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Für den SCB ist die Pause vorbei, die Krise aber geblieben

Das Berner Derby hält nicht, was es versprochen hat. Das kann den SCL Tigers egal sein. Sie gewinnen 3:1. Der SC Bern hingegen zeigt sich auch nach dem Meisterschaftsunterbruch maximal verunsichert.

Die SCL Tigers gewinnen zu Hause das Derby gegen den SC Bern mit 3:1.
Die SCL Tigers gewinnen zu Hause das Derby gegen den SC Bern mit 3:1.
Marcel Bieri, Keystone
Die Berner rannten früh einem Rückstand hinterher. Sie konnten aber zwischenzeitlich ausgleichen.
Die Berner rannten früh einem Rückstand hinterher. Sie konnten aber zwischenzeitlich ausgleichen.
Marcel Bieri, Keystone
Fribourg schlägt Ambri-Piotta zu Hause mit 4:2 dank einer effizienten Startphase.
Fribourg schlägt Ambri-Piotta zu Hause mit 4:2 dank einer effizienten Startphase.
Peter Klaunzer, Keystone
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Ach, wie war die Spannung vor diesem Spiel gross. Der «Blick» kündigte es gar als «heissestes Derby seit 41 Jahren» an. Hier die SCL Tigers, die erstmals seit 15 Saisons Mitte November vor dem SC Bern klassiert sind. Dort der kriselnde Meister, der gerade kaum einen Schlittschuh vor den anderen bringt.

Selbstverständlich kam das Gros der Zuschauer in erster Linie wegen des Heimteams in die Ilfishalle. Und doch dürfte den einen oder anderen Emmentaler auch die Aussicht auf Schadenfreude ans Derby gelockt haben.

Eine Studie von 2012 hat ergeben, dass Menschen besonders gegenüber Mitgliedern von statushohen Gruppen Schadenfreude empfinden, die als kompetent und unsympathisch eingeschätzt werden. Klingt ganz schön akademisch, lässt sich aber aus Langnauer Optik einfach auf den SCB anwenden. Er geniesst als Zuschauerkrösus und Vorzeigeorganisation punkto Finanzen einen hohen Status. Er gilt mit 16 Meistertiteln als kompetent. Er ist als grosser, mächtiger Kantonsrivale im eishockeyaffinen Emmental so beliebt wie ein drängelnder Zürcher an der Kasse im Dorflädeli.

Ohne Mut

Eigentlich sollte es in diesem Text ja von Beginn weg um Eishockey gehen. Aber weil das mutmasslich «heisse» Derby über weite Strecken ein Herumkurven ohne viel erwähnenswerte Aktionen war, wäre es ein Ding der Unmöglichkeit, den Text von der ersten bis zur letzten Zeile mit Relevantem zu versehen.

Relevant war am Ende vor allem das Resultat: Langnau gewann 3:1. In die Glückseligkeit ob der drei Punkte mischte sich auf den Rängen ein Hauch von Schadenfreude. Selbst wenn – das muss so festgehalten werden – dem Gegner in dieser Verfassung die spielerische Kompetenz abgeht.

Langnau genügte eine solide, durchschnittliche Darbietung. Und Langnau gelang ein frühes Tor. Ben Maxwell traf nach drei Minuten auf Pass von Raphael Kuonen. SCB-Verteidiger Calle Andersson agierte im Zweikampf unentschlossen. Was im übrigen auch auf seine Zukunftsplanung zutrifft. Noch immer hat sich der Schwede mit Schweizer Lizenz zumindest offiziell nicht festgelegt, ob er nächste Saison in Bern oder in Zürich spielen wird.

Allein: Auch Anderssons Teamkollegen fehlte die Entschlossenheit, fehlte der Mut, fehlte die Überzeugung. Hinten zeigten sich die Berner zwar verbessert. Sie liessen in den ersten 40 Minuten wenig Chancen zu. Allerdings lag das auch an den harmlosen Emmentalern, die sich kaum einmal im Berner Drittel festsetzen konnten. Und der Meister? Der brachte offensiv nichts zustande. Einzig Simon Moser konnte mit ein paar Ablenkern für Gefahr sorgen.

Und nun kommt der Leader

Es gab also fade Derbykost. Die immerhin im Schlussdrittel noch etwas Würze erhielt. Langnau suchte mit Vehemenz den zweiten Treffer. Die Berner glichen im Powerplay aus (Ramon Untersander). Das Siegtor aber gelang den Tigers, die aufsässiger und vifer waren, Strafen provozierten, den Ausschluss gegen Andersson zum 2:1 durch Robbie Earl nutzten. Und selbstverständlich kam in der Schlussminute Harri Pesonen noch zu seinem obligaten Erfolgserlebnis im Derby.

Für den SCB hat die zweite Saisonphase ernüchternd begonnen. Die Spieler hatten zuletzt Abstand vom Eishockey gewonnen, den Kopf gelüftet. Die Krise aber ist nicht verflogen. Sie ist präsenter denn je – 0:3 am Dienstag gegen Lulea, 1:3 in Langnau. Während der maximal verunsicherte Meister in der National League nun viermal in Folge verloren hat, konnten die Tigers dank dem vierten Erfolg de suite den SCB um fünf Punkte distanzieren. SCB-Verteidiger Colin Gerber sagte: «Die Mannschaft lebt, das Feuer ist da. Das wollen wir beweisen.» Die nächste Chance folgt sogleich: am Samstag gegen den Tabellenführer ZSC.

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