Ein geklauter Punkt als fürstlicher Lohn

Meister SCB enttäuscht beim Tabellenletzten schwer, dank Goalie Karhunen gibt es gegen die Lakers wenigstens einen Punkt.

SCB-Goalie Tomi Karhunen rettete den Meister bis ins Penaltyschiessen.

SCB-Goalie Tomi Karhunen rettete den Meister bis ins Penaltyschiessen.

(Bild: Freshfocus)

Kristian Kapp@K_Krisztian_

Ist denn der SC Bern nun definitiv über den «Berg»? Oder zumindest wirklich im vollen Strichkampf-Modus mit allem, was dazu gehört? Über Letzteres herrschte eigentlich seit Wochen Klarheit, mangelnder Wille konnte dem SCB auch in den ganz schlechten Zeiten, jenen unter dem Strich, nicht vorgeworfen werden. Doch nun kam dieser Auftritt gestern beim Schlusslicht Rapperswil-Jona, und der warf dann eben doch wieder einige unangenehme Fragen auf. Das Resultat schönte vieles, es hielt sich mit 2:3 im Rahmen, es gab ja gar einen nicht unwichtigen Punktgewinn, weil sich der SCB zunächst in die Overtime und dann auch noch ins Penaltyschiessen mogelte.

Doch das greift doch zu kurz, das kann nicht der Berner Anspruch sein. Denn etwas polemisch und auf einen Satz heruntergebrochen kann das Spiel bei den Lakers so zusammengefasst werden: Hätte sich die Qualität der Rapperswiler nur einigermassen mit dem Einsatz die Waage gehalten, der SCB wäre mit einer Klatsche nach Hause geschickt worden. Die Verunsicherung bei den St. Gallern war aber nach fünf Niederlagen en suite genauso hoch wie die Klasse tief, das ergab in der Summe reihenweise vertändelte Torchancen. Und wenn die Schüsse des Heimteams dann doch gefährlich kamen, war auf den Ende November verpflichteten Goalie Tomi Karhunen Verlass – der Finne war gestern einen Punkt wert.

Die Lakers taten mehr

Dennoch, und das ist enttäuschend aus Berner Optik: Der SCB liess sich vom Gegner den Schneid abkaufen. Die Rapperswiler liefen und kämpften, betrieben Forechecking, machten alles, was sich mit reinem Willen und auch ohne Puckzauber halt so machen lässt. Der SCB, pommadig, zögerlich, liess sich zu simplen Puckverlusten verleiten. Zwei schlimme hatten Folgen. Simon Moser, sonst so zuverlässig in allen Belangen, verlor den Puck in der Vorwärtsbewegung in der Mittelzone: 1:0 für Rapperswil. Tristan Scherwey, dann Calle Andersson und dann auch noch Jan Mursak sahen innert Sekunden in der eigenen Zone schlecht aus: In der Summe ergab das den hochverdienten 2:2-Ausgleich für Rapperswil.

Dazwischen hatten die Berner das Spiel gekehrt, es war allerdings ein Hohn. Der SCB hatte nach 33 Minuten bloss fünf Pucks auf Lakers-Goalie Melvin Nyffeler gebracht, die Tore schoss er dank Effizienz, aber auch dank Mithilfe. Denn Nyffeler, das ist der einsamste Mann im Schweizer Eishockey im noch jungen Jahr 2020. Am Abend vorher beim 1:3 in Davos von den Mitspielern im Stich gelassen, verhinderte er mit Paraden gegen solo anstürmende Bündner im Akkord eine Kanterniederlage. Nun spielte ihm gegen Bern Verteidiger Nico Gurtner einen üblen Streich, als dieser die Übersicht verlor, den Puck in den eigenen Slot spedierte und der SCB das dadurch ausgelöste Chaos zum 1:1 nützte.

Karhunens Top-Zahlen

Aber dennoch blieb sich der SCB treu seit dem Umschwung an jenem 28. November letzten Jahres, als er Karhunen verpflichtete. Zum neunten Mal in den zehn Spielen seither punkteten die Berner, die einzige Ausnahme war nicht die Schuld des Finnen, es war das 0:1 in Zug. Karhunen kassiert im Schnitt nur 1,66 Tore pro Spiel, hält 94,2 Prozent aller Schüsse, das sind beides deutliche Topwerte in der National League. Auch im Penaltyschiessen lag es nicht an Karhunen: Es brauchte 18 Versuche, die Lakers siegten 2:1, für den SCB traf nur Vincent Praplan im allerersten Versuch.


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