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Geehrt, gleichberechtigt – und trotzdem unglücklich

Lara Stalder ist die aktuell wohl beste Eishockeyspielerin in Europa. Ihre Saison hätte aber noch besser verlaufen können.

Seit fast einem Jahrzehnt zählt Lara Stalder schon zum Kreis der A-Nationalmannschaft. Bild: Harry How/Getty Images
Seit fast einem Jahrzehnt zählt Lara Stalder schon zum Kreis der A-Nationalmannschaft. Bild: Harry How/Getty Images

Plötzlich war ihr Lächeln wieder da. 8000 Zuschauer beim Männerderby Brynäs gegen Leksand bildeten die Kulisse, als Lara Stalder den «Guldhelm» überreicht bekam, die Auszeichnung für die wertvollste Spielerin der schwedischen Frauenliga. «Das war eine Riesenehre für mich», sagt die Luzernerin.

Die 25-Jährige schrieb im traditionsreichen Eishockey-Land ein Stück Geschichte. Bei den Männern wird diese Wahl seit 1985 durchgeführt, bei den Frauen war es aber das erste Mal. Faktisch kann sich Stalder damit als aktuell «beste Spielerin in Europa» fühlen, denn die schwedische Liga SDHL ist auf dem Kontinent das Mass aller Dinge, ganz besonders, seit auch viele der Top-Nordamerikanerinnen in Skandinavien engagiert sind.

Stalder freut eines besonders: «Ich wurde durch meine Kolleginnen gewählt, das macht es ganz speziell.» Sie machte ihnen die Wahl auch leicht: In 36 Qualifikationsspielen brachte sie es auf 42 Tore und 29 Assists, insgesamt liess sie sich eine überragende Plus-36-Bilanz notieren. Dabei war sie nach einem von einer Schulteroperation geprägten Jahr ohne grosse Erwartungen in die Saison gestiegen: «Ich wollte in erster Linie verletzungsfrei bleiben.»

«Es ist dreimal dumm gelaufen»

Individuelle Meriten sind das eine, das Teamergebnis das wichtigere. Zweimal hatte Stalder in den letzten beiden Jahren mit Linköping den Final erreicht, nun blieb die erhoffte Krönung aber aus. Die Hoffnungen platzten abrupt mit einem 0:3 in der Halbfinalserie gegen Lulea.

Die Enttäuschung über diese Partien ist auch mit einigen Tagen Abstand unüberhörbar: «Gerade jetzt, wo die Finalserie läuft, denke ich immer wieder daran zurück. Es ist für uns dumm dreimal gelaufen.» Einmal seien sie klar besser gewesen, in den beiden anderen Partien wurde Brynäs jeweils in der entscheidenden Phase ein Tor aberkannt. Dementsprechend könnte ihre Laune besser sein: «Die Enttäuschung überwiegt im Moment klar.»

Mit dem NHL-Star auf dem Eis

Trotz des schlechteren Resultates hat sie den Entscheid nicht im Geringsten bereut, in die Stadt zu ziehen, der für die Schweizer Eishockey-Gemeinde seit dem Abstieg an der Männer-A-WM 1995 etwas Traumatisches anhaftete. Stalder hatte Brynäs IF für die Fortsetzung ihrer Karriere gewählt, weil «der Club das Männer- und Frauen-Eishockey praktisch gleichberechtigt behandelt.»

«Wir können jeden Tag miteinem professionellen Staff arbeiten. Der Club macht wirklich enorm viel für uns.»

Natürlich, beim Lohn gibt es substanzielle Unterschiede wie überall weltweit im Eishockey, aber ansonsten seien die Bedingungen perfekt: «Wir können jeden Tag mit einem professionellen Staff arbeiten und uns so weiterentwickeln. Der Club macht wirklich enorm viel für uns. In den sozialen Medien sind wir beispielsweise gleich präsent wie die Männer.»

Einen ersten Vorgeschmack auf ihren neuen Status hatte sie schon im vergangenen August erhalten. Zusammen mit drei Kolleginnen durfte sie an einem Männer-Showspiel teilnehmen, mit aktuellen und ehemaligen Grössen aus Gävle und Umgebung. So stand sie neben Nicklas Bäckström auf dem Eis, dem Superstar der Washington Capitals, dessen Zehnjahres-Vertrag mit 67 Millionen US-Dollar dotiert ist.

Vom Rookie zur Leaderin

Sieben Jahre spielt sie nun schon auf höchstem Niveau im Ausland, zuerst vier an der University of Minnesota-Duluth, nun drei in Schweden. Deshalb nimmt sie auch ein wenig Heimweh auf sich: «Ich vermisse die Nähe zu meiner Familie und meinen Kollegen. Aber wenn ich weiterhin das Maximum herausholen will, ist das nur im Ausland möglich.» Mildernd wirkt, dass sie derzeit mit mehreren Kolleginnen aus US-Zeiten sowie mit den Schweizerinnen Sarah Forster und Evelina Raselli zusammenspielt.

«Ich übernehme gerne Verantwortung und helfe, wenn ich kann.»

Besonders abrupt war das Ende, da auch noch die A-WM in Kanada wegen des Corona-Virus abgesagt wurde. «Insgesamt sind sieben Wochen ins Wasser gefallen», fasst sie trocken zusammen. Seit fast einem Jahrzehnt zählt sie schon zum Kreis der A-Nationalmannschaft, aus dem Rookie ist längst eine Leaderin auf und neben dem Eis geworden. In der jungen Equipe von Trainer Colin Muller kommt Stalder schon fast die Rolle eines «Team-Mamis» zu. Sie lacht angesichts dieser Bezeichnung: «Ich übernehme gerne Verantwortung und helfe, wenn ich kann.»

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