«Ich bin ein total anderer Mensch»

Am Samstag um 19.45 Uhr empfängt der SCB den EHC Biel zum Derby. Damit gastiert Ramon Untersander an seinem künftigen Arbeitsort – dort, wo sein unmittelbarer Vorgänger nicht glücklich wurde.

Ramon Untersander (rechts) im Duell mit Gregory Hofmann vom HC Davos.

Ramon Untersander (rechts) im Duell mit Gregory Hofmann vom HC Davos.

(Bild: Keystone)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Im vergangenen November war es, als der neue Nationaltrainer Glen Hanlon mit seinem Aufgebot für den Deutschland-Cup überraschte. Gleich diverse neue Namen figurierten darin – solche, die im Schweizer Eishockey noch kaum für Furore gesorgt hatten. Einer davon war jener Ramon Untersanders. In 4 Jahren sei der Verteidiger des EHC Biel 28, erklärte Hanlon gegenüber der «SonntagsZeitung». Er wolle sich dann nicht sagen müssen: «Himmel, der ist einer der sechs besten Verteidiger im Land, aber international hat er überhaupt keine Erfahrung. Dann sind Olympische Spiele, und das ist kein Ort für Debütanten.»

SCB-Sportchef Sven Leuenberger dürfte sich ähnliche Gedanken gemacht haben. Denn Ende November verkündeten die Stadtberner den Zuzug Ramon Untersanders für die drei kommenden Saisons.

Del Curto im Rücken

«Diese Wertschätzung ist schön», meint Untersander, angesprochen auf Hanlons Aussage. «Es zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Aber es gibt überhaupt keinen Grund, mich nun auszuruhen.» Diese Aussage überrascht kaum, betrachtet man den bisherigen Karriereverlauf des Rheintalers. 2012 stiess er vom HC Davos zu Biel – auf Anraten Arno Del Curtos. Unter ihm hatte sich Untersander nicht wie gewünscht entwickelt; das Talent war zweifellos vorhanden, doch es mangelte an Selbstvertrauen und an mentaler Stärke. «In Davos hatte ich immer Del Curto im Rücken, vielleicht hat das einen Einfluss gehabt», sagt er heute.

Auch in Biel fiel Ramon Untersander zunächst kaum auf; defensiv war er solide, aber offensiv harmlos. In seiner ersten Spielzeit erzielte er einen Assist, letzte Saison waren es in der Qualifikation deren drei. Doch in der Schlussphase der Meisterschaft trumpfte Untersander plötzlich auf: In der Platzierungsrunde, den Playouts und der Ligaqualifikation gelangen ihm fünf Tore und vier Assists.

Und in dieser Spielzeit ist der Verteidiger bereits bei dreizehn Punkten (drei Tore/zehn Assists) angelangt. «Diese Steigerung hängt wesentlich mit meiner mentalen Entwicklung zusammen», erklärt Ramon Untersander. «Ich musste zuerst lernen, von mir überzeugt zu sein und mich nach Fehlern nicht fallen zu lassen, sondern sofort eine Reaktion zu zeigen.»

Wellinger vor Augen

Nun also trifft Untersander heute auf seinen zukünftigen Arbeitgeber. Er schwärmt von der professionellen Berner Vereinsführung und der Kulisse in der Postfinance-Arena: «Der SCB ist der grösste Eishockeyklub Europas, es ist eine grosse Ehre, für ihn spielen zu können.» Untersander lagen auch Angebote von anderen Vereinen vor; doch als er vom Interesse der Mutzen vernommen habe, habe ihm das imponiert.

Sein jüngster Vorgänger hatte einst Ähnliches gesagt. 2013 war Thomas Wellinger – wie Untersander – mit der Absicht nach Bern gewechselt, beim SCB den nächsten Schritt zu machen. Doch nach einer von Verletzungen und Misserfolg geprägten Saison schwanden beim Verteidiger Freude und Motivation. Im September bat er schliesslich – wenige Tage vor Meisterschaftsbeginn – um die Auflösung seines Vertrages, damit er nach Biel zurückkehren konnte. Er habe mit Wellinger gesprochen, sagt Untersander, betont aber: «Ich bin ein total anderer Mensch.» Dass in ihm nun diverse Experten den «nächsten Wellinger» sehen, stört ihn nicht. «Ich gehe nicht mit dem Gedanken des Scheiterns nach Bern, ich will mich beim SCB weiterentwickeln.»

Ohnehin orientiert sich der Rheintaler an anderen Spielern, beispielsweise an Ivo Rüthemann. Sie sind im selben Dorf aufgewachsen, haben sich wegen des Altersunterschieds jedoch erst später kennen gelernt. Trotzdem trägt Untersander die 32, «wegen Ivo, aber auch ein bisschen wegen Mark Streit». Spätestens ab nächstem Herbst wird er sich jedoch an eine neue Rückennummer gewöhnen müssen – die 32 hängt in Bern bekanntlich am Stadiondach.

Berner Zeitung

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