Ein heikler, aber smarter Entscheid

Sportredaktor Philipp Rindlisbacher zur Rückkehr des kanadischen Stürmers Chris DiDomenico zu den SCL Tigers.

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Erstmals in der Clubgeschichte werden die SCL Tigers mit fünf Ausländernin eine Saison steigen. Die Langnauer senden ein wichtiges Zeichen: Sie geben sich nicht mit dem gesicherten Platz im hinteren Ranglistendrittel zufrieden, sie orientieren sich nach vorn – und sind nach Jahren der Zurückhaltung endlich bereit zu investieren.

Das Engagement Chris DiDomenicos ist ein cleverer Schachzug, bringt der Stürmer doch jene Leidenschaft, jene Unberechenbarkeit, jene Genialität mit, die den Emmentalern zuweilen abgeht.

Ohne Zweifel: DiDomenicos abrupter Wegzug aus Langnau im Februar 2017 war stillos verlaufen. Vor der entscheidenden Meisterschaftsphase forderte er die Verantwortlichen auf, den Vertrag aufzulösen.

Er drohte mit schlechter Leistung, mit Stunk, wurde aus­fällig. Letztlich gaben die Tigers vorschnell klein bei, der Kanadier wechselte in die Heimat nach Ottawa. Das wenig galante Vorgehen DiDomenicos spiegelt seinen Charakter – und kann ihm als Stärke ausgelegt werden. Will er etwas erreichen, tut er alles dafür, ohne Rücksicht auf Verluste.

Seine Beharrlichkeit und seine Unbeherrschtheit führen dazu, dass man ihn im eigenen Team, aber nicht als Gegenspieler haben will. Zudem hat er die Kritiker Lügen gestraft: 27-mal kam er in der NHLzum Einsatz, eine Stufe tiefer war er beim AHL-Team von Rockford Leistungsträger.

Dass die Tigers über ihren Schatten springen und dem Spieler eine zweite Chance geben, mag heikel sein, ist aber nachvollziehbar und richtig. Einerseits, weil die Stärken und Schwächen DiDomenicos bekannt sind, er den Verein weiterbringen dürfte – bei der Aus­ländersuche hatten die tüchtigen Entscheidungsträger zuletzt ansonsten selten ein gutes Händchen.

Andererseits hat die Anhängerschaft ihrem Liebling verziehen, und bei einer teaminternen Befragung äusserte offenbar nur ein Akteur Zweifel an der Verpflichtung DiDomenicos. Der Rückkehrer hatte sich beim Transfer vor Jahresfrist nicht an sämtliche finanziellen Vereinbarungen gehalten. Er steht nun in vielerlei Hinsicht in der Bringschuld. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.06.2018, 22:56 Uhr

Philipp Rindlisbacher, Sportredaktor
Mail: p.rindlisbacher@tamedia.ch

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