatelain sagt: «Sven und ich haben in dieser Serie deutlich weniger Berührungspunkte als die Spieler, welche zum Teil befreundet sind und sich aus den Einsätzen mit der Nationalmannschaft kennen.»

Leuenberger sagt: «Wenn Bern gegen Zürich spielt, ist das Spannung genug. Meine Vergangenheit ist höchstens ein Nebenschauplatz.»

Seinen Platz in Zürich hat der Uzwiler (48) längst gefunden. Nach über 25 Saisons beim SCB als Verteidiger, Nachwuchsverantwortlicher, Sportchef und zuletzt als Sportkoordinator im Hintergrund unterschrieb er im letzten Frühling beim ZSC.

Er wollte zurück in die Verantwortung, wieder Entscheidungen treffen statt nur mittragen. Seine Aufgabe in Zürich umschrieb Leuenberger vor fünf Monaten mit den Worten: «Ich will den Spielern aufzeigen, dass auch Drecksarbeit schick sein kann.»

Nach dem Auftritt vom Dienstag lässt sich festhalten: Neben der spielerischen Komponente scheint dem ZSC wahrhaftig auch die dreckige Arbeit zu gefallen, allmählich. «Der Wandel hat sich in der Woche vor Olympia abgezeichnet, als die Spieler gegen Langnau, Genf und Lausanne die Ärmel hochkrempelten.»

Bei 12 Grad ins kalte Wasser

Charakter und Kampfkraft sind Eigenschaften, die Leuenberger in der Kaderplanung stark gewichtet. So war das auch in Bern. Über die Arbeit seines Nachfolgers mag er sich nicht gross äussern. «Alex macht das gut. Er hat seinen Weg gefunden, ich gehe meinen», sagt Leuenberger bloss.

Er holte Chatelain einst von einer Werbeagentur in den Club. Der frühere Meisterspieler wurde Geschäftsführer der SCB Future AG und Assistent des Sportchefs, verbunden mit der Idee, ihn in Ruhe als möglichen Leuenberger-Nachfolger aufzubauen, statt dereinst jemanden ins kalte Wasser zu werfen.

Und doch folgte er am 18. Oktober 2015, die Aare war 12 Grad warm, Knall auf Fall auf Leuenberger. Heute sagt Chatelain (40): «Sven arbeitet sehr strukturiert. Ich habe von ihm einiges gelernt. Müsste ich etwas hervorheben, wäre das aber etwas Banales: Verpflichte keinen Ausländer, den du nicht vor Ort beobachtet und getroffen hast.»

«Sven ist der Kontrollfreak»

Die Sportchefs sind freundschaftlich verbunden, selbst wenn der Kontakt nicht eng ist. «Wir sind Konkurrenten, sitzen aber oft im selben Boot, etwa wenn es um Löhne und Verhandlungen geht», sagt Chatelain. «Sven ist einer, der dich nicht verarscht.»

Und was ist der grösste Unterschied ? «Ich fiebere ähnlich mit, zeige aber weniger Emotionen. Und: Sven ist der stärkere Kontrollfreak, was seine Mitarbeiter anbelangt. Ich hingegen muss nicht immer über ­jedes Detail informiert sein.» Leuenberger lacht und sagt: «Den Vorwurf muss ich gelten lassen.»

Er wird in der Serie weiterhin eng mit Coach Hans Kossmann arbeiten, schliesslich kennt Leuenberger den Gegner aus dem Effeff. «Ich weiss, wohin wir gehen müssen, um Bern zu schlagen. Aber wir haben einen Sieg, nicht mehr. Ich hüte mich davor, über den Ausgang der Serie zu spekulieren», sagt der ZSC-Sportchef. «Im Playoff gilt: im Moment leben.» Leuenberger und Chatelain tun das mit ähnlicher Intensität auf unterschiedliche Weise.

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